Hochklassiger Vergleich der Versehrten

Aksel Svindal gewinnt die Abfahrt von Beaver Creek. Beat Feuz belegt auf der Birds of Prey Platz zwei, der Rest fährt in der zweiten Liga. Der Norweger ist einen guten Kopf grösser als der Emmentaler; ansonsten fallen vor allem Parallelen auf.

Klein duscht Gross – und umgekehrt: Beat Feuz und Aksel Svindal verstehen sich ausgezeichnet.

Klein duscht Gross – und umgekehrt: Beat Feuz und Aksel Svindal verstehen sich ausgezeichnet.

(Bild: Keystone)

Die Abfahrt in Beaver Creek war ein Fall für zwei. Aksel Svindal und Beat Feuz ermittelten den Gewinner, der Rest des Feldes kämpfte um Rang 3. Wobei es hierbei eine Überraschung gab, Thomas Dressen den ersten Speedpodestplatz für Deutschland seit Max Rauffers Sieg anno 2004 in Val Gardena realisierte.

Svindal bewältigte die Birds of Prey 15 Hundertstel schneller als Feuz, die Gründe für die Differenz sind nicht zuletzt physischer Natur. Im obersten, äusserst flachen Abschnitt hatte der 18 Zentimeter kleinere und ungefähr gleich viele Kilogramm leichtere Emmentaler vier Zehntel ver­loren – die Hypothek wog zu schwer.

Rückkehr ohne Anlaufzeit

Vom Körperbau abgesehen, haben Feuz und Svindal einiges gemeinsam. Es handelt sich um Versehrte, deren Knie verschiedentlich operiert, deren Achillessehnen nach Rissen geflickt werden mussten.

Svindal beschieden die Ärzte nach seinem spektakulären Sturz auf der Hausbergkante zu Kitzbühel, er würde vermutlich keine Skirennen mehr bestreiten können. Bei Feuz hatten die Mediziner im November 2012 wegen einer bakteriellen Infektion im linken Knie gar eine Unterschenkelamputation in Betracht gezogen.

Beide liessen sich nicht unterkriegen, kehrten zurück – nicht nur in den Skizirkus, sondern an die Weltspitze, und dies nahezu ohne Anlaufzeit. Beide absolvieren ein im Vergleich mit den Teamkollegen reduziertes Trainingspensum. Svindal schien nach seinem Triumph leicht zu hinken.

Feuz wiederum hielt fest, sein havariertes Knie nach der ­intensiven Phase mit Trainingscamp, den Rennen in Lake Louise sowie jenen in Beaver Creek wieder zu spüren. Was insofern etwas heissen will, als der Schangnauer seit Jahren mit einem Dauerschmerz lebt, diesen jedoch mittlerweile als Normalzustand bezeichnet.

Tipps für den Gegner

Spricht der eine über den anderen, dringt beidseits höchster Respekt durch. So liess Svindal vor den Wettkämpfen in Lake Louise verlauten, Feuz sei schwerlich zu bezwingen, sofern er seine Fähigkeiten ausreize. Es ging dem Norweger nicht darum, die Favoritenrolle abzuschieben; er weiss einfach, was der Weltmeister von St. Moritz zu leisten imstande ist, wenn er aufs Ganze geht.

Was er wegen des labilen Zustands seines Knies nicht immer tut. Von Freunden zu sprechen, wäre gewiss übertrieben, aber die Leidensgenossen tauschen sich hin und wieder aus, geben sich Tipps – nicht nur auf der Piste. Der Skandinavier schaute auch schon bei Feuz zum Kaffee vorbei; es leben beide in der Agglomeration von Innsbruck.

Der Kampf um den Abfahrtsweltcup könnte sich zu einem ebenso spannenden wie hochklassigen Duell entwickeln. Sofern Feuz und Svindal durchziehen können, sämtliche Rennen bestreiten werden. Was rein statistisch betrachtet, in Anbetracht der Geschehnisse in den letzten Wintern, aber eher unwahrscheinlich ist.

Berner Zeitung

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