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Krisenmodus wegen CoronaUnternehmen streichen Dividenden

Firmen aus besonders betroffenen Branchen wollen das Geld lieber als Reserve behalten, statt es an die Aktionäre auszuschütten. Wer Finanzhilfen des Bundes in Anspruch nimmt, darf ohnehin nicht auszahlen.

Der Flughafen Zürich ist fast menschenleer.
Keystone/Alexandra Wey

Wegen der unabsehbaren Folgen der Corona-Krise streichen Unternehmen reihenweise ihre Dividenden. Der US-Autobauer Ford, H&M, Boeing und die Swiss-Mutter Lufthansa sind nur einige Beispiele internationaler Grosskonzerne, die angesichts der Krise ihr Geld zusammenhalten. Auch Schweizer Unternehmen könnten diesem Vorbild folgen – vor allem in den besonders betroffenen tourismusabhängigen Branchen oder dem Maschinenbau, sagt ZKB-Chefanalyst Sven Bucher.

Zur Disposition stehen dabei auch die Ausschüttungen für das vergangene Jahr, das noch nicht unter dem Einfluss des Virus stand: Denn solange die Generalversammlung die Dividende noch nicht genehmigt hat, kann diese an die neue Situation angepasst werden, sagt Aktienrechtsexperte Peter Forstmoser.

Erste Schweizer Firmen haben bereits reagiert. Der Flughafen Zürich hat seine Generalversammlung auf Ende Juni verschoben. Bis dahin will das Unternehmen die Auswirkungen der Krise auf die Finanzlage beobachten und bei Bedarf auch die Ausschüttung einer Dividende überdenken, erklärt eine Sprecherin. Auch Swatch will sich nicht festlegen, ob die Aktionäre nun tatsächlich mit der angekündigten Ausschüttung rechnen können. Es sei aktuell noch viel zu früh, um etwas darüber sagen zu können, erklärt das Unternehmen.

Keine Auszahlung bei Finanzhilfen des Bundes

Zahlreiche andere Schweizer Firmen werden um die Streichung ihrer Dividenden nicht herumkommen – nämlich dann, wenn sie die Corona-Notkredite des Bundes in Anspruch nehmen. Voraussetzung dafür ist, dass sie auf Dividendenzahlungen verzichten, sagt der Präsident der Finanzdelegation der eidgenössischen Räte, Peter Hegglin. «Es ist eine Bedingung der Kredite, dass das Geld ausschliesslich zur Sicherung der laufenden Liquiditätsbedürfnisse verwendet wird. Nicht zulässig sind Neuinvestitionen in Anlagevermögen, die nicht Ersatzinvestitionen sind, die Ausschüttung von Dividenden und die Zurückzahlung von Kapitaleinlagen.» Das müsse der Kreditnehmer mit einer Unterschrift bestätigen. Wer sich nicht daran halte, riskiere eine Strafe, warnt Hegglin. Der Bund will den von der Corona-Krise gebeutelten Firmen mit Notkrediten über insgesamt 30,7 Milliarden Franken unter die Arme greifen. Die Finanzdelegation hat dazu grünes Licht gegeben.

«Es gilt der Grundsatz: Es ist niemandem verboten, klüger zu werden.»

Peter Forstmoser, Aktienrechtsexperte

Viele andere Unternehmen halten weiterhin an ihren Ausschüttungsplänen fest. Doch auch sie könnten sich rein rechtlich gesehen noch umentscheiden, sagt Experte Forstmoser von der Kanzlei Niederer Kraft Frey. «Weil es jetzt eine neue Situation gibt, kann der Verwaltungsrat darauf zurückkommen – auch wenn die Einladung zur Generalversammlung schon verschickt ist. Es gilt der Grundsatz: Es ist niemandem verboten, klüger zu werden.» Unternehmen seien gut beraten, ihre Aktionäre bei einer Anpassung der Dividende so rasch wie möglich zu informieren – etwa über die Homepage oder eine Bekanntmachung im Handelsamtsblatt.

Banken kaufen erst mal keine Aktien zurück

Im Fokus stehen vielerorts die Banken, weil sie besonders wichtig sind, um die Unternehmen mit Krediten zu versorgen. Immer mehr Behörden und Politiker in Europa drängen die Finanzhäuser zum Verzicht auf eine Gewinnausschüttung – so etwa die schwedische Finanzaufsicht. Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma) sieht die Institute für die Krise gut gerüstet. Dennoch appelliert sie an diese, bei ihren Ausschüttungen umsichtig vorzugehen, «insbesondere wenn es um Aktienrückkaufprogramme geht.» UBS und Credit Suisse haben darauf reagiert und beide seit Mitte März erst mal keine weiteren Aktien zurückgekauft, wie aus den Unterlagen der Banken hervorgeht.

Die Credit Suisse hatte angekündigt, im laufenden Jahr Aktien im Volumen von mindestens einer Milliarde Franken zurückzukaufen – knapp 325 Millionen Franken hat die Bank bislang ausgegeben. Bei der UBS hat das Rückkaufprogramm für das erste Halbjahr ein Volumen von bis zu 450 Millionen Franken – 350 Millionen Franken davon sind bereits geflossen. Zu den angekündigten Dividenden stehen die Banken bislang – anders als die spanische Grossbank Santander, die ihre geplante Zwischendividende ausfallen lässt.

Auch der Aktienrückkauf des Industriekonzerns ABB ist nicht in Gefahr. Der Konzern will 7,6 bis 7,8 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre ausschütten. Das ist der Erlös aus dem geplanten Verkauf des Stromnetzgeschäfts an den japanischen Konzern Hitachi, den ABB bis zur Jahresmitte abschliessen will.