UBS-Twitter-Attacke gegen Financial Times verschwunden

Die Grossbank greift die Zeitung in einem gehässigen Tonfall an. Jetzt sind Tweets gelöscht worden.

Twitter-Attacke gegen die Financial Times: Die Nachrichten der UBS sind verschwunden. Bild: Bruno Schlatter

Twitter-Attacke gegen die Financial Times: Die Nachrichten der UBS sind verschwunden. Bild: Bruno Schlatter

Ernst Meier@tagesanzeiger

«Embarrassing reporting», auf deutsch: «Peinliche Berichterstattung». Mit diesen scharfen Worten kritisierte die UBS einen Journalisten der Wirtschaftszeitung Financial Times (FT). Der Schreibende habe die falschen Vergleichszahlen hinzugezogen und die positiven Reaktionen der Analysten nicht berücksichtigt. Im Tweet fragt die UBS vorwurfsvoll: «Agenda journalism?» Die Financial Times korrigierte darauf ihren Artikel online.

Heute findet man die Twitter-Kritik der UBS nicht mehr. Die Schweizer Bank UBS habe diese gelöscht, nachdem sie in den sozialen Medien wegen ihrem Vorgehen ebenfalls kritisiert worden ist, schreibt das britische Onlinemagazin Pressgazette. So stiess vor allem die Art und der Tonfall der UBS auf Unverständnis. Das ist eine völlig unangebrachte Weise der Firmenkommunikation und die UBS sollte sich dafür schämen, schrieb beispielsweise ein Wirtschaftsreporter des Guardian.

Auf Anfrage erklärt ein Sprecher der UBS, dass die Angelegenheit nicht weiter kommentiert werde. «Das ist eine Sache zwischen der Financial Times und uns», sagt der Sprecher.

Schnelle Reaktion auf Medienkritik

Aktienpreis im Keller, Rechtsstreit in Frankreich, bescheidene Geschäftszahlen und Millionensaläre der Chefs – die UBS kämpft seit Jahren, um die Gunst der Finanzwelt und der Öffentlichkeit. Ob der Dauerkritik scheint man bei der grössten Schweizer Bank zunehmend dünnhäutig zu werden. Der persönliche Angriff auf den FT-Journalisten via soziale Medien ist die jüngste Episode einer neuen Strategie, die darauf abzielt, schnell, direkt und öffentlich auf Medienkritik zu reagieren.

Im Januar platze UBS-Chef Sergio Ermotti der Kragen und er reagierte via Twitter auf einen Artikel im Manager-Magazin. Die Story sei nicht wahr, twitterte der Bankchef. Er kritisierte, dass die Bank nicht um eine Stellungnahme angefragt wurde. Der Text sei ein verzweifelter und unakzeptierbarer Versuch, Schlagzeilen zu schreiben, hielt der Bankchef fest. Im Text mit dem Titel «Zürcher Geschnetzeltes» geht es um das Verhältnis zwischen Ermotti und seinem Leiter der Vermögensverwaltung.

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