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Kopf lüften, Kraft aufbauen

Nathalie von ­Siebenthal blickt auf den besten Winter in ihrer Karriere zurück. Nun gilt es für die 24-jährige Lauenerin, die letzte Lücke zu schliessen.

Nathalie von Siebenthal muss nach einer langen und ereignisreichen Saison die Batterien aufladen.
Nathalie von Siebenthal muss nach einer langen und ereignisreichen Saison die Batterien aufladen.
Keystone

Im Saanenland liegt noch Schnee, doch die Langlaufski wird sich Nathalie von Siebenthal deswegen in diesen Tagen kaum anschnallen. «Ich bin ziemlich kaputt, körperlich und mental», meint die Lauenerin. Am 17. November begann von Siebenthal die Saison im schwedischen Gaellivare mit einem 5. Platz in einem FIS-Rennen, letzten Samstag beendete sie sie im liechtensteinischen Steg mit dem Schweizer-Meister-Titel über 30 km Freistil.

Ohne Zweifel blickt die 24-Jährige auf den ereignisreichsten Winter in ihrer Karriere zurück. Sie überzeugte am Weltcup in ­Davos (5.) und an der Tour de Ski in Oberstdorf (4./Bestresultat) ebenso wie an den Olympischen Spielen in Pyeongchang mit zwei 6. Rängen. Insgesamt totalisierte von Siebenthal in diesem Winter 9 Top-Ten-Plätze, so viele wie nie zuvor. Entsprechend positiv fällt ihr Fazit aus. Und dies wird gestützt von ihrem Trainer Peter von Allmen: «Sie war sehr konstant, hat sehr vieles richtig gemacht.»

Die Balance finden

Es ist noch nicht lange her, da tönte es bei von Siebenthal ganz anders. Nach dem 6. Rang im Skating-Rennen über 10 km, ihrem zweiten von vier Auftritten an den Olympischen Spielen, wirkte die Oberländerin ernüchtert, ja fast deprimiert. Doch die Gemütslage sollte sich rasch ver­ändern. Von Allmen spricht von zwei starken Rennen, die seine Athletin im Skiathlon und im Skating-Rennen zeigte, doch sagt der Trainer auch: «Nathalie ist noch nie auf ein Podest gelaufen, die anderen sind besser, das muss sie sich eingestehen. Es fehlt einfach noch ein My.» 7 respektive 18 Sekunden verlor von Siebenthal auf Rang 3.

Wer nach Gründen für die Differenz sucht, wird rasch einmal bei den unterschiedlichen Kraftverhältnissen landen. Als «Maschinen» pflegt von Siebenthal die Konkurrentinnen aus dem hohen Norden zu bezeichnen. Die feingliedrige Athletin unterscheidet sich optisch stark von den Spitzenläuferinnen. Im Prinzip liegt deshalb auf der Hand, was von Siebenthal tun müsste, um diese Lücke zu schliessen: mehr Krafttraining. Doch so einfach ist es nicht. «Sicher muss sie diesbezüglich noch mehr investieren, um die Defizite zu verringern», sagt von Allmen. Doch bestehe die Gefahr, dass bei einem einseitigen Fokus auf den Kraftbereich andere Fähigkeiten leiden würden. Deshalb wird der Oberländer künftig in der Trainingsgestaltung gefordert sein, die richtige Balance zu finden.

Training mit den Männern

Klar ist: Von Siebenthal wird auch im kommenden Sommer grösstenteils auf eigene Faust trainieren, daneben als Bergbäuerin auf einer Alp oberhalb von Les Diablerets arbeiten. Die Lauenerin nimmt damit eine Sonderrolle ein, wohnt als einzige Athletin fernab des Leistungszentrums in Davos. Doch das Umfeld ist ihre Stärke, sie braucht den Ausgleich zum Spitzensport. Dies ist von Allmen bewusst, er sagt: «Unsere Aufgabe ist es, damit das Bestmögliche herauszuholen.» Von Siebenthal wird voraussichtlich einige Ausdauereinheiten mit Erwan Käser und Jovian Hediger absolvieren, welche im nahen Bex beheimatet sind. Sie freut sich ­darauf, von den Männern herausgefordert zu werden.

Doch bevor es bei Bergläufen und auf Rollski darum gehen wird, die Basis für den Winter zu legen, liegt der Fokus anderswo. «Ich muss nach dieser strengen Saison einfach einmal meinen Kopf durchlüften», sagt von Siebenthal. Schnee im Saanenland hin oder her.

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