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Nichts ist unmöglich

Nils Mani hat im Dezember mit seinem 9. Platz in der Abfahrt im Val Gardena überrascht. An diese Leistung will der 24-Jährige aus Schwenden im Diemtigtal anknüpfen – am liebsten beim Heimspiel am Lauberhorn.

Video: Claudia Salzmann, Interview: Marco Oppliger.

«Gluschtet» habe es ihn schon länger, sagt Nils Mani. Der Abfahrer aus Schwenden sitzt im Teamhotel der Schweizer, blickt kurz zurück und beginnt dann zu erzählen. Ihn reizte es also, einmal über glühende Kohlen zu gehen – barfuss.

Auf diese Idee hatten ihn seine Kollegen Kilian Wenger und Ruedi Roschi gebracht; die beiden Schwinger stammen wie Mani aus dem Diemtigtal. «Die Idee dahinter ist, etwas zu tun, das man eigentlich für unmöglich hält», erklärt der Skifahrer. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein Mentaltraining, weil die Übung suggerieren soll, dass der Wille Berge versetzen kann.

«Am Schluss musst du davon überzeugt sein, dass es geht, du darfst nicht zweifeln.»

Nils Mani

Die Vorbereitung auf den Gang über die glühenden Kohlen dauerte denn auch mehrere Stunden; es galt, sich vorab psychisch auf diese Erfahrung einzustellen. «Am Schluss musst du davon überzeugt sein, dass es geht, du darfst nicht zweifeln», hält Mani fest. Die Füsse hat er sich jedenfalls nicht verbrannt.

Ohne Schmerzen

Im Dezember nun hat Mani in Gröden für Aufsehen gesorgt. Auf der anspruchsvollen Saslong fuhr er mit Startnummer 56 auf Rang 9, realisierte damit sein mit Abstand bestes Ergebnis im Weltcup. Ein Traum sei für ihn in Erfüllung gegangen, hält der 24-Jährige fest. Auf seiner Website schrieb er danach: «Endlich ist mir eine Fahrt ohne meinen fast schon ‹obligaten› Fehler gelungen.»

Er habe bereits in mehreren Rennen schnelle Abschnittszeiten erzielt, sagt Mani, «aber eben immer auch einen Schnitzer drin gehabt. In Gröden hat alles zusammengepasst.» Diese Fahrt gebe ihm Sicherheit, weil er nun wisse, dass es möglich sei, mit den Schnellsten mitzuhalten.

Erstmals seit über zwei Jahren plagen den Diemtigtaler keine Verletzungssorgen, was zweifellos ein Grund für den Exploit ist. Zur Erinnerung: Im letzten Februar musste er die Saison wegen einer Diskushernie frühzeitig beenden. Zuvor hatte ihn monatelang eine Schuhrandprellung geplagt, dazu kam ein Armbruch. «Erstmals seit langer Zeit sind die Gedanken nicht bei den Schmerzen», sagt er. «Auch wenn dir etwas nicht extrem wehtut, ist es doch ein anderes Gefühl, wenn du beschwerdefrei fahren kannst.»

Ohne Druck

Der Schweizer Cheftrainer Thomas Stauffer ist wie Mani kein Mann der grossen Worte. Angesprochen auf des Diemtigtalers Auftritt in Gröden, sagt er: «Ein wenig überrascht war ich schon. Aber ich wusste auch, dass er Ski fahren kann.» Nun jedoch müsse Mani versuchen, dieses Niveau zu halten. «Das Ziel muss sein, dass er seine Startnummer verbessert, bis Ende Saison in den Top 30 klassiert ist.»

«Erstmals seit langer Zeit sind die Gedanken nicht bei den Schmerzen.»

Nils Mani

Morgen in der Kombination sowie am Samstag im Abfahrtsklassiker tritt Mani zum zweiten Mal auf Weltcupebene am Lauberhorn an. Für ihn als Berner Oberländer handelt es sich im weitesten Sinne um ein Heimspiel. Immer wieder wird er erkannt, etwa von Kollegen an­gesprochen, welche in Wengen ­Zivilschutz oder Militärdienst leisten. «Deshalb musst du schauen, dass du dir nicht zu viel Druck machst.»

Mit einem Platz in den Top 15 wäre er sehr zufrieden, sagt Mani. Damit übrigens würde er sich für die WM vom Februar in St. Moritz qualifizieren. Doch darüber will er sich nun nicht allzu viele Gedanken machen. Schritt für Schritt lautet die Losung – fast wie beim Gang über glühende Kohlen.

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