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Skifahrer führen emotionale Kurvendiskussion

Vor den Weltcuprennen vom Wochenende in Sölden drehen sich viele Gespräche um die neuen Riesenslalomski. Kaum ein Beteiligter glaubt, dass die angestrebte Reduktion der Knieverletzungen Tatsache wird.

Mehr Krafteinsatz, weniger Dynamik: Im Riesenslalom (im Bild Carlo Janka) dürfte die Materialreform mit einem Geschmeidigkeitsverlust verbunden sein.
Mehr Krafteinsatz, weniger Dynamik: Im Riesenslalom (im Bild Carlo Janka) dürfte die Materialreform mit einem Geschmeidigkeitsverlust verbunden sein.
Keystone

Die Ansichten gehen diametral auseinander. Den Pluspol bilden Benjamin Raich und dessen Lebensgefährtin Marlies Schild, welche die vom Internationalen Skiverband FIS eingeführten Regeländerungen im Materialsektor uneingeschränkt begrüssen. Er habe die Reform gefordert und sei mit der Umsetzung sehr zufrieden, pflegt der 33-jährige Österreicher zu sagen. Am anderen Ende der Palette steht Ted Ligety, der vor gut einem Jahr in die Rolle des Revoluzzers geschlüpft ist, dem Weltverband unter anderem Tyrannei vorwirft. Es überrascht nicht, handelt es sich beim lautesten Kritiker um einen Riesenslalomspezialisten. In der sogenannten Basisdisziplin haben die Regeländerungen die grössten Auswirkungen – in diesem Punkt zumindest sind sich die Protagonisten einig. Inwiefern die Neuerungen das Geschehen beeinflussen, lässt sich am Wochenende anlässlich des Weltcupprologs in Sölden erstmals beobachten, sofern die Gletscherrennen stattfinden werden – es wird kräftiger Schneefall prognostiziert.

Die Kritik Svindals

Stein des Anstosses ist der Entscheid der FIS, die Kurvenradien sowie die Mindestlängen der Ski markant zu erhöhen. Bei den Riesenslalomski der Männer wurde der Radius von 27 auf 35 Meter und die Länge der Latten von 1,85 auf 1,95 Meter angehoben; bei den Frauen sind die Änderungen (von 23 auf 30 Meter respektive von 1,80 auf 1,88 Meter) etwas moderater. Es erstaunt daher nicht, sagte der bei den Norwegerinnen tätige Berner Speedcoach Stefan Abplanalp während des Sommertrainings, er gehe davon aus, dass die Männer diesbezüglich vor einer höheren Hürde stünden als die Frauen.

Hinter der Massnahme steht das Bestreben, die Anzahl der gravierenden Knieverletzungen zu reduzieren. Gehandelt wurde aufgrund einer Studie der Universitäten Salzburg und Oslo, die von der FIS in Auftrag gegeben worden war. Wobei die Analysen der Biomechaniker keineswegs abgeschlossen sind und erst in ein, zwei Jahren mit aussagekräftigen Ergebnissen zu rechnen ist. Es überrascht daher nicht, liess der besonnene Aksel Svindal verlauten, die FIS habe übereilt reagiert und die Fahrer kaum in den Prozess eingebunden.

Das Beispiel Adelboden

Auch in den Reihen der Swiss-Ski-Vertreter wird über das neue Reglement und dessen potenzielle Folgen auf den Pisten debattiert. Der Glaube, obgenanntes Ziel einzig durch diese Materialreform zu erreichen, sei eine Illusion, lautet der Tenor. Die Frage der Auswirkungen hänge von der Beschaffenheit des Schnees sowie der Kursgestaltung ab, sagt Gruppentrainer Sepp Brunner und ergänzt, am besten fahre es sich auf «harter, gleichmässiger Unterlage». Dessen Athlet Carlo Janka konstatiert, der neue Ski verzeihe weniger Fehler als der alte; zudem müsse der Fahrer mehr Kraft aufwenden. Der Olympiasieger von Vancouver ist kein Freund grosser Worte und ist noch weniger daran interessiert, Polemik zu kreieren. Trotzdem hält er unmissverständlich fest, auf längeren Strecken wie dem Chuenisbärgli in Adelboden könne es gefährlich werden, sofern die Piste nicht pickelhart sei. «Wenn es weich ist, werden die Beine im Zielhang leer sein. Dann wird es nur noch darum gehen, irgendwie herunterzukommen.»

Beat Feuz bestätigt die Aussagen des Copains, resümiert, unter dem Strich sei die Situation «sicher nicht besser geworden». Coach Brunner appelliert derweil an seine Kollegen, bei der Kurssetzung die Vernunft ins Zentrum zu stellen. Die FIS wünscht sich Torabstände von 25 Metern, für die neuen Ski jedoch seien derartige Kurven zu eng, sagt der Österreicher und stellt klar, das Fahrtempo lasse sich auch mit 30-Meter-Abständen drosseln. Ähnlich wie die Schweizer argumentiert Gesamtweltcupgewinner Marcel Hirscher, zuletzt der Schnellste unter den Carvingspezialisten. Sei die Unterlage hart, werde sich für die Zuschauer nicht viel verändern, prognostiziert der Österreicher. «Aber wenn es so weich ist wie beim Weltcupfinal in Schladming, wird es nicht mehr zum Anschauen sein.» Sollte der angekündigte Neuschnee nicht im Übermass fallen, lässt sich diese Aussage vermutlich schon in Sölden überprüfen.

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