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Hunter Biden im VisierStrafermittlungen gegen Sohn von Joe Biden

Präsident Donald Trump blitzt mit seiner Klage zur US-Wahl beim Obersten Gericht ab, doch sein Nachfolger gerät nun wegen der Deals seines Juniors in Bedrängnis

Joe Biden mit Sohn Hunter und Ehefrau Jill. Die Untersuchungen gegen seinen Sohn bringen den gewählten Präsidenten in Bedrängnis.
Joe Biden mit Sohn Hunter und Ehefrau Jill. Die Untersuchungen gegen seinen Sohn bringen den gewählten Präsidenten in Bedrängnis.
Foto: Jim Lo Scalzo (EPA/Keystone)

Jetzt kann Joe Biden wirklich aufatmen. Am späten Freitagnachmittag weigerte sich das höchste US-Gericht, auf Präsident Donald Trumps ehrgeizigste Klage gegen den Wahlsieg des Demokraten einzutreten.

Mit einem Mehrheitsbescheid befand der Supreme Court, Texas habe nicht das Recht, Bidens bestrittene Wahlsiege in den Gliedstaaten Pennsylvania, Georgia, Michigan und Wisconsin aufzuheben. Von ziemlich sicher aussichtslosen Einzelklagen abgesehen, nähert sich damit Trumps Kampf gegen seine Niederlage vom 3. November dem Ende.

Das hinderte den Präsidenten nicht daran, gestern erneut zu twittern: «ICH GEWANN DIE WAHL IN EINEM ERDRUTSCH», gefolgt von: «DER KAMPF HAT ERST BEGONNEN!!!» Am Mittag überflog er im Helikopter Gruppen Gleichgesinnter, die sich in Washington versammelten, um für Trump und gegen den angeblichen Wahlbetrug zu demonstrieren.

Am Montag werden die 538 Wahlleute in ihren Gliedstaaten zusammenkommen und eine Mehrheit von 306 Stimmen für Biden einlegen. Sie machen den Weg frei, damit der 78-jährige Demokrat am 20. Januar ins Weisse Haus einziehen kann.

Mehrere Ermittlungen wegen Steuervergehen im Gang

Während die Hürde Trump kippt, tauchen neue, von Bidens Sohn Hunter verantwortete Hindernisse auf. Wie diese Woche bestätigt wurde, sind mehrere Strafermittlungen gegen den 50-jährigen Anwalt und Investmentberater im Gang, die Bidens Amtsantritt überschatten werden.

Am Mittwoch teilte das Übergangsteam mit, Hunter Biden werde von der Bundesanwaltschaft in Delaware wegen möglicher Steuervergehen untersucht. Auch Ankläger in New York nähmen die Finanzen des jungen Biden unter die Lupe, berichtete «Politico». Gestern fügte die «New York Times» hinzu, dass zusätzlich ein Bundesanwalt in Pittsburgh mit Material von Trumps Anwalt Rudy Giuliani gegen Hunter Biden ermittle.

Vater Biden wurde am Freitag an einem Medienanlass nicht über die Untersuchungen befragt. Auf die ihm danach zugerufene Frage eines Fox-News-Korrespondenten antwortete er bloss: «Ich bin stolz auf meinen Sohn.»

In den Ermittlungen scheint es hauptsächlich um die Frage zu gehen, mit welchem Geld Hunter Biden mehrere fünfstellige Steuerschulden plötzlich begleichen konnte. Er hat womöglich Einkünfte aus Auslandsgeschäften unter anderem in der Ukraine und in China nicht oder falsch deklariert. Giuliani behauptete gestern, er könne Hunter Biden Geldwäscherei im Umfang von 14 Millionen Dollar nachweisen.

Joe Biden nicht betroffen

Joe Biden, der bis 2016 Vizepräsident unter Barack Obama war, soll von den Untersuchungen nicht betroffen sein. Die Ermittlungen bestätigen aber eine im Oktober von den Medien unterdrückte Story über E-Mails auf einem gefundenen Laptop Hunter Bidens. Politisch brisant ist darin ein vorgeschlagener Multimillionendeal Hunter Bidens mit dem staatlich kontrollierten chinesischen Energiekonzern CEFC. Laut einem Mail waren zehn Prozent der Erlöse für den «Big Guy» - Joe Biden - bestimmt.

Für Hunter Bidens früheren Geschäftspartner Tony Bobulinski steht fest: Wegen der Bezüge zur kommunistischen Partei Chinas «sind Joe Biden und die Biden-Familie kompromittiert». Die mit Hunter Bidens Deals verbundenen Risiken unterstreicht auch ein ausführlicher, am Dienstag veröffentlichter Untersuchungsbericht von zwei Senatskommissionen. Laut dem Bericht geben dokumentierte finanzielle Transaktionen Anlass zu «ernsthaften Bedenken bezüglich Spionageabwehr und Erpressung in Bezug auf Hunter Biden und seine Familie».

In ihren letzten Tagen wird die Trump-Regierung nicht müde, vor China als der gefährlichsten Herausforderung für die USA zu warnen. Sie verweisen darauf, dass wiederholt führende Demokraten, so etwa die Senatorin Dianne Feinstein, Kontakte mit Chinesen hatten, die sich später als Spione herausstellten.

Peking scheint sich auf Joe Biden zu freuen

Die neuste Enthüllung gelang diese Woche dem Onlineportal Axios: Danach zog in Kalifornien bis 2015 eine chinesische Mata Hari namens Fang Fang oder Christine Fang ihre Fäden. Unter anderen umgarnte sie den demokratischen Jungpolitiker Eric Swalwell und half ihm 2014 bei der Wiederwahl ins Repräsentantenhaus. Als Mitglied der Geheimdienstkommission hat Swalwell bis heute Zugang zu den Erkenntnissen von Amerikas Spionen.

Peking scheint sich auf die Biden-Präsidentschaft zu freuen. Bevor sich Trump querlegte, habe China Streitigkeiten immer rasch beilegen können, sagte der Politologe und Ökonomieprofessor Di Dongsheng vor zwei Wochen in einer offenherzigen Rede an der Renmin-Universität. Di gab den Grund an: «Weil wir Leute ganz oben haben. Wir haben alte Freunde an der Spitze von Amerikas innerem Kreis der Macht und des Einflusses.»

Mit Hunter Biden und Vater Joe kehren die alten Freunde an die Macht zurück.

66 Kommentare
    Gabor von Zoltan

    Wenn ich hier die Ergebenheitsbeiträge zu Ehren Trumps lese, die da jubeln, dass nun "alles" raus käme, bin ich fasziniert, wie sehr das Kurzzeitgedächtnis von Trumpisten in Mitleidenschaft gezogen zu sein scheint.

    Hallo!?

    Darf ich mal daran erinnern, was rausgekommen ist, als der vormalige EU-Botschafter Sondland - der durch TRUMP zu diesem Posten kam! - zum Thema aussagte?

    Die Anrufe Giulianis und Trumps zur angeblichen "Hunter B."-Affäre in die Ukraine drehten sich in GAR KEINER Art und Weise um die tatsächliche Aufklärung eines angeblichen Skandals. Denn das ERSTE, was ein vernünftiger Mensch dazu in die Wege leiten würde, wäre, die Abklärungen HEIMLICH vornehmen zu lassen, damit der Verdächtige keine Chance erhält, allfälligen Beweise beiseite zu schaffen.

    Das EXAKTE Gegenteil war das Ziel von Giuliani und Trump. Sie haben den Ukrainischen Präsidenten nämlich NICHT gebeten, tatsächlich eine Untersuchung in die Wege zu leiten; Nein!

    Sondern Trump und Giuliani haben ausschliesslich darauf gedrängt, Selenskyi möge ÖFFENTLICHKEITESWIRKSAM ANKÜNDIGEN, dass gegen Hunter Biden ermittelt würde!

    ... also sogar noch blöder, als eine tatsächliche Untersuchung anzukündigen, galt ihr Interesse ausschliesslich der Mitteilung, DASS ermittelt würde, um den Eindruck vermitteln zu können, da liege doch bestimmt irgend etwas vor.

    – Schon vergessen?!

    Derselbe Giuliani ist es, der jetzt die Steuerbehörde zu bemühen versucht!