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Streit der US-PräsidentenTrump antwortet auf Obamas Kritik: «Er war krass inkompetent»

Barack Obama hat das Krisenmanagement von Donald Trumps Regierung ein «chaotisches Desaster» genannt. Nun legt er nach – und der US-Präsident reagiert vehement.

Donald Trump diskreditiert seinen Vorgänger: «Er war krass inkompetent.»
Video: Tamedia

Der Konflikt zwischen dem US-Präsidenten und seinem Vorgänger gewinnt an Schärfe – und könnte ein bestimmendes Thema des Wahlkampfs werden. Am Wochenende diskreditierte Donald Trump abermals Barack Obama und warf ihm vor, «krass inkompetent» gewesen zu sein. Obama hatte zuvor kritisiert, die Corona-Pandemie habe die Ahnungslosigkeit von Regierenden offengelegt. «Viele von ihnen tun nicht einmal so, als hätten sie die Verantwortung», sagte der Ex-Präsident in einer Rede für Hochschulabsolventen.

Obamas Worte wurden von einigen US-Medien als Kritik an der US-Regierung und ihren Beamten gewertet, die für die Reaktion auf die Corona-Pandemie in den USA verantwortlich sind. Noch deutlicher wurde der demokratische Ex-Präsident unter der Woche in einer privaten Telefonkonferenz mit ehemaligen Mitarbeitern. Darin bezeichnete er das Krisenmanagement von Donald Trump als «absolut chaotisches Desaster». Dieser ging am Sonntag zum Gegenangriff über und arbeitete sich verbal an Obama ab: «Alles was ich sagen kann, ist: Er war ein inkompetenter Präsident. Ein krass inkompetenter.»

Obamagate für den Wahlkampf

Trump wird seit Wochen für seinen Umgang mit Corona kritisiert. Die USA sind das am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Mittlerweile wurden knapp 1,5 Millionen Infektionen, 90’000 Corona-Tote und 36 Millionen Arbeitslose gemeldet. Trump wird vorgeworfen, die Pandemie unterschätzt und nicht früh genug reagiert zu haben. Der Präsident glaubt aber, dass das Land nun aus dem Gröbsten raus ist. «Wir hatten ein grossartiges Wochenende und haben an verschiedenen Fronten gewaltige Fortschritte gemacht, auch bei einem Heilmittel für diese schreckliche Seuche.»

Auf Trumps Twitter-Konto ging es in den letzten Stunden aber nicht um Corona, sondern um sein neues Wahlkampf-Lieblingsthema: Obamagate – «das grösste Verbrechen der amerikanischen Geschichte, mit weitem Abstand.» Denn nichts mobilisiert Trumps rechte Wähler so wie Attacken gegen den Ex-Präsidenten. Trump verwendet den Begriff Obamagate, seit das Justizministerium das Verfahren gegen Trumps Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn überraschend fallen liess, ehe der zuständige Richter veranlasste, die Rechtslage noch einmal zu prüfen.

Flynn hatte sich schuldig bekannt, das FBI Ende Dezember 2017 über seine Kontakte zum damaligen russischen Botschafter belogen zu haben. Der Präsident und viele konservative Kommentatoren sehen den Fall als Teil einer Verschwörung der Obama-Regierung: Obama soll, so der Vorwurf, das FBI aus Rache auf Trump angesetzt haben. Die Folge sei die politisch motivierte Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller gewesen.

Indirekt äusserte sich Obama in einer zweiten virtuellen Rede am Wochenende zu Trumps in den letzten Tagen mit zunehmender Kadenz vorgebrachten Verschwörungserzählungen. «Das tun, was sich gut anfühlt, was bequem ist, was einfach ist – so denken kleine Kinder», sagte er. «Leider tun das auch viele sogenannte Erwachsene immer noch, darunter solche mit schicken Titeln und wichtigen Jobs – deshalb ist die Lage so verkorkst.» Trumps Antwort liess nicht lange auf sich warten. Der US-Präsident hängte sich an einen Tweet des konservativen Moderators Dan Bongino, wonach Obama der korrupteste US-Präsident der Geschichte sei, und kommentierte so knapp wie klar: «100 Prozent korrekt.»

red