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Streit um Replay-TVTV-Abo wird doch nicht teurer dafür gibts Zwangswerbung

Im Tauziehen zwischen der SRG und Telecomfirmen sind Preisaufschläge für zeitversetztes Fernsehen vom Tisch. Dafür müssen Konsumenten eine Kröte schlucken.

Zeitversetztes Fernsehen:  Der öffentlich-rechtliche Sender möchte seine Inhalte maximal 7 Tage im Replay-TV zur Verfügung stellen.
Zeitversetztes Fernsehen: Der öffentlich-rechtliche Sender möchte seine Inhalte maximal 7 Tage im Replay-TV zur Verfügung stellen.
Keystone

In die Verhandlungen um die Zukunft des Replay-TV ist Bewegung gekommen. Die SRG teilt mit, dass sie von ihrer Forderung nach einer starken Tariferhöhung für die Nutzung der TV-Inhalte abgerückt sei. «Die SRG ist mit der von Swisscom und UPC vorgeschlagenen moderaten Erhöhung des Basistarifs (…) um 15 Prozent einverstanden», erklärt Sprecher Edi Estermann. Eine Einigung im Streit scheine nun zum Greifen nah, sagen Verhandlungskreise. Doch es bleiben Stolpersteine. So gibt es nun Streit darum, die Verfügungsdauer des zeitversetzten TV von bisher 7 auf neu 14 Tage zu verlängern. Die SRG will davon nichts wissen.

Darum gehts im Tauziehen: Die Nutzung des beliebten zeitversetzten Fernsehens beruht auf dem Urheberrecht. Denn die zentral auf den Servern gespeicherten Sendungen gelten als Privatkopie. Vor gut einem Jahr haben die Verwertungsgesellschaften wie Swissperform, welche die Sender vertritt, den Tarifvertrag für die Nutzung der TV-Inhalte auf Ende Jahr gekündigt.

Denn was für die Zuschauerinnen und Zuschauer angenehm ist, kostet die Sender nach eigenen Angaben Millionen: Wer einen Film zeitversetzt guckt, kann die Werbeblöcke überspulen. Daher wird nun hinter den Kulissen seit einem Jahr um einen neuen Tarifvertrag gerungen. Er soll regeln, zu welchen Kosten und Bedingungen die Sendeverbreiter wie Swisscom oder Zattoo (welcher wie diese Zeitung zur TX Group gehört) ihren Kunden Replay-TV weiterhin sollen anbieten können.

Abo-Verteuerung ist vom Tisch

Die SRG hatte zunächst von den Sendeverbreitern – dazu zählen Anbieter wie Swisscom oder UPC – eine starke Erhöhung des Nutzungstarifs für Inhalte gefordert. Das hätte möglicherweise TV-Abos verteuert. Da aber laut Branchenkreisen selbst die Schweizer Privat-TV-Anbieter sich den Preisforderung nicht anschliessen wollten, rückte die SRG davon wieder ab.

Der nun gefundene Kompromiss sieht vor, dass der Basistarif, der kein Spulen möglich macht, für die Verbreiter um 15 Prozent teurer wird. Das entspricht einer Erhöhung um rund 13 Rappen auf 1,5 Franken pro Monat und Kunde. Sollten Swisscom & Co. diese Kostenerhöhung auf die Nutzer überwälzen, wäre dies wohl verschmerzbar.

Für Aufregung dagegen dürften die Änderungen im zweiten Tarif sorgen, der das Spulen erlaubt. Hier zahlen die Verbreiter an die Verwertungsgesellschaften, die auch die Sender vertreten, einen Zuschlag auf den Basistarif. Dieser Zuschlag soll von 30 auf 50 Rappen pro Monat und Kunde steigen.

Gleichzeitig soll aber auch das Überspringen der Werbung eingeschränkt werden: Zum einen muss der Zuschauer jedes Mal, wenn er eine Sendung zeitversetzt sehen will, sich einen Spot von 7 Sekunden ansehen. Schaut ein Nutzer einen Film, und dieser wird durch Werbung unterbrochen, so soll er zudem einen Werbeblock von 100 Sekunden ansehen müssen. Dieser wird aus 3 Spots von je 20 Sekunden Dauer sowie Programmhinweisen des jeweiligen Senders bestehen. Nach diesen Zwangsspots geht der Film dann weiter.

Die privaten TV-Sender wollen die Unterbrecherspots. Als Ausgleich drängte die SRG darauf, den 7-Sekunden-Werbespot vor jeder Sendung einzuführen. «Denn von einem 100-Sekunden-Unterbrecher-Spot haben wir kaum etwas, weil wir wenig Unterbrecherwerbung im Programm haben», erklärt SRG-Sprecher Estermann.

Die Verbreiter argumentieren nun, dass sie ihren Kunden einen Zusatznutzen bieten müssen, damit diese die Zwangsspots akzeptieren. Dass die Zuschauer gezielt nach dem 100-Sekunden-Block an die Fortsetzung des Programms ohne lästiges Spulen geführt würden, reiche nicht.

Die Idee: Das Zeitfenster soll ausgedehnt werden, wie lange das Programm zur Verfügung steht. Bisher sind es maximal 7 Tage. Die Sendeverbreiter hätten die Replay-Dauer gerne auf 30 Tage ausgedehnt, ein Kompromiss mit den Verwertungsgesellschaften sah eine Ausdehnung auf 14 Tage vor.

SRG wehrt sich

Doch davon will die SRG nichts wissen: «Dadurch reduziert sich die Abgeltung im Verhältnis zu den verfügbaren Programminhalten gegenüber heute deutlich», erläutert Sprecher Estermann. Sprich, die Verdoppelung der Replay-Verfügbarkeit würde die Tariferhöhung für die Nutzung der Inhalte wieder überkompensieren. Zudem bestünde die Gefahr, dass Rechteinhaber, wie etwa Hollywoodstudios, der SRG ihre Inhalte nicht mehr verkaufen wollen. Branchenkreise meinen dagegen, dass diese Problematik bereits beim 7-Tage-Replay existiere.

Für jene Nutzer, die auch in Zukunft gar keine Werbung sehen wollen, wird noch an einem dritten Tarif gearbeitet. Hier ist laut Verhandlungskreisen ein weiterer Zuschlag für die TV-Verbreiter von 4.50 bis 7 Franken pro Monat und Kunde im Gespräch. Diesen Preisaufschlag dürften Swisscom oder UPC den Kunden zumindest zum Teil weiterreichen. Sprich: Wer in Zukunft keine Werbung im Replay-TV sehen will, dürfte mehr für sein Abo zahlen müssen. Kunden können dann die Werbeblöcke mit einem Knopfdruck gezielt überspringen.

In dieser Woche sind weitere Verhandlungen angesetzt. Der Poker um Replay-TV geht nun in die finale Runde.