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Jetzt wehren sich Peter Müllers Teamrivalen

Der Ex-Skirennfahrer teilte heftig gegen seine ehemaligen Weggefährten aus. Zurbriggen, Berthod und Co. kontern.

Peter Müller: Erst hat er ausgeteilt, jetzt muss er einstecken. Foto: Boris Müller
Peter Müller: Erst hat er ausgeteilt, jetzt muss er einstecken. Foto: Boris Müller

Peter Müller hat es wieder getan: Menschen vor den Kopf gestossen. Zwei Wochen ist es her, da redete der Schweizer Abfahrtsrekordsieger an dieser Stelle darüber, wie er im Erfolgsteam der 80er-Jahre geplagt, ausgegrenzt, ignoriert wurde. Wie von Anfang an alle gegen ihn etwas hatten, die Züri-Schnurre, auf die niemand gewartet habe.

Er sei mit Bier überschüttet, im Fussball fies gefoult, beim Eishockey mit dem Stock geschlagen worden, er, der Aussenseiter. Mit seinen Aussagen sorgte der 62-Jährige für Kopf­schütteln bei seinen einstigen Teamkollegen und Trainern.

«Im Bus gab es eine kleine Schlägerei.»

Walter Tresch

Walter Tresch ist einer von ihnen, einst vierfacher Weltcupsieger und derjenige, der Müller im Bus ein Bier in den Nacken geleert haben soll. Daran könne er sich zwar nicht erinnern, sagt der heute 71-jährige Urner. Doch eine Rauferei, die habe es einmal gegeben. «Ich sass im Bus hinter ihm, stiess ihm den Hut vom Kopf. Er drehte sich um und zwickte mir eines. Danach gab es eine kleine Schlägerei, und die Österreicher um uns riefen: ‹Hopp Schwiiz!›»

Walter Tresch: «Er stand allen auf die Füsse.» Foto: Keystone
Walter Tresch: «Er stand allen auf die Füsse.» Foto: Keystone

Die Vorgeschichte: Tresch war verspätet zu einem Rennen in Norwegen angereist, weil er kurz zuvor Vater geworden war. «Also musste ich mit Müller ins Zimmer» – nur dort war noch ein Bett frei. Er habe kaum die Tür aufstossen können, derart verbarrikadiert habe es Müller mit all seinen Sachen. «Ich bat ihn: Mach Ordnung. Doch er motzte nur vor sich hin.» Wenigstens auf dem Nachttisch hatte es noch Platz; Tresch legte seine mitgebrachten fünf Tafeln Schokolade darauf, ging zum Konditionstraining. «Als ich zurückkam, waren sie weg. Müller sagte, er habe halt Hunger gehabt.»

Müller, der Provokateur – es ist ein Bild, das viele seiner früheren Weggefährten zeichnen. Tresch sagt: «Als er als junger Fahrer ins Team kam, stand er allen auf die Füsse. Wir warnten ihn mehrmals, er solle sich anpassen und nicht so egoistisch sein. Aber er hörte nicht auf uns.»

«Er hat jeden als Feind gesehen.»

Karl Frehsner

Karl Frehsner sagt es so: «Inte­grationsmässig ist Müller nicht gerade ein Talent.» Der Öster­reicher war der Erfolgstrainer von damals, «eiserner Karl» genannt wegen seiner konsequenten Art. Der heute 80-Jährige war ganz glücklich damit, Müller im Team zu haben. «Er war leistungsfördernd für die anderen. Er hat sie angestachelt. Zu Ca­thomen hat er gesagt: ‹Wenn du so viel trainierst wie ich, kannst du auch einmal ein Rennen gewinnen.› Ein halbes Jahr später holte Cathomen in der WM-Abfahrt von Schladming 1982 Silber. Und Müller wurde Fünfter.»

Trainer Karl Frehsner ist froh, Müller im Team gehabt zu haben. Foto: Keystone
Trainer Karl Frehsner ist froh, Müller im Team gehabt zu haben. Foto: Keystone

Er habe «nie krasse Probleme» gehabt mit Müller, sagt Frehsner, «ich teilte ihm direkt meine Meinung mit, und er akzeptierte sie. In gewissen Sachen musste er aber dafür büssen, dass er sich durchsetzen wollte mit seinen Ideen.» Ein eigener Typ sei er gewesen, der Müller, «ein strebsamer und schlauer Bursche auch, der mehr trainiert hat als die anderen. Und sich damit keine Freunde machte.» Er habe wohl «irrsinnig grosse Leistungen» erbracht, sagt Frehsner. «Nur: Dann sollte er sich auch entsprechend verhalten und nicht zu Rundumschlägen gegen Kameraden ausholen.»

Frehsner nervte sich über die Aussagen seines einstigen Erfolgsathleten, «er ist offenbar noch der Gleiche wie vor zwanzig Jahren. Schade, hat er nicht mehr gemacht aus sich.» Und, das wolle er auch noch loswerden: Dass Müller behauptete, er habe damit begonnen, die WM- und Olympiapisten im Sommer abzulaufen, um ein Gespür dafür zu bekommen, sei «Blödsinn», sagt Frehsner. «Das haben wir schon in Schladming gemacht.» Müller nehme vieles für sich in Anspruch, was gar nicht auf seinem Mist gewachsen sei.

Und dass er von seinen Teamrivalen geplagt worden sei? Frehsner sagt: «Das hat mich nie interessiert. Vielleicht hat er sich vernachlässigt gefühlt, allerdings hat er auch nicht viel dazu beigetragen, die Situation zu verbessern. Er hat jeden als Feind gesehen. Das tut er heute noch. Das ist sein Fehler. Bei ihm heisst es immer: Alle gegen Müller.»

«Bei ihm sind einfach immer die anderen das Problem.»

Conradin Cathomen

Also auch Conradin Cathomen. Er soll Müller einst in den Skischuh gepinkelt haben. «Sich auf dieses Niveau herabzulassen, hat eigentlich keinen Sinn», sagt der 60-jährige Bündner. «Müller sieht sich offenbar noch immer stets als Opfer. Und das nach 40 Jahren: himmeltraurig.» Er findet «unanständig», welche «Unwahrheiten» Müller erzählt habe, «ich habe ihm auf jeden Fall nie in die Skischuhe gepinkelt oder sonst etwas». Es habe zwar Sprüche gegeben gegen ihn, «aber er provozierte dermassen, dass er damit leben musste».

Ein Bild aus alten Tagen (v. l.): Franz Heinzer, Conradin Cathomen, Peter Müller. Foto: Keystone
Ein Bild aus alten Tagen (v. l.): Franz Heinzer, Conradin Cathomen, Peter Müller. Foto: Keystone

Keiner habe mit Müller ins Zimmer gewollt, ein Eigenbrötler sei er gewesen, sagt Cathomen. Dass dieser die Ablehnung damit begründe, als Zürcher nicht akzeptiert worden zu sein, nennt er «Unsinn». Und: «Bei ihm sind einfach immer die anderen das Problem.»

«Wir haben ihn geplagt, klar.»

René Berthod

Einer der anderen war auch René Berthod. Der Berner habe sich immerhin als Einziger hinterher entschuldigt, erzählte Müller: «Er meinte, er sei ein Sauhund gewesen.» Der 71-Jährige gibt zu: «Wir haben ihn geplagt, klar. Aber er war auch selber schuld.» Ein schwieriger Kerl sei Müller gewesen, habe nur für sich geschaut; Berthod nennt ein Beispiel: «Früher gab es in den Hotels kein Frühstücksbuffet, auf den Tischen standen nur ein paar Dinge bereit. Müller kam und hamsterte. Das war kein Miteinander.»

René Berthod ist enttäuscht über die Äusserungen von Müller. Foto: Keystone
René Berthod ist enttäuscht über die Äusserungen von Müller. Foto: Keystone

Ein «Querschläger» sei er gewesen, «wir hatten sicher mehr Freude, wenn Russi gewann». Trotzdem hat sich Ber­thod später entschuldigt, weil er dachte, einen Strich unter die Sache ziehen zu können. «Umso enttäuschter bin ich, kommt nun doch wieder alles hoch.»

«Ein spezieller Kerl.»

Pirmin Zurbriggen

Gelassener sieht es Pirmin Zurbriggen, die Lichtgestalt des damaligen Teams, der Gegenpol zu Müller, zumindest in der Öffentlichkeit. Über Zurbriggen sagte Müller, ihn «in gewisser Weise» bewundert zu haben. «Er konnte seine Madonna anbeten, den Grind zwischen den Beinen einklemmen und Vollgas geben.» Er sagte auch: «Gewann er, sprach ich nicht mit ihm. Gewann ich, sprach er nicht mit mir.»

Pirmin Zurbriggen war der Gegenpol von Müller. Foto: Keystone
Pirmin Zurbriggen war der Gegenpol von Müller. Foto: Keystone

Zurbriggen entgegnet: «Kompletter Blödsinn.» Er habe nie grössere Probleme gehabt mit Müller, «er war einfach der Pitsch, ein spezieller Kerl, mit dem ich mich aber gar nicht schlecht verstand». Allerdings habe er gern provoziert, «wahrscheinlich brauchte er das, um erfolgreich zu sein».

«Feuz ist sehr wohl ein Vorbild.»

Manfred Widauer

Provoziert hat er auch einen aktuellen Athleten, Beat Feuz, den besten Abfahrer der letzten zwei Jahre und der Gegenwart. «Bei mir im Sportgeschäft arbeitet einer, der mit Feuz trainierte», erzählte Müller. «Vor den Kon­ditionseinheiten klinkte er sich aus, ging in den Wald und schlief.» Und: «Es hat immer Genies gegeben. Aber er ist Gift für die Jungen. Es ist frustrierend, wenn einer doppelt so viel trainiert und dann eins mit dem Hammer draufkriegt.»

Manfred Widauer: Müllers Aussagen haben ihn getroffen. Foto: Freshfocus
Manfred Widauer: Müllers Aussagen haben ihn getroffen. Foto: Freshfocus

Manfred Widauer meldet sich, Trainer von Feuz seit sechs Jahren. Er kenne Müller persönlich, habe grossen Respekt vor ihm, sagt der Österreicher. «Doch seine Aussage hat mich sehr ge­troffen. Wer Beat im Sommer sieht, wie akribisch er trainiert, akribisches Körpermanagement betreibt, Therapie macht, auf sich achtet – also auf ihn und seine Fitness lasse ich gar nichts kommen. Vielleicht war er als Junger weniger diszipliniert. Aber welchen Aufwand er seit seiner schweren Verletzung 2012 betreibt, mit welcher Konsequenz, da muss ich sagen: Beat ist sehr wohl ein Vorbild. Da darf jeder Nachwuchsfahrer sehr gern hinschauen.»

Das wird auch Peter Müller tun. Und sich weiter sein eigenes Bild machen.

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Peter Müller.

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