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Unihockey-Legende Matthias Hofbauer«Tatu wird mich bestimmt vermissen»

Matthias Hofbauer war der beste Spieler, den die Schweiz je hatte. Am Sonntag wird er vom SV Wiler-Ersigen offiziell verabschiedet und geehrt.

Matthias Hofbauer (rechts) schrieb mit dem Nationalteam Geschichte. Im 66. Anlauf gelang 2017 in Bern der erste Sieg gegen Schweden.
Matthias Hofbauer (rechts) schrieb mit dem Nationalteam Geschichte. Im 66. Anlauf gelang 2017 in Bern der erste Sieg gegen Schweden.
Foto: Daniel Christen

Seit Ihrem Rücktritt sind ein paar Monate vergangen. Was bleibt von 23 Jahren Unihockey in Erinnerung?

Dass es eine wahnsinnig lange Zeit ist. Ich denke oft an den Anfang zurück.

Dass Sie Unihockeyspieler wurden, war nicht vorbestimmt, oder?

Keineswegs. Ich habe viele Sportarten ausprobiert. In der Freizeit spielte ich Strassenhockey, dann ging ich in ein Unihockeytraining und bin geblieben. Wiler-Ersigen war damals kein Spitzenclub. All die Erfolge, die ich erleben durfte, waren nicht absehbar.

Hatten Sie in der Garderobe einen Stammplatz?

Natürlich. Mittleres Abteil – mit Blick zum Eingang.

Wissen Sie, wer Ihren Platz jetzt eingenommen hat?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, Tobias Känzig. Der Platz war so gut, der blieb sicher nicht lange frei.

Sie galten als ruhiger Spieler. Haben Sie in der Garderobe oft das Wort ergriffen?

Ja, aber ich war dabei nicht immer leise. Wenn das Fass überlief, sah auch ich Rot. Der Inhalt war mir jedoch deutlich wichtiger als die Lautstärke.

Was war das Ziel Ihrer Reden?

Ich wollte die Mitspieler stets positiv beeinflussen. Ich habe mich schon früh für das Mentale im Sport interessiert. Ich habe in diesen Bereich viel investiert.

Durften ausser Ihnen auch andere Spieler reden?

(lacht) Klar, alle durften reden. Tatu Väänänen ist ein grosser Leader, Nicolas Bischofberger war letzte Saison auch sehr wichtig neben dem Feld. Er hat bekanntlich nach Schweden gewechselt.

Gibt es Nachfolger?

Tatu wird mich bestimmt vermissen … (lacht)

Mit anderen Worten, Sie sind bei Wiler-Ersigen unersetzlich?

Doch, doch. Wenn Routiniers weg sind, gibt es Raum für andere Spieler. Man hat von den jungen Spielern stets gefordert, dass sie mehr Verantwortung übernehmen. Die Karten werden jetzt neu gemischt.

Bei Ihnen wird auch neu gemischt. Die Karriere als Trainer ist vorprogrammiert, oder?

Na ja, als Trainer hast du stets eine volle Agenda. Darauf habe ich im Moment keine Lust. Langweilig wird es mir trotzdem nicht. Mit dem Mandat bei Swiss Unihockey kann ich die Professionalisierung im Unihockey vorantreiben. Das ist mir ein wichtiges Anliegen. Die Zeit dazu ist ideal. 2022 haben wir die WM im eigenen Land.

Zurück zu Ihrer Karriere als Spieler. Sie haben 23 Jahre auf Topniveau gespielt und dürfen ein Highlight herauspicken. Welches wählen Sie?

Nur eines? Das ist sehr schwierig. Okay, mein letztes Spiel mit dem Nationalteam. Nach dem Sieg im Spiel um Platz 3 stand ich mit meinem Sohn Mats auf dem Spielfeld. Der Druck war weg, wir haben uns ein paar Bälle hin und her gespielt. Vor Tausenden von Zuschauern. Das war emotional und einmalig. Möchten Sie noch ein sportliches Highlight?

Nach dem Spiel, auf der Heimfahrt im Auto, wurde ich von meinen Emotionen überwältigt.

Ja, gerne.

Der allererste Sieg gegen Schweden, 2017 in Kirchberg. Nach dem Spiel, auf der Heimfahrt im Auto, wurde ich von meinen Emotionen überwältigt.

Wegen eines Sieges in einem unbedeutenden Testspiel?

Ja. Die Schweiz brauchte 66 Spiele, um die Schweden erstmals zu bezwingen. Immer wieder wurde ich gefragt: Wann gelingt Ihnen der erste Sieg? Ich konnte diese Frage nicht mehr hören. Nach dem Erfolg wusste ich: Das ist jetzt vorbei. Wir hatten es geschafft. Endlich.

Mit Wiler-Ersigen gewannen Sie 2005 den Europacup. Wie ist dieser Erfolg einzuordnen?

Sehr hoch natürlich. Vor allem aufgrund des Turnierverlaufs.

Erzählen Sie.

Das Turnier fand in der Schweiz statt, und wir verloren das Gruppenspiel gegen den norwegischen Meister. Im letzten Spiel mussten wir für die Halbfinal-Qualifikation die übermächtig scheinenden Schweden bezwingen. Als wir an der Garderobe der Norweger vorbeigingen, standen die Champagnergläser bereit. Man hatte uns abgeschrieben, doch wir schlugen Pixbo Wallenstam 7:5.

Und weiter?

Im Halbfinal bezwangen wir Helsinki, und das 9:1 im Final, erneut gegen Pixbo, war surreal. Wir hatten plötzlich einen Riesenlauf.

Tiefpunkte gab es in Ihrer Karriere wenige. Können Sie einen nennen?

An der WM 2012 in der Schweiz verloren wir den Halbfinal gegen Finnland in der Verlängerung. Wir hatten vor dem «Sudden death» einige Chancen, das Spiel zu gewinnen. So zu verlieren, war unglaublich hart.

Wie erholten Sie sich von derartigen Tiefschlägen?

Sie trieben mich an, noch mehr zu tun. Jede Niederlage hat eine Logik, also muss man mehr tun, um beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation zu reüssieren.

Hatten Sie eigentlich ein Unihockey-Idol?

In jungen Jahren bewunderte ich Thomas Engel.

Warum er?

Er prägte damals unsere Sportart, war Rechtsausleger wie ich. Auf dem Feld sehr aktiv, ein Leader – und Nationalspieler. Damals träumte ich davon, auch einmal für die Schweiz spielen zu dürfen.

Nun, Sie haben das Unihockey auch geprägt.

Das konnte ich damals nicht erahnen.

Wie wurden Sie eigentlich international wahrgenommen?

In Finnland bin ich wohl bekannter als in Schweden.

Wieso das?

Nun, in Finnland hat man sich stets für das internationale Unihockey interessiert und sich informiert. In Schweden interessierte man sich vorwiegend für die schwedischen Spieler. Wertschätzung erfuhr ich dort aber, als ich bei IBK Dalen spielte – und auch Teamcaptain war.

Infolge Corona hatten Sie einen stillen Abgang. Wurmt Sie das?

Es fühlte sich schon komisch an. Aber im Gesamtkontext meiner Unihockey-Laufbahn ist das irrelevant.