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Leserreaktionen«Verstehe nicht, warum Grossanlässe überhaupt erlaubt wurden»

Die Freude währte nicht lange: Im Kanton Bern sind Anlässe mit mehr als 1000 Besucherinnen und Besuchern wieder verboten. Das sagen Leserinnen und Leser dazu.

Beim Heimspiel des BSC Young Boys gegen den FC Vaduz am 4. Oktober waren noch mehr als
1000 Fans auf der Tribüne erlaubt.
Beim Heimspiel des BSC Young Boys gegen den FC Vaduz am 4. Oktober waren noch mehr als
1000 Fans auf der Tribüne erlaubt.
Foto Christian Pfander

Geht es nach dem Bund, bleiben Grossveranstaltungen trotz steigender Corona-Fallzahlen erlaubt nicht so im Kanton Bern: Hier dürfen Anlässe nicht mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher zählen. Der schweizweit einmalige Entscheid löst bei den Leserinnen und Lesern unterschiedliche Gefühle aus.

«Undifferenzierter geht es nicht»

In einem Konzertsaal mit maximal 1000 Sitzplätzen finden sich 1000 Personen mit Gesichtsmasken ein. In einer Eishockeyhalle mit einer Kapazität von 10’000 Sitzplätzen sind es ebenso 1000 Personen, wie auch im Fussballstadion im Freien mit einer Kapazität von über 30’000 Plätzen. In allen drei Fällen werden die sorgfältig geplanten und vom Kanton genehmigten Schutzkonzepte angewandt. Gibt es wirklich jemanden, der davon überzeugt ist, dass die Ansteckungsgefahr in allen drei Fällen gleich gross ist? Undifferenzierter geht es definitiv nicht mehr. Leserbrief von Sabina Geissbühler-Strupler, Herrenschwanden

Das Problem sind nicht die Sportvereine, sind nicht die Geschäfte, sind nicht die Bibliotheken, sind nicht die Schulen – die Virenschleudern sind die Bars und Party-Pools. Doch ausgerechnet diese werden (noch) verschont – sie können bis 22 respektive 23 Uhr offenhalten. Das lässt stark den Verdacht aufkommen, dass auch in einer Pandemie das Geld und weniger die Gesundheit der Menschen im Vordergrund steht.Onlinekommentar von Thomas Meier.

Es gab bis am heutigen Tag keine einzige Ansteckung bei einem Fussballspiel, und es wird schon seit Juni wieder gespielt in den Schweizer Stadien. Bei Jodel oder Kirchenanlässen gab es verschiedene Cluster, da muss man vorsichtig sein, und Einschränkungen sind zu begreifen. Der Bundesrat hat klar kommuniziert, dass es beim Fussball und Eishockey kein Risiko gibt, die Kantone sollten keine weltfremden Massnahmen treffen.
Onlinekommentar von Erich Schweizer

Kurz nach der Veröffentlichung der neuen Corona-Massnahmen des Bundesrates, in der übrigens unterstrichen wurde, dass dank der Schutzkonzepte bei Sportveranstaltungen keine Ansteckungen festgestellt werden mussten, prescht der Regierungsrat des Kantons mit dem Verbot von Sportveranstaltungen usw. mit über 1000 Zuschauern vor. Dies, nachdem die Sportclubs sehr viel Geld und Zeit in Schutzkonzepte investiert haben, die von der Gesundheitsdirektion abgesegnet werden mussten. Diese Gesundheitsdirektion unter der Leitung des Quoten-Regierungsrates aus dem Berner Jura ist anscheinend nun total überfordert mit dem Contact Tracing. Für dessen Auf- und Ausbau hätte man genügend Zeit gehabt, warnten doch die Spezialisten schon seit Ende des Lockdown vor einer zweiten Welle. Diese Panikaktion des Kantons Bern ist eine klassische Handlung wider Treu und Glauben gegenüber den grossen Berner Sportvereinen und anderen Veranstaltern. Leserbrief von Michael Wittwer, Thun


«Kantönligeist sei Dank»

Was ich mitschneide – rein formal … die Kantone generieren einen Flickenteppich an Regeln, schaffen es nicht, dies selber zu bereinigen, und flehen den Bund an, hier für Ordnung zu sorgen. Der Bund macht dies mit einheitlichen Regeln, und knapp 24 Stunden danach sind die Kantone wieder voll daran, den Flickenteppich von neuem herzustellen, siehe Kanton Bern, siehe Kanton Aargau … und die Spirale dreht sich wieder von neuem. Onlinekommentar von Fritz Blaser

Über 1000 Besucher bei Sportanlässen sind im Kanton Bern nicht mehr erlaubt – Kantönligeist sei Dank. Trotz hohen Investitionen für Schutzkonzepte trifft dies Sportvereine wie SCB, YB, SCL usw. hart. Dass Herr Jakob, Präsident der SCL Tigers, in einem Interview verlauten lässt, dass sich dies für den SCL verherrend auswirken werde, kann ich nachvollziehen. Was mir jedoch zu denken gibt: dass am gleichen Tag der SCL verlauten lässt, dass Torhüter Ivars Punnenovs mit einem Vertrag ausgestattet wird. Für mich geht die Rechnung nicht auf. Oder hat der SCL plötzlich auch Mäzene wie der ZSC, die dieses Salär übernehmen?
Leserbrief von Walter Brawand, Wattenwil

«Danke für den Mut»

Vielen Dank an Pierre Alain Schnegg für seinen Mut. Für die Clubs ist der Entscheid brutal, und verschuldet haben sie den Entscheid ganz sicher nicht. Würden sich alle an die Hygiene- und Distanzregeln halten, wäre der Entscheid auch nicht notwendig gewesen. Dennoch ist es die Aufgabe von Herrn Schnegg, auf die steigenden Fallzahlen zu reagieren. Onlinekommentar von Thomas Montana

Ich lese da von Panikmacherei. Es ist leider vielen Mitbürgern nicht bewusst, was die zweite Welle der Pandemie für Auswirkung hat oder noch haben kann. Wenn 6000 bis 10’000 Besucher einen Hockey- oder Fussballmatch besuchen, ist nicht nur die Zeit auf dem zugewiesenen Platz massgebend, sondern die Anreise ins Stadion, der Zulauf, der Eintritt usw. Auch der Alkoholkonsum wird eine Verminderung der Social Distance etc. sehr fördern. Es trifft nicht nur die Sportfans. Aber es sind diejenigen, die am meisten reklamieren. Es gibt ja auch bereits schon Clubs, die Mitglieder/Spieler in Quarantäne setzen müssen. Es ist leider nun eine Tatsache, dass Vorsicht und Social Distance unser Zusammenleben prägen. Wenn wir uns nicht jetzt für angemessene Vorsichtsmassnahmen einsetzen, ist es später zu spät.
Onlinekommentar von Adrian Michel

Was sind schon ein paar überbezahlte Sportler, die einem Ball oder Puck nachrennen, gegenüber der Gesundheit der Bevölkerung? Darüber lohnt es sich nachzudenken. Die Massnahmen des Kantons sind richtig. Wer dies nicht wahrhaben will, argumentiert aus Eigeninteressen und ist deshalb nicht ernst zu nehmen, kritisierende Politiker gehören bei den nächsten Wahlen nicht auf den Wahlzettel. Leserbrief von Christian Wyss, Laupen


Bravo, Kanton Bern! Dass Grossevents bewusst ausgeklammert wurden, ist ein Armutszeugnis des Bundesrats.
Onlinekommentar von Charles Neuer

Bis heute verstehe ich eh nicht, wieso Grossanlässe je erlaubt wurden. Mit den Auflagen und Schutzkonzepten in ein Stadion zu gehen – das ist doch nicht «dasselbe». Noch weniger verstehe ich, wieso sich Firmen, Private etc. an Schutzbestimmungen halten sollen, und die Grossanlässe (mit Schutzkonzept) dürfen ohne weitere Einschränkung wie gehabt weitermachen. Es geht hier nicht um das Schutzkonzept, sondern um die Akzeptanz. Ohne ein (weiteres) Opfer auch seitens der Grossanlässe dürfte dies nicht oder nur schwer akzeptiert werden.
Onlinekommentar von Matthias Gysin

1 Kommentar
    Bichsel Uli

    Ich wurde vor einem Monat auch positiv getestet. Ich habe volles Verständnis, was der Bundesrat entschieden hat. Was hingegen der Berner Regierungsrat gemacht hat, ist unprofessionell und nicht nachvollziehbar.

    Die Grossklubs haben 100.000.--ende von Franken für die Konzepte ausgegeben.... für einen Match! Bis heute wurde kein einziger Test wegen den Spielen positiv getestet. Auf der anderen Seite hat der Regierungsrat die Test, resp. Appskontrolle total verschlafen. Alle Virologen haben auf die zweite Welle schon lange aufmerksam gemacht. Die Kantone, insbesondere auch der Kanton Bern hätte Zeit gehabt Leute anzustellen. Wegen dieser Unterlassung stecken sich nun viel mehr Menschen an, als an den Fussball- und Eishockeymatchs.

    Wir sind der Politik ausgeliefert. Ihr könnt bei der nächsten Wahl die Konsequenzen ziehen.