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Simulierte ZoobesucherTiere im Papiliorama hören jetzt Radio

Das Papiliorama in Kerzers ist für Besucher geschlossen. Doch innerhalb der Kuppeln geht die Arbeit weiter. Die Tiere müssen gepflegt, gefüttert und an die neue Situation gewöhnt werden.

Die Tiere im Papiliorama gewöhnen sich schnell an die neue Stille.
Die Tiere im Papiliorama gewöhnen sich schnell an die neue Stille.
Foto: Vincent Murith

«Fast 68 Millionen Menschen sind im letzten Jahr mit Zügen, Bussen und Schiffen der BLS gefahren.» Die Stimme von SRF-1-Redaktor Mario Sturny hallt durch die leeren Hallen des Papilioramas in Kerzers. Abgesehen davon ist es ruhig. Die Stühle und Tische im Restaurant bleiben seit Wochen leer. Nur für die Tierpflegerinnen und -pfleger scheint die Arbeit wie gewohnt weiterzugehen.

Dass das Radio nicht nur im Restaurant zu hören ist, sondern auch unter den Kuppeln, wo die Tiere leben, ist kein Zufall, erklärt Direktor Caspar Bijleveld: «Wir haben gemerkt, dass einige Tiere, insbesondere die Vögel, nervös werden, wenn sich ein Tierpfleger oder ein Gärtner nähert. Sie gewöhnen sich sehr rasch daran, dass niemand da ist.»

Deshalb habe man entschieden, das Radio über die Lautsprecher auch innerhalb der Dome erschallen zu lassen. So könne man in einer aussergewöhnlichen Situation, wenigstens was die Lärmkulisse angeht, eine Art Normalität simulieren. «Das ist auch wichtig im Hinblick auf die Wiedereröffnung, wenn plötzlich wieder Leute kommen», erklärt Caspar Bijleveld. Aber der Grossteil der Tiere verhalte sich nicht viel anders als sonst. Beobachtungen, wie sie andere Zoos gemacht haben, von Affen, denen langweilig wird, aggressiven Ochsen oder kopulierenden Pandas, kann er bisher nicht bestätigen.

«Wollen kein Risiko eingehen»

Die Pflegerinnen und Pfleger tragen bei ihrer Arbeit Schutzmasken und Handschuhe. Mitarbeitende, bei denen Symptome auftauchen, müssen zu Hause in Selbstquarantäne bleiben. «Wenn Menschen infiziert sind, wollen wir das natürlich nicht übertragen.»

Wie hoch das Risiko einer Übertragung auf ein Tier sei, sei schwierig einzuschätzen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Tieren auf Menschen liege hingegen fast bei null. «Wir wollen aber kein Risiko eingehen, deswegen sind wir sehr streng bei den Vorsichtsmassnahmen.»

Keine Katastrophe

Obwohl durch die Schliessung des Zoos alle Einnahmen wegfallen, muss das Personal weiterbeschäftigt werden. «Wie auch andere Zoos haben wir sehr hohe Fixkosten», so Caspar Bijleveld. Mindestens sechs oder sieben Personen sind jeden Tag für die Pflege der Tiere verantwortlich. Einige Gärtner sind weiterhin im Einsatz, und auch die technische Überwachung muss gewährleistet werden.

«Bis Ende April brechen Einnahmen von rund einer Million Franken weg», schätzt Caspar Bijleveld. Das Gesamtpensum aller Mitarbeitenden wurde, über den ganzen Betrieb gerechnet, um rund drei Viertel gekürzt. Die Lohnausfälle werden durch die Kurzarbeitsentschädigung zu 80 Prozent abgedeckt. Da das Papiliorama die restlichen 20  Prozent übernimmt, erhalten die Mitarbeitenden denselben Lohn wie sonst auch.

Ausserdem sei das Papiliorama gegen Erwerbsausfälle versichert. «Mit der Versicherungssumme und der Kurzarbeit können schätzungsweise die Kosten von rund zwei Monaten gedeckt werden», rechnet der Direktor vor. Von einer Kata-strophe will er deshalb nicht reden: «Wir haben Glück, dass in diesem Land das System aufrechterhalten werden kann.» Er sorge sich mehr um die Situation in den Naturschutzreservaten des Papilioramas in Belize.

Der Ausbau des Papilioramas, der im Rahmen des Projekts Papiliorama 2030 geplant ist, geht wie vorgesehen weiter. Bis zur Wiedereröffnung soll die neue Eingangsbrücke fertiggestellt sein. Denn wenn sich die Hallen des Papilioramas wieder mit Leben füllen und das Radio ausgeschaltet werden kann, sollen sich die Besucherinnen und Besucher über etwas Neues freuen können.