Von kitschig bis kunstvoll

Reutigen

Auf Postkarten oder als dekorative Figuren: Die neue Ausstellung in der Schule ist den Engeln ge­widmet. Die Bandbreite reicht von Kitsch bis Kunst.

Eine Gruppe Engelsfiguren, die in Reutigen ausgestellt sind.

Eine Gruppe Engelsfiguren, die in Reutigen ausgestellt sind.

(Bild: Marc Imboden)

Engel haben vor Weihnachten Hochsaison. Das ist heuer nicht anders: Wo man geht und steht – die geflügelten Himmelswesen fliegen einem um die Ohren. Die zweifellos grösste Ansammlung ist im Schulhaus Reutigen gelandet. «Engel – Wesen zwischen Religion, Kunst und Kitsch» heisst die Ausstellung der Arbeitsgruppe Dorfgeschichte.

«Mit Reutigen hat diese Ausstellung tatsächlich nichts zu tun», sagt Hans-Jörg Baur, der die Ausstellung im ehemaligen Physikzimmer der Schule Reutigen aufgebaut hat. «Weil sich gerade kein anderes Thema aufdrängte und ich seit dreissig Jahren Engelspostkarten sammle, entschied sich die Arbeitsgruppe Dorfgeschichte, die neue Ausstellung diesem Thema zu widmen.»

Zu sehen sind 270 Postkarten mit Engelsmotiven. Ein Grossteil ist mehr als hundert Jahre alt. Viele stammen gar aus dem 19. Jahrhundert.

Da gibt es Schutzengel und viele religiöse Motive wie Ostern, Konfirmation und die Verkündigung des Erzengels Gabriel bei Maria. «Ich begann meine Sammlung vor dreissig Jahren, als meine Tochter im Lehrerinnenseminar eine Arbeit über Engel schrieb und sie mit einer Engelspostkarte bebilderte.»

Fortan durchforstete Hans-Jörg Baur die Antiquariate und fand immer weitere Exemplare, die zum Teil in Kurrent beschriftet sind. «Die Absender richteten sich mit ihren Texten meistens an eine geliebte Person oder versandten Weihnachtswünsche», sagt Baur.

Die Ausstellung ist keine bierernste Angelegenheit, sondern sorgt immer wieder für ein Schmunzeln – etwa bei jenen Engeln, die nicht auf Postkarten gedruckt sind, sondern auf Reklametafeln Werbung für Bier und andere Leckereien machen.

Gottesdienst und Theater

Abgerundet wird die Ausstellung mit Dutzenden Engelsfiguren. Er habe seine Frau wohl mit dem Engelsammelvirus angesteckt, sagt Hans-Jörg Baur. «Von jeder Reise, die wir zusammen machen, kam mindestens ein Engel mit nach Hause.» Auch hier sind die Übergänge zwischen Kunst und Kitsch fliessend.

«Von jeder Reise, die wir zusammen machen, kam mindestens ein Engel mit nach Hause.»Hans-Jörg Baur

Dem Ausstellungsmacher gelang es, die Schule Reutigen-Zwieselberg und die Kirchgemeinde Reutigen-Stocken an Bord zu holen. Die Schülerinnen und Schüler zeigen morgen Sonntag zur Eröffnung der Ausstellung das Stück «Der Ängu Blasius, wo geng z spät isch cho» um 16.15 Uhr im Singsaal.

Am selben Ort findet um 17 Uhr ein Engelsgottesdienst unter der Leitung von Pfarrerin Barbara Katharina Soom und unter Mitwirkung der Musikgesellschaft Reutigen statt, bevor die Ausstellung um 17.45 Uhr eröffnet wird.

Eröffnung der Ausstellung: Sonntag, 10. Dezember, 17.45 Uhr. Weitere Öffnungszeiten: Mittwoch, 13. Dezember, 15–16 Uhr. Sonntag, 17. Dezember, 15–17 Uhr. Mittwoch, 20. und 27. Dezember, 15–17 Uhr. Samstag, 23. und 30. Dezember, 17–20 Uhr. Samstag, 6. Januar, 17–20 Uhr.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt