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Young Boys gegen Fenerbahce klare Aussenseiter

Aus rein finanziellem Blickwinkel ist klar, dass die Young Boys in der vorletzten Runde der Champions-League-Qualifikation gegen Fenerbahçe Istanbul nicht als Favorit ins heutige Hinspiel (20.15 Uhr/live SF zwei) gehen.

Ein geschätzter Marktwert von 23,4 Millionen Euro (YB) steht im Kampf um einen Platz in der "Königsklasse" einem von 133,4 Millionen Euro (Fenerbahçe) gegenüber, ein Budget von 15 bis 20 Mio Euro einem von fast 200 Millionen Euro. Wirtschaftlich spielt YB eine Liga tiefer als der Sport- und Marketingriese aus dem zweitgrössten Istanbuler Stadtteil Kadiköy. Sportlich sind die Berner aber nicht im Nachteil: Die Saison Fenerbahçes beginnt erst Mitte August, das Team hat zuletzt ohne diverse Stammspieler in Belgien und Deutschland trainiert. Auch weil dem Favoriten noch der Rhythmus fehlt, ist YB im ersten Europacup-Duell mit einem türkischen Verein also nicht chancenlos.

Nach dem mässigen Auftakt in der Axpo Super League mit den unerwarteten Unentschieden in Thun und gegen Luzern (David Degen: "Wir rechneten mit sechs Punkten") soll im dritten Anlauf der erste Saisonsieg folgen. "Wir sind mit jedem Erfolg zufrieden", so Petkovic. "Es wäre von Vorteil, kein Tor zu bekommen. Dann muss der Gegner im Rückspiel offener nach vorne spielen." Den Part des YB-Antreibers auf der Seitenlinie hat während der 90 Minuten Assistent Erminio Piserchia zu übernehmen. Petkovic muss irgendwo auf der Tribüne Platz nehmen. Er hat eine von der letztjährigen Europa-League-Qualifikation gegen Bilbao herrührende Sperre abzusitzen.

Könnten die beiden Teams einen einzigen Tag der letzten Saison rückgängig machen, so wäre es die am 16. Mai 2010 ausgetragene abschliessende Runde des jeweiligen Championats: YB verpasste mit dem 0:2 in der "Finalissima" gegen Basel den Meistertitel. Fenerbahçe liess sich mit dem 1:1 gegen Trabzonspor, gegen das es bereits den Cupfinal verloren hatte, noch von Bursaspor überholen. Im Gegensatz zu den Fans im Stade de Suisse "verarbeiteten" jene im Sükrü Saraçoglu die riesige Enttäsuchung mit heftigen Ausschreitungen. Weil der Stadionsprecher das falsche Resultat aus Bursa bekannt gegeben hatte und die "Fener"-lichkeiten bereits im Gange waren, beklagten die Betreiber der Arena im Süden Istanbuls am Ende Schäden im Millionenhöhe.

Um Millionen geht es meistens auch, wenn der beliebteste Verein der Türkei Transfers tätigt. In diesem Sommer hat Fenerbahçe rund 14 Millionen Euro in vier neue Spieler investiert: In die türkischen Talente Ilhan Eker und Caner Erkin, den slowakischen WM-Teilnehmer Miroslav Stoch und den französischen Stürmer Issiar Dia. Dazu bemüht sich der Grossklub intensiv um Asamoah Gyan, je nach Quelle hat Ghanas tragischer WM-Held sogar schon unterschrieben. Die Aktivitäten des finanziell potentesten Vereins der "Süperlig" gelten als nicht abgeschlossen, für ständig neue Kandidaten und Schlagzeilen sorgen die zahlreichen Sportzeitungen des Landes.

Grosse Hoffnungen setzen die leidenschaftlichen Supporter in den neuen Trainer. Unter Aykut Kocaman soll Fenerbahçe, der Leuchtturm, nach dem GAU unter dem mit viel Getöse entlassenen und grosszügig entschädigten Deutschen Christoph Daum wieder alles überstrahlen. Mit Kocaman (zu deutsch "riesengross") holte der allmächtige Präsident Aziz Yildirim den bisherigen Sportdirektor an die Seitenlinie und stattete ihn mit soviel Macht aus wie es noch kein türkischer Verein zuvor getan hatte. Nach englischem Vorbild ist der vierfache Torschützenkönig Kocaman, eine lebende "Fener"-Legende, der trainierende Manager. Es wird aber vermutet, dass Yildirim in mancher Hinsicht weiterhin das letzte Wort haben wird.

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