Zum Hauptinhalt springen

Videobeweis: Welche Technik in anderen Sportarten hilft

Fifa-Präsident Sepp Blatter überdenkt nach den Schiedsrichter-Fehlern an der WM sein Nein zur Technik im Fussball. Clevere Hilfsmittel jedenfalls wären bereit.

Am Dienstagmorgen ist Sepp Blatter in Südafrika vor die Medien getreten: «Nach den bisherigen Erfahrungen an dieser Weltmeisterschaft wäre es Unsinn, die Debatte um Torerkennungshilfen nicht neu zu eröffnen», sagte der Fifa-Präsident gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatten Medien und Fussballexperten weltweit gefordert, der Fussballverband solle seine Ablehnung gegenüber technologischen Hilfsmitteln über Bord werfen.

Ausgerechnet aus Deutschland kommt der grösste technologische Hoffnungsträger, der England am Sonntag zum Ausgleichstor gegen die Deutschen hätte verhelfen können. Ein 1,5 Zentimeter kleiner und 20 Gramm leichter Chip im Innern des Fussballs, hergestellt von der kleinen süddeutschen Firma Cairos Technologies, gemeinsam mit Adidas.

Ein elektrischer Raum rund um das Tor

Und so funktioniert der auf den Namen «Goal Line Technology» GLT getaufte clevere Fussball: Entlang der Strafraumlinien werden Kabel unter den Boden gezogen. Sie bilden einen elektrischen Raum rund um das Tor. Am Tor selber werden Antennen installiert, die sämtliche Daten in Sekundenschnelle aufzeichnen. Wenn der Ball mitsamt dem eingebauten Chip vorbeifliegt, zeigen die Empfangsgeräte – ein Armband des Schiedsrichters sowie eine Anzeigetafel – blitzschnell an, wo er sich genau befindet.

Ein ähnliches System kennen Läufer und Skifahrer: Ein an Arm oder Bein getragener Chip registriert und sendet blitzschnell die Zeit, wenn er mit einem Magnetfeld in Berührung kommt. Ein weniger ausgereiftes Konkurrenzprodukt mit dem Namen «Goalref» kommt aus Dänemark.

«Voraussetzungen für eine Einführung sind gegeben»

Die Fifa hat den GLT-Chip an der Klub-WM in Japan 2007 getestet und für gut befunden, nachdem sie eine erste Version nach Tests an der U-17-Weltmeisterschaft im Jahr 2005 als zu ungenau zurückgewiesen hatte. Trotzdem erteilte Fifa-Präsident Sepp Blatter der Technologie im März 2010 eine Absage – weil menschliches Irren zum Sport gehöre. Ein weiteres viel zitiertes Argument ist jenes, dass sich nicht sämtliche Verbände weltweit das Chipsystem leisten könnten und somit Ungerechtigkeiten geschaffen würden. Laut früheren Angaben von Cairos wären die Ausgaben jedoch überschaubar: Etwa ein Viertel des Schiedsrichtersoldes würde das Unternehmen pro Spiel verlangen.

Ein Sprecher von Adidas bestätigte gegenüber Redaktion Tamedia, dass «die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung» des Chip-Balls gegeben sind. Der Ball sei mittlerweile «vielfältigen Tests unter Wettkampfbedingungen sowie im Labor» unterzogen worden. Man akzeptiere die bisherige Entscheidung gegen die Technologie. «Zu gegebener Zeit» werde man mit den Partnern über denkbare weitere Einsatzgebiete entscheiden.

Hawk-Eye schaffte es nur bis in die Testphase

Falls der Fifa GLT zu teuer ist, könnte sie sich eine konventionellere Methode längst bei den Kollegen vom Tennis abschauen: Das «Hawk-Eye», das Falkenauge. Das vom Engländer Paul Hawkins entwickelte Videosystem besteht aus sechs Hochgeschwindigkeitskameras, die rund um das Spielfeld platziert werden. Aus den verschiedenen Perspektiven kann die Position des Balles im Raum berechnet werden. Möglich wäre auch der Einsatz der Kameras nur innerhalb des Tors. Dort würden sie bis zu 500 Bilder in der Sekunde aufnehmen. Das menschliche Auge schafft nur 25 – das Falkenauge könnte also wesentlich genauer beurteilen, ob ein Ball hinter der Linie war.

Auch das Falkenauge hat bereits erste Einsätze im Fussball hinter sich. Unter anderem testete es die Fifa bei den U20-Weltmeisterschaften 2007 in Kanada. Auch dieses System schaffte es jedoch nicht über die Testphase hinaus – auch wenn Experten es als umsetzbar bezeichnen.

Neben den Hightech-Lösungen Hawk-Eye und Goal Line Technology gibt es zwei einfache Möglichkeiten, die der Fussballverband in kurzer Zeit nutzen könnte. Da wäre einerseits der klassische Videobeweis, wie ihn alle Fernsehzuschauer eigentlich heute schon haben: Nach einem potenziellen Foul oder Tor wird das Spiel unterbrochen und mit einem Blick auf die Leinwand ein Urteil gefällt. Ebenso einfach und ausserdem ganz nach Fifa-Vorliebe äusserst menschlich: Zwei zusätzliche Unparteiische, die als Torrichter nichts anderes als Torentscheide fällen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch