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YB scheidet im Cup ausSt. Gallen hätte die Jammerei nicht nötig

Die Young Boys verlieren erstmals seit über zwei Jahren eine Cup-Partie. Die Niederlage ist verdient, die Ostschweizer sind beim 4:1 im Achtelfinal von Anfang an das bessere Team.

Kwadwo Duah, Berner in St. Galler Diensten, bejubelt sein 2:0. YB-Goalie David von Ballmoos ist bedient.
Kwadwo Duah, Berner in St. Galler Diensten, bejubelt sein 2:0. YB-Goalie David von Ballmoos ist bedient.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Es wirkt so, als wolle sich Peter Zeidler selbst ermahnen. Es läuft die Schlussphase des Cup-Achtelfinals in St. Gallen. Und blieb die Partie lange erstaunlich emotionslos, gehen die Wogen nun hoch, und der St. Galler Trainer geht runter in die Knie. Er schreit, er fuchtelt mit den Armen, dann hebt er den Finger, zeigt in Richtung Ersatzbank und sagt: «Ruhig wieder.»

Auslöser war ein klares Foul eines St. Gallers an der Mittellinie, es gäbe nichts zu meckern, aber die Ostschweizer scheinen in dieser Phase gefangen im von ihnen gerne bemühten Narrativ, dass sie – gerade gegen YB – von den Schiedsrichtern benachteiligt werden. Kurz zuvor annullierte Sandro Schärer nach Konsultation der Videobilder zu Recht einen Penalty für St. Gallen, weil sich der eingewechselte Jérémy Guillemenot nach Schubser von Mohamed Camara sehr leicht hatte fallen lassen.

Die St. Galler führen da 2:1. Und sie hätten die Jam­me­rei nicht nötig, sie sind das bessere Team. Sie erhöhen noch auf 3:1 und 4:1 und bestreiten am Mittwoch den Viertelfinal gegen GC. «Wir spielten mit einer enormen Intensität und konnten das Tempo fast durchwegs hoch halten», sagt Lukas Görtler, der nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Jordi Quintillà die Captain-Binde trug. YB-Trainer Gerardo Seoane versucht gar nicht erst, das Gezeigte zu beschönigen, er spricht von einem verdienten Sieg für St. Gallen. «Aber meine Spieler sind keine Roboter, auch sie können einmal einen schlechten Tag erwischen.»

Zeidler stilisiert Partie hoch

In den Partien zwischen den Teams war in jüngster Zeit ja oft Pfeffer drin. Es hatte mit diesem 3:3 im Februar 2020 begonnen, der letzten Partie vor der Corona-Pandemie, als YB durch Guillaume Hoarau und einen wiederholten Penalty in der 99. Minute ausglich.

Es ging weiter mit dem Duell um den Meistertitel, in dem YB die Ostschweizer erst in der letzten Woche der Meisterschaft entscheidend distanzieren konnte. Dann folgte der Transfer des St. Gallers Captain Silvan Hefti zu YB. Und als sich die Teams vor knapp einem Monat im Kybunpark gegenüberstanden, fühlten sich einige Berner vom Verhalten der Ostschweizer provoziert. Auch Seoane, der bei der Medienkonferenz zu einem für seine Verhältnisse feurigen Monolog ansetzte.


Der Cup-Achtelfinal war also lanciert. Und Zeidler versuchte gar nicht erst, die Bedeutung der Partie herunterzudimmen. Es sei eines der wichtigsten Spiele der Saison, sagte er, dessen Team in der Liga nur noch vier Punkte vom Barrageplatz trennt, und fügte an, man wolle den Match wie einen Cupfinal angehen.

Und so beginnen seine Spieler. Sie sind gedankenschneller, spritziger, überlegen. Schon nach einer Minute muss YB-Goalie David von Ballmoos einen Kopfball von Thody Youan entschärfen. In diesem Stil geht es weiter, die Partie spielt sich vornehmlich in der Hälfte der Gäste ab – selbst wenn diese durch Meschack Elia und Jean-Pierre Nsame in der ersten Halbzeit zu zwei Chancen kommen, die Lawrence Ati Zigi vereitelt.

Einmal versucht David von Ballmoos, seine Kollegen lautstark wachzurütteln. Die Wirkung bleibt aus, das 1:0 der St. Galler in der 33. Minute ist die Konsequenz. Chukwubuike Adamu erzielt es nach Hereingabe von Miro Muheim. Die Entstehung ist sinnbildlich für die Darbietung von YB. Hefti lässt sich düpieren, Lustenberger verliert den Torschützen aus den Augen. Trainer Seoane wird später fehlende Wachheit und Giftigkeit bemängeln.

Ausgerechnet ein Berner bestraft YB

Dies zeigt sich auch zu Beginn der zweiten Halbzeit, als der schwache Linksverteidiger Jordan Lefort mit einem Fehlpass den Gegner zum Gegenzug einlädt, nach Kombination über Lukas Görtler, Adamu und Kwadwo Duah steht es in der 50. Minute 2:0. Ausgerechnet der Stürmer, im Berner Tscharnergut aufgewachsen, bei YB ausgebildet, bestraft die Nachlässigkeiten der Young Boys.

Es könnte schon da das Ende der Berner Ambitionen sein, die im Cup letztmals im März 2019 verloren hatten und auch in diesem Wettbewerb Titelverteidiger sind. Doch sie reagieren, wie das Champions tun – unbeeindruckt: Christian Fassnacht verkürzt mit dem Kopf nach Eckball von Michel Aebischer (53. Minute).

Für Zeidler beginnt jetzt die wichtigste Phase der Partie, wie er sagen wird, gleich im Anschluss wird das vermeintliche 3:1 aberkannt, weil Adamu im Offside steht. «Unsere Leistung war in vielen Bereichen hervorragend», sagt der Deutsche. «Und doch müssen wir uns bei unserem Goalie Zigi bedanken. Er vereitelte den Ausgleich. Zudem schossen wir die Tore zum genau richtigen Zeitpunkt.»

Was der Trainer meint: Nsame tauchte eine Viertelstunde vor Ende alleine vor dem Goalie auf, scheiterte aber am glänzend reagierenden Ghanaer. Statt 2:2 stand es wenig später 3:1, Víctor Ruiz verwandelte den durch ein Handspiel Camaras verursachten Penalty. Darauf hatten die Berner keine Antwort mehr bereit.

Das Double gewinnen sie diese Saison nicht. Aber sie können am Sonntag daheim gegen St. Gallen Meister werden. Dafür braucht es die richtigen Resultate in den Spielen der Konkurrenz. Und eine deutliche Leistungssteigerung von YB.

8 Kommentare
    Rolf Helbling

    "St. Gallen hätte die Jammerei nicht nötig"? Ist das wirklich ein passender Titel? Man könnte der gestern besseren Mannschaft auch in der Überschrift schon ein bisschen Respekt entgegenbringen, statt sie einfach mal pauschal Jammeri zu nennen.