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Geldberater: Der Marktschrei(b)erStraumann bringt Aktionäre zum Lächeln

GAM kommt nicht vom Fleck – Schindlers Konkurrenz ist attraktiver – BCV schlägt den Markt – Sika bleibt sich treu.

Straumann in Basel: In 23 Jahren stieg die Aktie des Dentalunternehmens von 18 Franken auf heute über 1100 Franken.
Straumann in Basel: In 23 Jahren stieg die Aktie des Dentalunternehmens von 18 Franken auf heute über 1100 Franken.
Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Straumann: Kaufen

Aktien mit Biss – so lautete der Slogan von Straumann seinerzeit, als das Dentalunternehmen an die Börse ging. Wer geduldig blieb, musste zwar manchmal untendurch. Doch in 23 Jahren stieg die Aktie von 18 auf heute über 1100 Franken. Aus 20’000 Franken wären so über eine Million Franken geworden. Nicht schlecht. Kursgewinne sollte man nie extrapolieren. Aber ich denke, es wird sich auch in Zukunft lohnen, in Straumann investiert zu sein. Das im Bereich Zahnimplantate führende Unternehmen hat das Corona-Jahr gut überstanden. In Lokalwährung ging der Umsatz nur 6 Prozent zurück – viel weniger, als der Gesamtmarkt geschrumpft ist. Die Betriebsgewinnmarge blieb mit 23 Prozent auf beneidenswert hohem Niveau. Für 2021 rechnet das Management mit einem währungsbereinigten Umsatzplus aus eigener Kraft von 9 Prozent. Finanzanalysten erwarten gar ein Wachstum im prozentual deutlich zweistelligen Bereich und eine Steigerung der Profitabilität. Zudem wird Straumann weiterhin innovative Unternehmen erwerben, die das Produktangebot ergänzen. Kaufen

GAM: Meiden

Der kriselnde Asset-Manager GAM hat am Donnerstag seine Jahreszahlen präsentiert – ohne positive Überraschungen. Nach einer Vorankündigung im Januar war klar, dass aufgrund eines Goodwill-­Abschreibers ein Verlust von über 388 Millionen Franken zu Buche schlagen würde. Um diesen bereinigt, machte GAM immer noch fast 15 Millionen Franken Minus. Zwar hält der Konzernchef Peter Sanderson an seinen Zielen – unter anderem einem Vorsteuergewinn von 100 Millionen Franken – fest. Wegen der Corona-Krise will er sie aber erst 2024 statt 2022 erreichen. Ich habe wenig Hoffnung. GAM hat in den vergangenen Jahren derart viel Kundenvermögen ver­loren, dass selbst bei fast 72 Millionen Kosteneinsparungen im Jahr 2020 das Geschäftsmodell nicht nachhaltig profitabel sein wird. Helfen könnte nur viel Neugeld, doch das hat GAM ja nicht mal in einem Jahr geschafft, in dem der Konkurrenz das Geld nur so aufgedrängt wurde. Mir bleibt nur, Anleger davor zu warnen, bei diesen Aktien auf rasche Besserung spekulieren zu wollen. Meiden

Schindler: Halten

Schindler, Hersteller von Liften und Rolltreppen, hat am Mittwoch schwache Jahreszahlen vorgelegt. Nicht überraschend. Das Unternehmen hat schon früh davor gewarnt. Für das im Vergleich zur Konkurrenz schlechte Abschneiden gibt es gute Gründe. Der wichtigste: die Aufwertung des Frankens. Der zweitwichtigste: das Sparprogramm, das Schindler im Sommer, auch wegen des starken Frankens, lanciert hat. Es führte zu Sonderkosten, die den Gewinn schmälerten. Der drittwichtigste: Schindler hat einen geringeren Umsatzanteil in China als die Konkurrenz, insbesondere als Kone. China ist der wichtigste Markt für neue Aufzüge – und war 2020 der einzige Markt, der sich V-förmig erholt hat. Die weiteren Aussichten für Schindler sind zwar gut. Unter den Konkurrenten halte ich jedoch die Aktien von Otis für ­vielversprechender, da sie deutlich günstiger bewertet sind. Bei den Partizipationsscheinen von Schindler ist die Luft nach oben derzeit beschränkt. Sie eignen sich aber hervorragend als krisenbeständige, langfristige Anlage. Halten

BCV: Halten

Beim Kürzel BCV klingelt es ausserhalb der Westschweiz wohl nicht bei vielen. Schade, denn an der Börse halten sich die Aktien der Banque Cantonale Vaudoise beharrlich über dem Markt. Angesichts des Drucks auf die Zins­marge ist das für Bankaktien bemerkenswert. Mir gefällt neben einer attraktiven Dividende das überdurchschnittlich diversi­fi­zierte Geschäft der grössten kotierten Kantonalbank. Einnahmen aus dem Zinsgeschäft trugen 2020 nur gerade knapp die Hälfte zum Ertrag bei. Ein Drittel lieferten Kommissionen. Dank dieser soliden ­Basis wird die Kantonalbank, die als eine der wenigen nicht über eine Staatsgarantie verfügt, auch den Gewinnrückgang des vergangenen Jahres wegstecken. Vor allem wegen Schwierigkeiten in der Handelsfinanzierung mussten die Waadtländer zusätzliche Rückstellungen bilden, was schlussendlich auf das Ergebnis durchgeschlagen hat. BCV-Papiere werden aber weiterhin zu den beliebtesten Finanztiteln der Schweiz gehören. Daran ändert auch ihre mittlerweile stattliche Bewertung nichts. Halten

Sika: Kaufen

Es überrascht mich keineswegs, dass der Bauzulieferer Sika auch für das Krisenjahr 2020 gute Zahlen vorlegt. Es ist aber alles an­dere als selbstverständlich, dass das ­Unternehmen die operativen Margen in diesem schwierigen Umfeld steigern konnte und gar einen Rekordgewinn realisiert hat. Das stellt dem Management ein hervor­ragendes Zeugnis aus. Ein wich­tiger Faktor dabei ist die Kontinuität auf strategischer wie auch personeller Ebene. Die Strategie 2023 wird unbeirrt fortgesetzt. Auch personell herrscht Kontinuität: Paul Schuler geht als Konzernchef in Pension – und wird an der ­Generalversammlung zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Sein Nachfolger wird per 1. Mai 2021 Thomas Hasler, seit 32 Jahren in Diensten von Sika. Er ist derzeit Leiter des Automobilgeschäfts und Mitglied der Konzern­leitung. Bereits hat er ­bekräftigt, dass er die erfolgreiche Strategie fortführen werde. Das gefällt mir. Das Unternehmen bleibt sich selbst treu, überzeugt durch operative Exzellenz und setzt auf die Megatrends der Zeit wie etwa Urbanisierung oder Nachhaltigkeit. Die Aktien sind zwar teuer, aber Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.

2 Kommentare
    Jonas Ruckstuhl

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