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Schon wieder leiden die Gisin-Schwestern

Wie am Samstag war ihr Bruder Marc auch 2015 schwer gestürzt. Aussagen von Michelle und Dominique über den damaligen Sturz lassen ihre derzeitige Gefühlslage erahnen.

Das Rennen musste nach dem Sturz Gisins unterbrochen werden. (Video: SRF)

Marc Gisin geht über den Sprung, ist meterhoch über der Piste, doch die Position stimmt nicht. Den Skifahrer verdreht es in der Luft, er knallt mit voller Wucht auf die pickelharte Piste, rutscht über den Schnee und bleibt regungslos am Pistenrand liegen.

Was sich anhört wie eine Beschreibung des fürchterlichen Sturzes von Marc Gisin am Samstag in Gröden, ist jedoch vor fast vier Jahren in Kitzbühel beim Super-G passiert. Der betroffene Fahrer war der gleiche. Am 23. Januar 2015 geschah es an der legendären Hausbergkante. Die schlimme Diagnose für Marc Gisin damals: Schädel-Hirn-Trauma.

Es folgte eine lange Leidenszeit für den Speed-Fahrer, samt Erschöpfungssymptomen und Schlafstörungen – eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Zeit nach Marcs Sturz war für die ganze Familie schwer. Auch für die zwei Schwestern. Michelle, die jüngere der Beiden, holte dieses Jahr Kombinations-Gold in Südkorea und fährt auch diesen Winter an der Weltspitze mit. Schwester Dominique hat ihre Karriere bereits beendet. Sie wurde 2014 Abfahrts-Olympiasiegerin in Sotschi. Wie ihr Bruder hatte auch sie in ihrer Karriere mit schlimmen Verletzungen und Rückschlägen zu kämpfen.

Familie leidet mit

Wie sehr die beiden Schwestern derzeit leiden, lassen Aussagen aus einem Doppel-Interview mit der «SonntagsZeitung» von Anfang Dezember erahnen. «Dann sehe ich diese Helikopter-Meldung, ich war komplett hinüber.» So beschreibt Michelle Gisin den Moment, als sie 2015 das Rennen und somit auch den Sturz ihres Bruders in Kitzbühel auf der Handy-App verfolgte. Auch ihre Schwester kann sich noch zu gut an den Tag erinnern: «Ich rief 27 Personen an, es nahm niemand ab, im Zielraum von Kitzbühel hört ja keiner das Telefon. Ich bin fast durchgedreht.»

Bea Gisin, die Mutter der drei Ski-Profis, kann daheim in Engelberg die Rennen der Kinder kaum verfolgen. Michelle erzählt wie ihre Mutter «etwa 20 Meter» Abstand zum TV-Gerät nimmt und dann «mit einem Viertelauge fünf Quadratzentimeter des Bildschirms» sieht. Sei die Mutter an der Strecke, gehe es besser, aber daheim leide sie, sagt Dominique.

Dem Risiko zum Trotz

Die Risiken der Speed-Disziplinen kennen die Gisin-Schwestern natürlich und dennoch ist die Liebe zum Skisport grösser als die Angst. Dominique Gisin bringt es auf den Punkt: «Ich habe mich nicht ins Skifahren verliebt, weil es so gefährlich ist, sondern trotzdem.»

Ein Jahr nach seinem Sturz in Kitzbühel feierte Marc Gisin just dort sein bisher bestes Karriereresultat: Platz 5 in der Abfahrt am Hahnenkamm. Diesen Erfolg wiederholte er dieses Jahr nochmals. Es bleibt zu hoffen, dass für Marc Gisin so ein Comeback auch in Gröden möglich sein wird.

Für Michelle Gisin stehen bereits am Dienstag und Mittwoch die nächsten Weltcup-Rennen auf dem Kalender. Eine Abfahrt und ein Super-G. Der Austragungsort? Gröden. Die Piste? Saslong. Also auf der Piste, auf der ihr Bruder am Samstag so schwer stürzte. Ob sie die Rennen wirklich bestreiten wird, sei noch offen, sagte ihr Freund Luca De Aliprandini am Sonntag.

Mehr zur Diagnose des verunfallten Marc Gisins finden sie hier.

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