Zum Hauptinhalt springen

Küngs Saison der Bestätigung

Patrick Küng war in der letzten Weltcup-Saison die Nummer 1 im Schweizer Alpin-Team der Männer. Diesen Status möchte er erfolgreich verteidigen – mit besserer Kondition und bewährtem Material.

Im Fahrplan: Patrick Küng hat den Sommer über an seiner Kondition gearbeitet.
Im Fahrplan: Patrick Küng hat den Sommer über an seiner Kondition gearbeitet.
Peter Schneider, Keystone

Er hatte fast 30 Jahre alt werden müssen, um seinen ersten Weltcup-Sieg feiern zu können. Patrick Küng stört es aber nicht, dass er später als andere den Durchbruch geschafft hat. Der Glarner gewinnt der Entwicklung seiner Karriere vorwiegend Positives ab. Er sagt: «Ich liege voll im Fahrplan.»

Küng ist sich bewusst, dass die Erwartungshaltung nun gestiegen ist bei einem, der in der letzten Saison am Lauberhorn triumphiert und im Super-G-Weltcup den 3. Schlussrang belegt hat. Hemmend soll sich dies nicht auswirken. Küng ist überzeugt, dass er ein Alter erreicht hat, in dem er mit dem Druck, den die Rolle des Schweizer Team-Leaders mit sich bringt, umgehen kann.

Zusätzliche Energie-Zufuhr

Küng steht also vor einer Saison der Bestätigung. Er will erneut ein angemessenes Level über einen ganzen Winter halten. Um die Chancen zu erhöhen, dass ihm dies gelingt, hat er den Sommer hindurch im Training sehr viel in den konditionellen Bereich investiert. Er hat gemerkt, dass Erfolge auch Verpflichtungen neben der Piste mit sich bringen. Verpflichtungen, die spannend sind, aber auch an den Kräften zehren. Um besser für allfälligen Mehraufwand gewappnet zu sein, hat er deshalb seinen Körper so getrimmt, damit dieser den Belastungen des Rennsports monatelang standhalten kann.

Küng will auch im Februar noch topfit sein, wenn mit den Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek (USA) das Highlight der laufenden Saison ansteht. Endlich soll ihm ein Grossanlass Glück bringen. Das gesundheitliche Pech bei den Olympischen Spielen in Sotschi möchte er vergessen machen. Erinnerungen an Beaver Creek hat er gute. In dieser Station fuhr er im Dezember 2013 – einen Monat vor seinem 30. Geburtstag – seinen Premieren-Sieg im Weltcup ein.

Treuebekenntnis statt Risiko

Wenn Küng am Samstag in der Abfahrt in Lake Louise erstmals in dieser Saison Jagd aufs Podest macht, tut er dies immer noch mit Ski der Marke Salomon. Der Athlet vom Kerenzerberg ist den Franzosen treu geblieben, obwohl ihm ein lukratives Angebot der Konkurrenz vorgelegen ist. Küng war in diesem Frühling von Stöckli geködert worden. Er hätte die Möglichkeit gehabt, das Aushängeschild einer Schweizer Marke zu werden. Küng testete mit Stöckli und sagte dann ab – mit der Begründung: «Salomon habe ich meine grössten Erfolge zu verdanken. Das Material hat sich bewährt. Und ein Wechsel birgt immer ein gewisses Risiko, weil man an einem anderen Ort teilweise von vorne beginnen muss. Die Zeit für eine neue Herausforderung war noch nicht reif. Trotzdem war es interessant zu schauen, wie ein anderer Ski funktioniert.»

Küng erklärt, das Bekenntnis zu Salomon sei letztlich ein Bauchentscheid gewesen. Es dauere zwar jeweils lange, bis er in solchen Fragen Nägel mit Köpfen mache. Doch wenn er mal einen Entscheid gefällt habe, sei er vollends von seinem Handeln überzeugt. Küng war bei der ganzen Angelegenheit auch wichtig, dass er weiterhin mit Service-Mann Franz Nadig zusammenarbeiten kann. Diese Partnerschaft harmoniert.

Russis Input

Das Material wird somit bei Küng das gleiche bleiben, was wird aber aus seinem Fahrstil? Ski-Experte Bernhard Russi lobt Küng als «zuverlässigen Schönfahrer». Der Olympiasieger von Sapporo glaubt jedoch, dass der Glarner noch mehr aus sich herausholen könnte, wenn er aggressiver zu Werke ginge. Küng entgegnet mit einem Lächeln: «Um in Beaver Creek einen Super-G gewinnen zu können, muss man sicher mit einer gewissen Aggressivität gefahren sein. Und aggressiv muss nicht immer gleichbedeutend mit schnell sein. Es braucht auch viel Gefühl. Man muss Fluss reinbringen. Ich denke einfach, dass ich mit meinem Stil bisher gut gefahren bin.» Küng ist auch als über 30-Jähriger Innovationen gegenüber nicht abgeneigt. Dennoch ist er bedacht darauf, an seinem eingeschlagenen Weg festzuhalten. Dass er dadurch seinen Status als Team-Leader konservieren kann, ist sehr plausibel.

Si/spg/jge

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch