Braucht die Schweiz wirklich Olympische Spiele?

Heute entscheidet das Sportparlament, ob sich die Schweiz wieder für Olympia bewerben soll. Die Meinungen sind geteilt. Auch bei thunertagblatt.ch/Newsnetz.

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Ja

Braucht die Schweiz Olympische Spiele? Nein, braucht sie nicht. Aber guttun würden sie ihr.

Allerdings nur, wenn das Internationale Olympische Komitee (IOK) die Wende nicht nur auf dem Papier vollzieht, auf dem sie mit der «Agenda 2020» die Voraussetzungen für dezentralisierte und nachhaltigere Spiele geschaffen hat. Das IOK muss sich auch tatsächlich von grössenwahnsinnigen Projekten distanzieren. Von ruinösen Winterspielen wie in Sotschi mit Kosten über 50 Milliarden Dollar. Oder von schwer vermittelbaren Spielen wie in Peking 2022.

Rund um die chinesische Hauptstadt gibt es so wenig Schneefall wie im südkoreanischen Pyeongchang (2018). Und schon gar nicht lassen sich Fragen nach Menschenrechten und Demokratie in China mit dem olympischen Geist vereinbaren.

Winterspiele kleiner, ökologischer, vernünftiger gedacht. Winterspiele nicht zugunsten einer kleinen Region, sondern zugunsten einer Nation – es gäbe kaum ein Land, das dafür besser geeignet wäre als die Schweiz.

Es gäbe kaum ein Land, das für vernünftige Spiele besser geeignet wäre als die Schweiz.

Es gibt hier schon sehr vieles, was nötig ist. Eine funktionierende Infrastruktur mit Flughäfen, Hotels, Strassen und öffentlichem Verkehr an allen Ecken. Mit Eisstadien in Genf, Lausanne, Bern, Zug, Zürich und Davos. Mit Loipen, Pisten und Rampen in den Alpen. Mit Bob in St. Moritz. Was fehlt, ist eine komplette Skisprungarena. Und eine Eisschnelllaufbahn. Das ist machbar – mit, aber auch ohne Partnerland.

5 Milliarden Franken würden laut Experten Olympische Winterspiele in der Schweiz kosten. Das darf sich das Land mit einem jährlichen Bundeshaushalt von rund 67 Milliarden Franken leisten. Weil sich die Investitionen über einen längeren Zyklus verteilen. Und weil Investieren in diesem Fall und für ganz viele Bereiche von Wirtschaft bis Sport auch Stimulieren bedeutet.

Nein

Wir wollten es bis zuletzt glauben: Jetzt geht sie dann los, die Euro-Euphorie, jetzt sehen wir dann gleich, wie sich all die versprochenen «nachhaltigen Effekte» eines solchen Anlasses wie ein goldener Schleier über unsere Stadt legen. Nie mehr werden wir die gleichen sein, denken Sie nur an all die Touristen, die jetzt nach Basel pilgern, an den Halbfinalort einer Fussballeuropameisterschaft!

Und ja, wir hatten lustige besoffene Holländer, wir hatten besoffene Russen und besoffene Deutsche (viele) und besoffene Portugiesen. Es waren glatte Tage im Sommer 2008.

Aber sie vernebelten den Blick auf die Unverfrorenheit, mit der sich internationale Sportverbände auf ihre Gastgeber stürzen. Wer sich wo wann bewegen darf. Welches Bier wo und wann ausgeschenkt wird. Wie der Name der Veranstaltung geschrieben wird. Wer wie viel zu bezahlen hat (also wir Gastgeber), wer die Profite einstreicht (der Verband natürlich).

Es ist kein Wunder, sagen in demokratischen Ländern die Bürger konsequent Nein.

Und das sind nur Petitessen im Vergleich zu jenen Ungeheuerlichkeiten, die diese Sportverbände an jenen Orten anstellen, wo ein demokratisches System nicht unbedingt ausgeprägt ist. Zwangsumsiedelungen, zerstörte Stadtkerne, teure Stadionruinen, grossflächige Verschandelung der Natur.

Es ist kein Wunder, finden Sportgrossveranstaltungen nur noch in autokratischen Ländern statt. Und es ist ebenso kein Wunder, sagen in demokratischen Ländern die Bürger konsequent Nein zu Olympischen Spielen oder Fussballweltmeisterschaften. Es ist die einzig richtige Antwort. Denn nachhaltig an solchen Veranstaltungen ist nur eines: der Ärger danach.

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