Verkehrte Skiwelt

Mikaela Shiffrin und Tina Weirather reüssieren in Lake Louise. Schweizerseits sorgen Lara Gut und Michelle Gisin für Podestpräsenz.

Wieder da: Lara Gut fährt im Super-G auf Rang 2.

Wieder da: Lara Gut fährt im Super-G auf Rang 2.

(Bild: Keystone)

Lake Louise ist auch schon als «Lake Lindsey» bezeichnet worden. Weil Lindsey Vonn im Banff-Nationalpark achtzehn Rennen gewonnen hat. Die Strecke ist relativ flach, Vonn war jahrelang die mit Abstand stärkste Gleiterin im Feld. Im Super-G vom Sonntag triumphierte Tina Weirather, der Liechtensteinerin behagt das Gelände ebenfalls. Rang 2 belegte Lara Gut, was insofern über­raschte, als die Tessinerin zuvor nicht in der Lage gewesen war, die Handbremse zu lösen.

Kommt dazu, dass die 26-Jährige steiles Gelände bevorzugt. Gar nicht ins «Lake Lindsey»-Bild passt hingegen, was am Samstag geschah. Rang 1: Mikaela Shiffrin, Slalomkönigin. Rang 2: Viktoria Rebensburg, Riesenslalomdominatorin. Rang 3: Michelle Gisin, Slalomspezialistin mit einem Faible für hohe Tempi. Für die Engelbergerin war es die sechste Weltcup­abfahrt, für Shiffrin die vierte; an Trainingskilometern auf langen Skiern mangelt es beiden.

Gewiss profitierten die Genannten von relativ guten Lichtverhältnissen; als Erklärung für das völlig überraschende Verdikt reicht dieser Fakt jedoch nicht aus. Wer nach Ursachen sucht, wird bei einer Eigenschaft fündig, die es in Lake Louise in vergleichsweise bescheidenem Mass braucht: Mut.

Auf steilerem Terrain fällt es den Stangenakrobatinnen zuweilen schwer, sich zu überwinden. In Lake Louise hingegen gibt es kaum abschreckend wirkende Passagen – vor diesem Hintergrund lässt sich überspitzt formuliert von einem guten Einstiegsrennen sprechen.

«Völlig crazy» sei das, resümierte Gisin. «Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich 2017 in einer Abfahrt auf dem Podest stehen würde, und dann noch in Lake Louise – dann hätte ich ihn ausgelacht.»

Prominente Verliererin

Gut, die in den Abfahrten mit den Plätzen 9 und 15 unter Wert geschlagen worden war, wirkte sichtlich erleichtert. «Die Zeit des Geduldigseins ist vorbei. Schnell bin ich, wenn ich direkt fahre und die Wege kurz halte. Rund fahren funktioniert bei mir nicht», hielt sie fest. Und er­gänzte, sie habe gewusst, dass ihre Chancen im Super-G am grössten seien.

«Die Disziplin hilft mir auch am meisten, das Gefühl wiederzufinden.» Jasmin Flury belegte als zweitschnellste ihres Teams Rang 7, erfüllte damit die Olympianorm. Verliererin des Wochenendes war – ausgerechnet – Lindsey Vonn. Sturz am Freitag, Rang 12 am Samstag, Ausfall am Sonntag; «Lake Lindsey» scheint dieser Tage sehr weit entfernt zu sein.

Vielleicht auch, weil – ausgerechnet – eine Landsfrau im Hoheitsgebiet der Speed-Queen herumwildert. Fährt Mikaela Shiffrin im bisherigen Stil weiter, wird ihr der zweite Gesamtweltcuptriumph in Serie nicht zu nehmen sein.

sda/mjs

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