Fall Boppelsen: Mordprozess geht in die Verlängerung

Ein Gutachter soll sich zur Frage der Verwahrung äussern. Auch im vierten Verhandlungstag konnte der Mordprozess in Bülach nicht abgeschlossen werden.

Zwei der drei Angeklagten (links und 2.v.r).<br><i>(Illustration: Robert Honegger)</i>

Zwei der drei Angeklagten (links und 2.v.r).
(Illustration: Robert Honegger)

Thomas Hasler@thas_on_air

Es geht um viel, sehr viel, am Mordprozess vor dem Bülacher Bezirksgericht. Wenn es nach dem Willen von Staatsanwältin Corinne Kauf geht, sollen ein 29-jähriges Ehepaar aus dem Kanton Bern und ein 36-jähriger Garagist aus dem Kanton Solothurn lebenslänglich ins Gefängnis, der 29-jährige Haupttäter anschliessend sogar verwahrt werden.

Dem Trio wird vorgeworfen, im Juni 2016 einen 36-jährigen Transportunternehmer aus dem Kanton Zürich auf einer vermeintlichen Probefahrt gefesselt, entführt und ermordet zu haben. Tatmotiv: Die drei wollten in den Besitz seines Lastwagens kommen. Dem Opfer wurden die Atemwege mit Klebeband verschlossen, sodass es qualvoll erstickte.

Das gleiche Schicksal hatte gut fünf Wochen zuvor ein 25-jähriger Serbe erlitten. Er hatte vom Haupttäter, dem 29-jährigen Chauffeur, 40'000 Franken erhalten, um damit angeblich Drogen zu beschaffen. Er lieferte aber weder Drogen, noch gab er das Geld zurück. Zusätzlich soll das Trio für eine Reihe von weiteren Delikten, vor allem im Vermögensbereich, verantwortlich sein.

Gutachten fehlt

Ganz zum Schluss des vierten Verhandlungstages, der am Montag eigentlich den Abschuss des Verfahrens hätte bringen sollen, kam es noch zu einer Überraschung. Gerichtspräsident Rainer Hohler kündigte an, das Gericht werde den Psychiater, der bereits ein Fachgutachten erstellt hat, zu einer mündlichen Expertise einladen. Thema: Wären beim Haupttäter im Fall einer Verurteilung die Voraussetzungen für die Anordnung einer Verwahrung erfüllt?

Dass es dafür ausserplanmässig einen weiteren Verhandlungstag braucht, ist einem Versäumnis geschuldet: Eine Verwahrung nach Artikel 64 des Strafgesetzbuches verlangt zwingend, dass ein Gutachter festgestellt hat, ob die Voraussetzung dafür gegeben sind. Im vorliegenden Fall war dem Gutachter diese Frage gar nicht gestellt worden, er hatte sie also auch nicht beantworten müssen. Trotzdem wurde die Verwahrung des 29-Jährigen dem Gericht beantragt.

Milde Strafen beantragt

Nachdem bereits vor einer Woche Werner Meyer als Verteidiger des Haupttäters eine Freiheitsstrafe von höchstens zwölf Jahren sowie den Verzicht auf eine Verwahrung beantragt hatte, plädierten am Montag die Verteidiger der 29-jährigen Ehefrau des Haupttäters sowie des 36-jährigen Garagisten. Sie forderten eine Freiheitsstrafe von 60 Monaten für die Frau und von 45 Monaten für den Mann. Weil der Mann bereits seit knapp 40 Monaten inhaftiert ist, soll er umgehend aus der Sicherheitshaft entlassen werden.

Sowohl Ivo Harb als Verteidiger des Garagisten als auch Titus Bosshard als Verteidiger der Ehefrau stellten ihre Mandanten letztlich als blosse Gehilfen des «Alphatiers», des 29-jährigen Haupttäters, dar. Von dessen Plänen oder Absichten, die beiden Opfer zu töten, hätten sie nichts gewusst. Wegen der Tötungsdelikte könnten sie nicht bestraft werden.

Bei weiteren Delikte seien sie in der Regel nicht Mittäter, sondern höchstens Gehilfen gewesen. «Er, der Haupttäter, bestimmte, und die anderen hatten zu schweigen und zu machen», sagte Harb. Die Ehefrau, so Bosshard, sei «ins Verbrechen geschlittert». Wenn überhaupt, habe die Frau erst im allerletzten Moment erfahren, was ihr Mann tue.

Das Schlusswort der Beschuldigten, dem nach der Anhörung des Gutachters möglicherweise noch ein weiteres folgen könnte, nutzten die Beschuldigten unterschiedlich. Thomas K., der Haupttäter, sagte, bei seinem Schritt in die Kriminalität hätte er «nie gedacht, dass es dieses Ausmass annimmt». Die beiden Männer «hätten nicht sterben dürfen», man könne das aber jetzt nicht mehr rückgängig machen. «Ich kann nicht mehr dazu sagen.»

Seine Ehefrau entschuldigte sich «für die Umstände, dass es so weit gekommen ist», dass sie die Augen verschlossen habe, nichts gesagt habe, weil sie es nicht wahrhaben wollte. «Das war nicht meine Absicht.»

Der Garagist sagte, es tue ihm leid, was passiert sei. Er entschuldigte sich ausdrücklich bei den Angehörigen der Opfer. Dass er nicht mehr straffällig werden wird, kleidete er in die Worte, er sehe heute zum zweitletzten Mal einen Richter. Als letzten Richter sehe er noch den Scheidungsrichter. «Das war die Lehre meines Lebens.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt