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Kolumne Christian SeilerUnser täglich Brösel gib uns heute

Hartes Brot ist nicht hart, kein Brot ist hart. Das stimmt. Aber keine Brösel an Brokkoli ist auch hart.

Das Zeugs ist nicht gesund, wie so vieles, aber leider gut.
Das Zeugs ist nicht gesund, wie so vieles, aber leider gut.
Foto: Jonas Marguet

Manchmal bin ich ein bisschen hilflos (und damit meine ich nicht nur die Momente meines Lebens, in denen ich mit einem Schraubenzieher in der Hand etwas zum Besseren verändern soll). Ich bin hilflos, wenn in meiner Küche ein Stück Brot auftaucht, das eindeutig nicht in Bestform ist und eigentlich, wenn ich meinem Impuls folgte, im Abfall landen würde.

Nun hat die abendländische – oder sollte ich sagen: die christliche – Kultur in mir so tiefe Spuren hinterlassen, dass sich die Bedeutung von Brot nicht darin erschöpft, eine geeignete Unterlage für Hartkäse oder Himbeerkonfitüre zu sein. Brot, sogar die harte, übriggebliebene Kante, die ich gerade in der Hand halte, ist ein Symbol dafür, dass wir haben, was wir brauchen; dass wir auf wundersame Weise ernährt werden, wofür unsere Vorfahren verschiedenen Göttinnen dankbar waren, die Griechen der Demeter, die Römer der Ceres. Dass auch dieser kümmerliche Rest Brot auf irgendeine Weise einen höheren Wert repräsentiert (um nicht gleich den Leib Christi ins Spiel zu bringen).

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