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Die mathematische Eleganz von Pirouetten

Die Note 6,0 ist im Eiskunstlaufen längst Vergangenheit. Bei der am Montag beginnenden Europameisterschaft werden manche Athleten mit weit über 200 Punkten benotet. Um das Wertungssystem zu erklären, hielt Preisrichterin Myriam Loriol Oberwiler einen Vortrag an der Volkshochschule Bern.

Im Vorfeld der Europameisterschaften fanden am Sonntag die ersten Trainings statt.
Im Vorfeld der Europameisterschaften fanden am Sonntag die ersten Trainings statt.
Keystone
Die Meisterschaften werden vom 23. bis 30 Januar ausgetragen.
Die Meisterschaften werden vom 23. bis 30 Januar ausgetragen.
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Noch sind die Ränge leer, aber ab Montagmittag beginnen die Meisterschaften.
Noch sind die Ränge leer, aber ab Montagmittag beginnen die Meisterschaften.
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Wer die Ziellinie als Erster überquert, hat gewonnen. Beim Marathon ist es eindeutig. Auch beim Fussball bleiben – von Fehlentscheiden des Schiedsrichters abgesehen – keine Fragen offen. Gewonnen hat, wer mehr Tore schiesst. Etwas anders ist es beim Skispringen, wo neben der Weite auch die Ästhetik des Sprungs bewertet wird. Und beim Eiskunstlaufen sind die Athletinnen und Athleten sogar gänzlich auf die Gunst der Preisrichter angewiesen.

Bis 2004 war es zumindest so. Neun Preisrichter vergaben für jedes gelaufene Programm eine A-Note für die technische Ausführung sowie eine B-Note für den künstlerischen Ausdruck. Das Kurzprogramm zählte zu einem Drittel und die Kür zu zwei Dritteln in der Gesamtwertung. Um dieses subjektive Bewertungssystem objektiver zu gestalten, hat die Internationale Eislaufunion (ISU) ein neues Wertungssystem entwickelt. Myriam Loriol Oberwiler, eine erfahrene Preisrichterin und Trainerin im Eiskunstlaufen, erklärte dieses Bewertungssystem in einem Workshop an der Volkshochschule Bern. Etwa 20 Leute waren gekommen, um den Ausführungen Loriol Oberwilers zu folgen.

Im neuen System ist nicht mehr die Note 6 die Maximalnote. Stéphane Lambiel erreichte an den Olympischen Spielen in Vancouver mit total 246,72 Punkten Rang vier. «Theoretisch ist das Punktesystem nach oben offen», sagte Myriam Loriol Oberwiler. Der Weltrekord liegt zurzeit bei 264,41 Punkten, aufgestellt von Daisuke Takahshi an der Vier-Kontinente-Meisterschaft 2008. Man ahnt es bei solchen Zahlen: Dem Punktesystem liegt ein striktes mathematisches Berechnungsmodell zugrunde. Bewertet werden zum einen die einzelnen Elemente und deren Ausführung, zum anderen die Bestandteile.

Jedes Element wird einzeln bewertet

Neben den eigentlichen Preisrichtern gibt es zusätzlich ein technisches Gremium. Alle Elemente, die in einem Programm gezeigt werden – Sprünge, Pirouetten oder komplexe Schrittfolgen –, werden mit ihrem Schwierigkeitsgrad von einem technischen Spezialisten erfasst. Der technische Spezialist wird von einem Assistenten und einem Kontrolleur unterstützt. Ihre Arbeit ermöglicht es den Preisrichtern, jedes einzelne Element zu bewerten. Was das technische Gremium nicht erfasst, wird nicht bewertet.

Nach ihrem Programm erhält jede Eiskunstläuferin und jeder Eiskunstläufer ein Notenblatt, auf dem die gezeigten Elemente und die dazugehörigen Bewertungen Punkt für Punkt aufgelistet sind. «Dieses System ist sehr gut für die Sportler und die Trainer», erklärte Loriol Oberwiler. «Sie sehen so direkt, wo sie etwas verbessern können. Für das Publikum ist dieses System allerdings etwas schwierig.»

Der Videobeweis schafft Klarheit

«Bei den Bestandteilen wird im Prinzip das bewertet, wofür früher die B-Note stand», so Loriol Oberwiler. Die Programmbestandteile sind Eislauffertigkeit, Verbindungselemente, Präsentation, Choreografie und Interpretation.

Und eine weitere Neuerung wurde im Eiskunstlaufen mit dem neuen Wertungssystem eingeführt: der Videobeweis. Die Punktrichter haben also die Möglichkeit, jeden Sprung, jede Schrittfolge oder jede Pirouette mehrmals anzusehen. Den technischen Spezialisten steht dazu sogar die Zeitlupe zur Verfügung.

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