Zum Hauptinhalt springen

Coronavirus in der SchweizAuch Graubünden schliesst Restaurants und Läden

Wegen der Coronavirus-Pandemie greifen fünf Kantone rigoros durch. Die Frühjahrssession in Bern wird abgebrochen. Die nationalen News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zahl der Coronavirus-Fälle steigt auch in der Schweiz rasant.
  • Alle Schulen bleiben bis am 4. April geschlossen.
  • Bis Ende April hat der Bundesrat alle Veranstaltungen ab 100 Personen verboten.
  • In Restaurants, Bars und Diskotheken dürfen sich maximal 50 Personen aufhalten.
  • Die Kantone Tessin, Baselland und Jura schliessen Geschäfte.
  • Internationale News: Hier können Sie den aktuellen Entwicklungen folgen.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Lage: Alles zum Ausbruch des Coronavirus.

LIVE TICKER

Graubünden schränkt öffentliches Leben ein

Als fünfter Kanton schränkt nun auch Graubünden das öffentliche Leben ab Montag 12 Uhr ein. Einkaufsläden und Gastronomiebetriebe müssen geschlossen bleiben, wie die Bündner Regierung am Sonntagabend mitteilte. Mit diesen Massnahmen wolle sie die Ausbreitung des neuen Coronavirus noch konsequenter bekämpfen.

Lebensmittelläden, Apotheken, Drogerien, Banken und Postschalter können demnach weiterhin offen bleiben. Die Regierung in Chur ruft die Bevölkerung auf, ihre Mobilität auf das Notwendige zu reduzieren. Zuvor hatten bereits die Kantone Tessin, Basel-Land, Jura und Neuenburg ähnliche Massnahmen ergriffen.

Erlaubt sind in Graubünden weiterhin Mahlzeitenlieferungen von Restaurants, Pizzakuriere oder fliegende Verkaufsstände ohne Restauration und Verzehr vor Ort.

Ebenfalls geschlossen bleiben müssen alle Warenhäuser und Detailhandelsgeschäfte mit Ausnahme von Lebensmittelläden und -abteilungen, Apotheken, Drogerien, Banken, Postschalter, Kioske und Tankstellenshops. Medizinische Therapien sind weiterhin erlaubt, Kosmetik- und Wellnessbehandlungen jedoch nicht. Ebenfalls verboten werden sämtliche religiösen Versammlungen.

Hotelbetriebe können weiterhin geöffnet bleiben und ihre Hotelgäste auch bewirten. Es gelten dafür ebenfalls die verschärften Hygienebestimmungen und die Einhaltung der sozialen Distanz gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es dürfen nur Gäste bewirtet werden, die im selben Hotel auch übernachten. Betriebskantinen dürfen offen bleiben, sofern sie keine externen Gäste bewirten, wie die Bündner Regierung weiter mitteilte.

Neuenburg ruft Notstand aus

Der Kanton Neuenburg hat am Sonntagabend den Notstand ausgerufen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus. Nach dem Tessin, Basel-Land und dem Jura ist Neuenburg damit der vierte Kanton, der eine solche Entscheidung trifft. Er tritt Sonntagmitternacht in Kraft.

Ab dann bleiben alle Läden geschlossen, mit Ausnahme von solchen für Lebensmittel, Futter für Tiere, Apotheken, Kiosken Tankstellenshops und Banken, wie es in einer Mitteilung des Kantons vom Sonntag heisst. Restaurants dürfen noch bis Montag 14 Uhr öffnen.

Versammlungen – öffentliche und private – sind ab sofort verboten. Ausgenommen sind unbedingt notwendige Treffen, wenn sie die Zahl von 20 Teilnehmenden nicht überschreiten.

Kitag-Kinos bis Ende April geschlossen

Die Kinogruppe Kitag schliesst ihre Kinos bis Ende April. Dies verkündet das Unternehmen auf dessen Webseite. «Zum Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und Besucher werden die Kitag Cinemas ab Montag, 16.3. bis 30.4.2020 geschlossen»

Kitag ist die grösste Kinobetreiberin in der Schweiz. Sie unterhält Kinos in Basel, Bern, Biel, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich.

Krisensitzung des Bundesrats

Der Bundesrat hat sich am Sonntagabend zu einer Krisensitzung getroffen. Medien spekulierten darüber, ob der Bundesrat weitere Verschärfungen plant, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Eine Pressekonferenz wird es wohl erst am Montag geben. Der Bundesrat habe Bilanz gezogen über die Situation in den Kantonen und Nachbarländern und das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Epidemie diskutiert, schreibt Bundesratssprecher André Simonazzi auf Twitter.

Die vom Bundesrat am Freitag verhängten Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus gehen einzelnen Kantonen offensichtlich zu wenig weit. Nach dem Tessin am Samstag greifen auch die Kantone Jura und Basel-Land rigoros durch. Die Baselbieter Regierung hat am Sonntag die Notlage ausgerufen und die Schliessung aller Verkaufsstätten angeordnet, die nicht der Grundversorgung dienen, sowie aller Gastrobetriebe, wie sie am Sonntag vor den Medien erklärte.

Geschlossen werden auch Betriebe wie Restaurants, Hotels und Sportstätten. Offen bleiben dürfen noch Lebensmittelläden, Tiershops, Apotheken, Drogerien und Tankstellen. Zudem untersagt der Regierungsrat ab Montag früh alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen. Die gleichen Massnahmen gelten auch für den Kanton Jura.

Der Kanton Tessin hatte ähnliche Massnahmen bereits am Vortag verhängt. Das öffentliche Leben kam danach weitgehend zum Stillstand, wie ein Korrespondent von Keystone-SDA vor Ort berichtete. Auf der Piazza Grande von Locarno liefen nur vereinzelt Menschen durch die Stadt. In Chiasso kündigte die Gemeindeverwaltung ihre Schliessung bis auf Weiteres an.

Unterdessen wurde der Ruf laut, dass die Landesregierung die vom Tessin und von Basel-Land getroffenen Massnahmen auf das ganze Land ausdehnen soll. Der Bundesrat müsse zum Schutz der Menschen unmittelbar wirksamere Massnahmen beschliessen, forderte die SVP in einer Mitteilung. Dazu bekräftigte die grösste Schweizer Partei die Forderung nach einer Schliessung der Grenzen und den Abbruch der Parlamentssession, die am Montag in die letzte von drei Wochen starten soll.

Basel-Stadt sagt Grossratssitzung ab

Die Sitzung des Basler Grossen Rats vom Mittwoch ist als Folge der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Dies teilten die Parlamentsdienste des Kantons am Sonntag mit.

Die Absage sei nach Auffassung der Grossratspräsidentin Salome Hofer (SP) «vertretbar und vernünftig», heisst es in der Medienmitteilung. Mittelfristig soll die Arbeit des hundertköpfigen Kantonsparlaments aber weiterlaufen. Für die Sitzung vom 22. und 23. April wurde ein grosser Saal im Congress Center der Messe Schweiz als Ausweichort festgelegt.

2200 positiv getestete Fälle

Nach neuesten Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gab es in der Schweiz und in Liechtenstein bereits 2200 positiv getestete Fälle. Davon lag bei 1563 Menschen eine Bestätigung für die Infektion mit der Lungenkrankheit Covid-19 vor. Bei 152 Fällen war eine Bestätigung ausstehend. In rund 440 Fällen war die Meldung noch nicht abschliessend erfasst.

Insgesamt starben in der Schweiz bislang 14 Menschen am neuartigen Coronavirus, alleine sechs davon im Tessin. Drei Menschen starben im Kanton Waadt, zwei in Basel-Land, einer in Basel-Stadt sowie je eine Person in den Kantonen Wallis und Genf. Meist handelte es sich um ältere Personen, die an Vorerkrankungen litten. Das jüngste Opfer war eine ebenfalls vorerkrankte 32-jährige Frau im Kanton Genf.

Session wird abgebrochen

Die Frühjahrssession der eidgenössischen Räte wird abgebrochen. Das haben die Präsidenten aller Fraktionen am Sonntagnachmittag in einer Telefonkonferenz miteinander beschlossen. Inzwischen haben die Büros der beiden Räte den Entscheid der Fraktionschefs formell bestätigt. Das erfuhr diese Zeitung aus zwei gut informierten Quellen.

Noch am Freitag hatte sich die Verwaltungsdelegation des Parlaments gegen einen Abbruch entschieden. Bei den parlamentarischen Sitzungen handle es sich nicht um eine Veranstaltung gemäss den neuen Massnahmen des Bundesrates, sondern um einen «Arbeitsort», erklärte das Gremium damals. Die Bundesversammlung übe die oberste Gewalt im Bund aus und das Parlament habe eine «Vorbildfunktion». Dieses Votum ist nun Makulatur.

Die Session hätte noch eine Woche gedauert. Durch den Abbruch der Session können nun wichtige Entscheide nicht mehr gefällt werden. Unter anderem hätte das Parlament in der letzten Sessionswoche die sogenannte Überbrückungsleistung für ältere Arbeitnehmer verabschieden sollen, welche der Bundesrat als Gegenmassnahme zur Kündigungsinitiative der SVP konzipiert hat. Auch der indirekte Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative kann nun nicht wie geplant in dieser Session abgeschlossen werden. (hä)

Der Nationalrat während der Frühlingssession der Eidgenössischen Räte vergangenen Donnerstag. (12. März 2020) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Monatelanger Heimunterricht?

Die Kantone bereiten sich nach Aussagen der Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) auf einen monatelangen Unterrichtsausfall in den Schulen vor. «Da die Wissenschaft damit rechnet, dass es drei bis vier Monate dauert, bis die Epidemie abflacht, müssen wir auch mit Unterricht zu Hause für diesen Zeitraum rechnen», sagte EKD-Präsidentin Silvia Steiner.

«Wir planen so, dass wir für eine Verlängerung der Massnahme gewappnet sind», sagte die Zürcher CVP-Bildungsdirektorin auf Anfrage zu einem Bericht der «NZZ am Sonntag».

Man befinde sich in einer ausserordentlichen Situation, die eine tägliche Lagebeurteilung erfordere. Es müsse auch mit der schlimmsten Variante geplant werden. Mit Blick auf Aussagen von Experten gehe man davon aus, dass die Zahl der Coronavirus-Erkrankungen in die Höhe schnellen wird.

Mehr als 800 Neuinfektionen in der Schweiz

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in der Schweiz ist am Sonntag rasant angestiegen. Nach neuesten Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gab es hierzulande bereits 2200 positiv getestete Fälle. Das waren rund 800 zusätzliche Fälle innerhalb eines Tages.

Von den rund 2200 positiv getesteten Fällen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein lag bei 1563 Menschen eine Bestätigung für die Infektion mit der Lungenkrankheit Covid-19 vor, wie das BAG im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

Bei 152 Fällen war eine Bestätigung ausstehend. Bei rund 440 Fällen war die Meldung noch nicht abschliessend erfasst. Weitere Angaben machte das BAG zu den Fällen nicht.

Insgesamt starben in der Schweiz bislang 14 Menschen am neuartigen Coronavirus, sechs davon im Tessin. Drei Menschen starben im Kanton Waadt, zwei in Basel-Landschaft, einer in Basel-Stadt sowie je eine Person in den Kantonen Wallis und Genf. Meist handelte es sich um ältere Personen, das jüngste Opfer war eine 32-jährige Frau im Kanton Genf. Sie litt an einer Vorerkrankung.

Singapur kritisiert die Schweiz

Singapur hat die Schweiz für ihren Kampf gegen das Coronavirus harsch kritisiert. Die Fälle von Grossbritannien und der Schweiz seien nicht nur wegen der steigenden Fallzahlen problematisch, sagte der Minister für nationale Entwicklung, Lawrence Wong, am Sonntag bei einer Pressekonferenz. «Es geht darum, dass diese Länder jede Massnahme zur Eindämmung des Virus aufgegeben haben.» Was wohl die offizielle Schweiz zu dieser Kritik sagt? Reisende aus der Schweiz, Grossbritannien und Japan sollen nach ihrer Ankunft in Singapur künftig 14 Tage in Selbstisolation verbringen müssen.

Singapur kritisiert die Schweiz
Singapur hat die Schweiz für ihren Kampf gegen das Coronavirus harsch kritisiert.

Basel-Landschaft erklärt die Notlage

Die Baselbieter Regierung hat am Sonntagnachmittag eine Medienkonferenz abgehalten. Anwesend sind sämtliche fünf Regierungsmitglieder. Gmäss dem Regierungspräsidenten gibt es Im Kanton Basel-Landschaft mittlerweile 54 bestätigte Corona-Fälle. Die Auslastung der Spitäler sei «hoch».

Der Kanton führt deshalb verschärfte Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus ein. «Wir haben die Notlage erklärt», sagt Gesundheitsdirektor Thomas Weber. Verboten sind künftig öffentliche und religiöse Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen. Sportanlässe sind untersagt.

Alle Verkaufsstätten, die nicht zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung zählen, werden geschlossen, sagt Sicherheitsdirektorin Katrin Schweizer. Bereiche in den Läden, die nicht der Grundversorgung dienen, werden abgesperrt. Alle Restaurants, Kinos, Theater, Clubs, Fitnesscenter und so weiter werden geschlossen. «Es geht darum, dass wir möglichst wenig Austausch in der Bevölkerung geht.» Dienstleistungsbetriebe wie Coiffeurläden bleiben erlaubt.

«Die Grundversorgung ist sichergestellt», sagt Schweizer. «Wer solidarisch ist, kauft nur für ein paar Tage ein, damit auch andere genug Lebensmittel haben.»

«Kitas bleiben weiterhin offen», sagt Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Aber nur für Eltern, die keine Möglichkeit haben, sich zu organisieren. «Das ist ganz wichtig, damit Grosseltern nicht die Betreuung übernehmen».

Mobile Test-Zentren werden eingerichtet

Gesundheitsdirektor Weber erklärt : «Planbare Eingriffe in den Spitälern werden zurückgestellt, um Kapazitäten für die Coronapatienten freizuhalten». Der Besuch in Spitälern und Altersheimen ist per sofort untersagt. Es werde dafür aber Ausnahmen geben. Darüber entscheiden die Institutionen. Die zuständigen Behörden seien nun ermächtigt, bei Privaten die nötigen Mittel zu requirieren, um den Kampf gegen das Virus zu gewinnen.

Der Leiter des Krisenstabs spricht von 108 Personen, die bereits getestet wurden von den mobilen Test-Teams. Das führe zu einer Entlastung des Gesundheitssystem. In Lausen und in Münchenstein werden je ein Zentrum eingerichtet, wo Corona-Test durchgeführt werden können.

Übertragungskette ist nicht mehr bekannt

«Die Corona-Krise stellt unsere Gesellschaft auf eine harte Probe», sagt Regierungspräsident Isaac Reber. «Nur wenn alle besonnen handeln und Verzicht üben, können wir besonders gefährdete Mitmenschen schützen.» Weber ruft zur Solidarität auf, insbesondere von den Starken und Gesunden. «Zu Beginn konnten wir die Übertragungskette noch nachvollziehen». Seit einer Woche sei dies nicht mehr möglich, da eine Person im Schnitt drei weitere ansteckt. Die verschärften Massnahmen gelten ab Montagmorgen bis zum 30. April.

«Für die Wirtschaft ist die aktuelle Lage eine Krisensituation», sagt Finanzdirektor Anton Lauber. Er rechnet nun mit einem weiteren Anstieg der Kurzarbeitsanträgen mit den neuen, verschärften Massnahmen im Kanton.

Basel-Landschaft ist der erste deutschschweizer Kanton, der Beizen, Kinos und Läden schliesst. Bisher gelten nur der Kanton Tessin verschärfte Massnahmen.

Solothurn schliesst Kinderbetreuungsstätten

Der Kanton Solothurn schliesst im Kampf gegen das Coronavirus Kindertagesstätten und Horte. Die Betreuungsinstitutionen dürfen nur noch ein Notprogramm aufrechterhalten. Der Betrieb von Spielgruppen muss ganz eingestellt werden, wie die Kantonsregierung am Sonntag mitteilte.

Eltern seien wegen den Schulschliessungen besonders gefordert, hiess es im Communiqué. Dennoch müssten die Tagesstätten, Horte und Spielgruppen ab kommenden Dienstag schliessen. Die Schliessung dauere vorerst bis zum 19. April, dem Ende der Frühlingsferien.

Für Erziehungsberechtigte in Gesundheitsberufen oder mit zwingenden Arbeitsverpflichtungen sollen die Institutionen aber ein Angebot aufrechterhalten, wenn es den Eltern nicht gelingt, Alternativen zu finden. Betreuungsangebote soll es auch Kinder, die einzig von den Grosseltern gehütet werden können.

Nicht betroffen von der Massnahme sind Tageseltern. Diese sollen aber eine Obergrenze von fünf insgesamt fünf fremden und eigenen betreuten Kindern einhalten. Zudem haben sie erhöhte Vorsorgemassnahmen einzuhalten.

Weiterer Todesfall wegen Coronavirus im Tessin

Im Tessin ist eine weitere Person an den Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Wie der Führungsstab am Sonntag mitteilte, handelt es sich um eine ältere Person. Damit steigt die Opferbilanz im Tessin auf sechs und in der Schweiz auf 14.

Swiss hofft auf Staatshilfe

Swiss-Chef Thomas Klühr hofft wegen der drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fluggesellschaften auf Staatshilfe. Das sagte er gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Ich zähle darauf, dass der Bundesrat weiss, was die Schweiz an ihrer Airline hat.» Kaum eine Fluggesellschaft werde die Corona-Krise ohne staatliche Hilfe überleben, sagte Klühr.

Wenn sich die Situation weiter verschärfe, werde die Swiss alle Flugzeuge am Boden lassen müssen und sei dann auf Staatshilfe angewiesen. Klühr ist dennoch zuversichtlich, dass die Swiss die Corona-Krise überlebt: «Ich bin sicher, dass wir länger aushalten können als andere Airlines.» Es hänge aber auch davon ab, ob die Schweiz die Swiss unterstützen werde. In welcher Höhe die Staatshilfe ausfallen müsste, konnte Klühr noch nicht sagen. Die Gespräche mit dem Bundesrat finden nächste Woche statt.

Bild: Keystone

Entlassungen gibt es bei der Swiss vorerst keine. «Unser oberstes Ziel ist es, dass wir alle an Bord halten», sagte Klühr. Die Swiss hat Kurzarbeit für das fliegende Personal beantragt. Auch für alle anderen Mitarbeitenden wird laut Klühr Kurzarbeit geprüft. Die Geschäftsleitung und das obere Kader würden ebenfalls mit anteiligem Gehaltsverzicht ihren Beitrag leisten.

Tessin schliesst alle Restaurants, Bars und Läden

Der Tessiner Staatsrat verfügt weitere Massnahmen gegen das Coronavirus: Restaurants, Bars und Geschäfte müssen ab Samstagmitternacht schliessen.

Demnach müssen alle öffentlichen Lokale - Restaurants, Pubs, Hotels, Tankstellensnacks - geschlossen werden. Alle Geschäfte müssen schliessen - auch Coiffeur- und Schönheitssalons. Die Verwaltung wird ab Montag auf ein Minimum heruntergefahren. Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen dürfen geöffnet bleiben. Auch Post- und Bankschalter werden nicht geschlossen. Mensen in Altersheimen können ebenfalls weiterhin Mahlzeiten austeilen.

Mit diesen Massnahmen gleicht sich die Situation im Tessin immer weiter derjenigen von Italien an. Auf ein allgemeines Ausgehverbot wurde bisher verzichtet.

Das Massnahmenpaket wurde vom Staatsrat in corpore unter Leitung von Regierungspräsident Christian Vitta am Samstagabend in Bellinzona präsentiert. Es ergänzt Massnahmen, die bereits während dieser Woche getroffen wurden.

Keine Kirchenmessen mehr – keine Bautätigkeit

Generell gilt die Devise, dass alle Geschäftsaktivitäten auf ein Minimum beschränkt werden sollen. Messen in den Kirchen sind untersagt, aber die Kirchen können geöffnet bleiben, wenn sie sich an die hygienischen Vorschriften halten.

Das Desinfektionsmittel darf nicht fehlen: Szene am Zollübergang in Chiasso. (Keystone/14. März 2020)

Am Samstagvormittag gab es auch ein Treffen mit den Tessiner Wirtschaftsverbänden. Die Bautätigkeit soll ab Montag eingestellt werden. «Einen allgemeinen Produktionsstopp ziehen wir aber nicht in Erwägung», so Vitta vor den Medien. Er präsentierte auch eine Reihe von wirtschaftlichen Massnahmen, um den vielen Betrieben, die zusehends in Schwierigkeiten geraten, unter die Arme zu greifen. Mehr als 800 Betriebe im Tessin haben schon Kurzarbeit beantragt.

Kantonsarzt Giorgio Merlani präsentierte die neuesten Entwicklungen aus sanitärer Sicht: Insgesamt gab es im Tessin bisher 265 Fälle, 64 Erkrankte mussten ins Spital eingewiesen werden. 13 befinden sich auf der Intensivstation, fünf sind verstorben. Zur Anzahl der definitiv Genesenen konnte er mit Verweis auf die kurzen Fristen keine konkreten Angaben machen.

Alle Patienten im Kantonsspital Locarno

Das Kantonsspital La Carità in Locarno wurde mittlerweile zum Referenzspital für Covid-19-Patienten. Dorthin werden nun alle Patienten gebracht. So soll garantiert werden, dass die anderen Spitäler normal weiter arbeiten können. Sanitäter aus der Rekrutenschule in Airolo kommen den Spitälern zu Hilfe.

Der Staatsrat appellierte erneut an die Vernunft und Disziplin der Bevölkerung, die getroffenen Massnahmen einzuhalten. Erwogen wird nun auch eine Verschiebung der Gemeindewahlen vom 4. April. Ein Entscheid ist allerdings noch nicht gefällt. «Es ist schwierig, weil die Wahlunterlagen schon versandt wurden», sagte Justizdirektor Norman Gobbi.

Bereits am Samstag war das öffentliche Leben im Tessin stark eingeschränkt. Insbesondere im Mendrisiotto, in Grenznähe zu Italien, waren die Strassen weitgehend menschenleer.

Armee setzt Rekrutierung in der ganzen Schweiz aus

Die Schweizer Armee sistiert angesichts der Ausbreitung des Coronavirus bis auf Weiteres die Rekrutierung. Allein Anfang nächster Woche hätten rund 500 Jugendliche zur Rekrutierung antreten müssen.

Sie müssen nun nicht einrücken und werden einen neuen Marschbefehl erhalten, wie die Armee am Samstag mitteilte. Das Gleiche gilt für die anderen aufgebotenen stellungspflichtigen Jugendlichen, die im Verlauf der nächsten Wochen zur Rekrutierung aufgeboten sind, wie Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage sagte.

Derzeit gibt es kein Einrücken für Stellungspflichtige.
Derzeit gibt es kein Einrücken für Stellungspflichtige.
Foto: Keystone

Der diesbezügliche Marschbefehl müsse nicht befolgt werden. Sobald es die Lage zulasse, würden die Stellungspflichtigen wieder mit einem neuen Marschbefehl aufgeboten.

Die Massnahme erfolge zum Schutz der Stellungspflichtigen und des Personals der sechs Rekrutierungszentren. Gleichzeitig erlaube sie es, das medizinische Fachpersonal der Rekrutierung zu Gunsten der Armee und des zivilen Gesundheitswesens einzusetzen.

Auch Appenzell Innerrhoden betroffen

Nun hat auch der Kanton Appenzell Innerrhoden seine ersten Coronavirus-Fälle. Betroffen sind ein 59-jähriger Mann und eine 57-jährige Frau, wie das Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons am Samstag mitteilte. Die engen Kontaktpersonen würden identifiziert.

Die beiden Infizierten zeigten grippale Symptome. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Eine Hospitalisation sei nicht notwendig. Die beiden Personen müssten zehn Tage zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden. Nach dem Abklingen der Symptome müssten sie weitere 48 Stunden zu Hause bleiben: Sie hätten Verhaltensinstruktoren erhalten. Das gleiche gelte für die engen Kontaktpersonen, die identifiziert würden.

Die Zunahme von erkrankten Personen müsse möglichst verlangsamt werden, um eine Überlastung im Gesundheitssystem zu verhindern, hält das Gesundheitsdepartement weiter fest. Zentral bleibe weiterhin, die Risikogruppe zu schützen: Die Bevölkerung wird mit Nachdruck auf die wichtigen Hygiene- und Verhaltensregeln zum Schutz vor dem Coronavirus hingewiesen.

Blick in den farbenreichen und historischen Kantonshauptort Appenzell. (Keystone/Archiv)

Luzern schliesst Polizeiposten

Die Luzerner Polizei schliesst zum Schutz ihrer Beamten vor dem Coronavirus ab Montag eine Reihe von kleineren Polizeiposten. Damit sollen der direkte Kontakt mit Kunden und die Infektionsgefahr reduziert werden. Luzern ist das erste Korps im Land, das eine solche Massnahme ankündigte.

Insgesamt gehen 23 Posten vorübergehend zu, wie die Luzerner Polizei am Samstag mitteilte. Betroffen sind etwa der Posten im Bahnhof Luzern sowie mehrere Posten in der Agglomeration und auf dem Land. Dagegen bleiben neun weitere Hauptposten geöffnet. Für kleinere Anzeigen steht der Bevölkerung der Online-Polizeiposten rund um die Uhr zur Verfügung.

Zwei weitere Todesopfer

Im Tessin sind seit Freitagmittag zwei weitere Menschen aufgrund einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Wie der Führungsstab am Samstag mitteilte, handelt es sich um ältere Patienten aus der Risikogruppe. Damit sind landesweit 13 Tote zu beklagen.

Bei beiden Toten im Tessin handelte es sich um ältere Menschen aus der Risikogruppe. Zudem litten sie an Vorerkrankungen. Mit ihnen steigt die Opferbilanz allein im Tessin auf fünf. Der Südkanton ist damit der Kanton mit den bisher meisten Opfern.

Wie der Führungsstab weiter mitteilte, kamen seit Freitag 54 neue bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus hinzu, so dass das Total auf 265 Infektionen steigt.

(SDA)