Süsses Nichtstun hat für den SCB bittere Konsequenzen

Der SC Bern macht aus einem durchzogenen einen ungenügenden Saisonstart. Er verliert nach schwacher Darbietung in Lugano 2:4 und bezieht die dritte Niederlage in Folge.

Zuerst Matthias Bieber umkurvt, danach Niklas Schlegel düpiert: Luganos Topskorer Luca Fazzini erzielt das schönste Tor des Abends. Foto: Marusca Rezzonico (Freshfocus)

Zuerst Matthias Bieber umkurvt, danach Niklas Schlegel düpiert: Luganos Topskorer Luca Fazzini erzielt das schönste Tor des Abends. Foto: Marusca Rezzonico (Freshfocus)

Reto Kirchhofer@rek_81

Lugano ist am Dienstag eine Reise wert. Der San Salvatore im Süden, der Monte Bré im Norden: beide ideal ausgeleuchtet von der Sonne. Und dazwischen: Stadt, Promenade, See. Ach du schöner, milder Tessiner Herbst.

Das wohlige Gefühl mediterraner Leichtigkeit verflüchtigt sich rund um die Eishalle Resega – zur Feierabendzeit ein zuverlässiger Blechlawinen-Hotspot. Und allein dieser Eindruck müsste bei den Bernern nach ihrer Ankunft jegliche Gedanken an ein allfälliges Dolcefarniente vertreiben. Aber nichts da: Der Meister erliegt in Lugano dem süssen Nichtstun – was bittere Konsequenzen hat. Bern verliert 2:4. Es handelt sich um die dritte Niederlage in Folge. Der Auftakt in die Saison ist definitiv misslungen.

Es war zeitweise erstaunlich, wie die Berner einen im Prinzip schwächelnden Gegner generös aufbauten. Lugano hatte in der Meisterschaft zuvor keine Partie gewonnen und nur einen Punkt geholt. Vom SCB aber erhielt das Team von Sami Kapanen vorerst freies Geleit. Die Tessiner machten mit drei Forecheckern Druck, die Berner waren im Spiel ohne Scheibe viel zu passiv. Niklas Schlegel geriet früh unter Beschuss. Der Zuzug stand im fünften Saisonspiel zum vierten Mal im Tor, was erahnen lässt, welches Verhältnis Coach Kari Jalonen betreffend seine Aussage, bei den Goalies werde er abwechseln, wahrhaftig vorschwebt.

Niemand zu Hause

Jedenfalls wurde Schlegel von Beginn weg geprüft – und in der 7. Minute von seinen Mitspielern im Stich gelassen. Es bleibt das Geheimnis der Sturmlinie um Center Andrew Ebbett sowie der Verteidiger Yanik Burren und Miika Koivisto, weshalb sich alle fünf Feldspieler unmittelbar nach dem Bully in der eigenen Zone nach vorne orientierten: Dario Bürgler, komplett ungedeckt, bezwang den Berner Goalie in zwei Anläufen. Einen Moment später sorgte Luca Fazzini für einen Glanzmoment: Er umkurvte den genesenen Matthias Bieber und traf ins hohe Eck.

Das Beherrschen der Zone vor dem eigenen Tor («House Coverage») zählt gemeinhin zu den Stärken von Jalonens Team. Am Dienstagabend waren die Berner im eigenen Haus nicht präsent. Auch offensiv passte wenig zusammen. An diesem Umstand konnte Tristan Scherwey im ersten Spiel nach seiner Rückkehr aus Ottawa vorerst nichts ändern. Der Flügel spielte neben Jan Mursak und Vincent Praplan. Jalonen stellte 13 Stürmer und sieben Verteidiger aufs Matchblatt. Die beiden Gerbers, Colin und Jeremi, waren überzählig.

Es brauchte schon eine Fünf-gegen-drei-Situation, damit der SCB zu seinem ersten Tor kam. Andrew Ebbett sorgte für eine Premiere im doppelten Sinn: Es handelte sich um den ersten Berner Powerplaytreffer in dieser Spielzeit, derweil Lugano zum ersten Mal in Unterzahl ein Tor kassierte.

Das Heimteam reagierte, kam dank Jani Lajunen ebenfalls in Überzahl zum Erfolg. Nach der Entscheidung durch Alessandro Chiesa – er durfte selbstverständlich ungedeckt einschiessen – verkam Scherweys sehenswertes Tor zum 2:4 zur Makulatur. Captain Simon Moser sagte: «Wir haben viel zu wenig investiert. Diese Leistung ist nicht akzeptabel. Sie sollte für jeden ein Weckruf sein.»

Arcobello und das Angebot

Am Verdikt konnte selbst der formstarke Topskorer Mark Arcobello (zuvor sieben Punkte in vier Partien) nichts ändern. Der Center ist seit seiner Ankunft in Bern 2016 der produktivste Spieler im Schweizer Eishockey (209 Spiele, 217 Punkte). Sein Vertrag läuft aus. Über die Zukunft dürfte Arcobello in Bälde bestimmen.

«In Bern kam unser Sohn zur Welt. Für meine Frau und mich ist das hier wie ein zweites Zuhause», sagt der US-Amerikaner. «Natürlich kann ich mir sehr gut vorstellen, zu bleiben.» Der SCB möchte den Spieler unbedingt halten und hat ein entsprechend hohes Angebot gemacht. Sportchef Alex Chatelain sagt: «Arcobello ist einer der Topverdiener – aber ein Spieler, der seinen Lohn verdient.»


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