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Nachfolge von Albert RöstiUmgänglich, inhaltlich aber voll auf harter SVP-Linie

Ständerat Marco Chiesa soll SVP-Präsident werden. Das schlägt die Findungskommission der Partei vor. Diese bekäme damit erstmals einen Präsidenten aus der lateinischen Schweiz.

Bald an der Spitze der SVP: Marco Chiesa an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz in Klosters (März 2018).
Bald an der Spitze der SVP: Marco Chiesa an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz in Klosters (März 2018).
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Ein einziges Mal schaffte es Marco Chiesa bisher in die Deutschschweizer Schlagzeilen: Im Herbst letzten Jahres gelang es ihm überraschend, den langjährigen Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi, ein Schwergewicht der nationalen Politik, aus dem Amt zu verdrängen. Ansonsten ist der 45-jährige SVP-Politiker aus Lugano ausserhalb seines Kantons bisher kaum in Erscheinung getreten.

Das dürfte sich nun ändern: Chiesa soll neuer Präsident der SVP Schweiz werden, wie am Donnerstagabend bekannt wurde. Die parteiinterne Findungskommission schlägt Chiesa als einzigen Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Albert Rösti vor. Ein «Glücksfall» und «Wunschkandidat» sei er, sagt Alt-Nationalrat Caspar Baader, der die Findungskommission leitet. Man habe ihn schon im Februar angefragt, damals aber noch eine Absage erhalten. Grund ist laut Baader, dass Chiesa zu diesem Zeitpunkt ein Altersheim leitete. Nun werde er sich als Ökonom selbstständig machen und damit über genügend Freiraum für das SVP-Präsidium verfügen.

Im Tessin zu wachsen, ist ein Ziel

Chiesas Erfolg bei der Ständeratswahl ist zweifellos einer der Faktoren, die ihn in den Augen der SVP-Oberen für höhere Aufgaben qualifizieren. Laut Baader hat Chiesa im Tessin, einem «für uns schwierigen Kanton», ganz generell gute Aufbauarbeit geleistet. Sein Profil ist dem des bisherigen Präsidenten Rösti ansonsten nicht unähnlich: Wie dieser gilt Chiesa als konziliant im Umgang, inhaltlich aber voll auf harter SVP-Linie.

Trotzdem geht die SVP mit ihm ein Experiment ein. Sie erhielte ihren ersten Präsidenten, der nicht aus der Deutschschweiz stammt. Gemäss Baader gehört auch dies zu den Vorzügen Chiesas. Das Wachstum in der lateinischen Schweiz ist seit Jahren eines der erklärten Ziele der Partei.

Verlierer Heer und Glarner

Mit der Nominierung Chiesas schwinden die Chancen der Nationalräte Andreas Glarner (AG) und Alfred Heer (ZH), der bislang einzigen Kandidaten für das Präsidium. Dass die Findungskommission Chiesa den Vorzug gibt, erklärt Baader primär mit dem Alter der Bewerber: Man sei überzeugt, dass es jetzt jemand Jüngeres an der Parteispitze brauche. Glarner wird in diesem Jahr 58, Heer 59 Jahre alt. Ob die beiden ihre Kandidatur aufrechterhalten, ist nicht bekannt. Sie reagierten am Donnerstagabend nicht auf Anfragen.

Unklar ist auch, ob Chiesa für das Präsidium eine höhere Entschädigung als sein Vorgänger erhalten wird oder ob er dies zumindest fordert. Chiesa selber war für Auskünfte nicht erreichbar, und Baader sagt bloss, die Entschädigung müsse mit dem Parteileitungsausschuss verhandelt werden. Am Ausschuss wird es nun liegen, der Delegiertenversammlung am 22. August in Brugg AG einen formellen Wahlvorschlag zu unterbreiten.

31 Kommentare
    Berta von Allmen

    Die SVP hat aussenpolitisch keine gangbaren Konzepte und das ist neben der verpassten Wachablösung (zeitgemässer Generationenwechsel) ihr grosses Problem Die Mauerpolitik führt ins Abseits in den relevanten politischen Bereichen und ist nicht nur wirtschaftlich Imageschädigend.