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25 Jahre ESPVom Elchretter zum Alleskönner

Der Schleuderschutz ESP feiert seinen 25. Geburtstag. Obwohl er erst seit wenigen Jahren zur Pflichtausstattung von Neuwagen zählt, hat er allein in Europa bereits Tausende Menschenleben gerettet.

Sicher in der Spur dank ESP: Nach dem Update bestand die A-Klasse von Mercedes-Benz 1995 den sogenannten Elchtest.
Sicher in der Spur dank ESP: Nach dem Update bestand die A-Klasse von Mercedes-Benz 1995 den sogenannten Elchtest.
Foto: Daimler

25 Jahre nachdem das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) zum ersten Mal in einem Auto serienmässig eingebaut wurde, ist der Schleuderschutz zum drittwichtigsten Sicherheitssystem aufgestiegen, nach Sicherheitsgurt und Airbag. Etwa 15’000 Menschenleben hat das ESP nach Berechnungen des Zulieferers Bosch seit 1995 in Europa gerettet.

Das Elektronische Stabilitätsprogramm verhindert durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder, dass ein Auto etwa bei einem plötzlichen Lenkmanöver oder einer zu schnell angefahrenen Kurve ins Schleudern gerät. Es erkennt beginnende Schleuderbewegungen, indem es anhand von Sensorsignalen die vom Fahrer gewünschte mit der tatsächlichen Fahrzeugbewegung vergleicht. Bis zu 80 Prozent aller Schleuderunfälle im Strassenverkehr könnten verhindert werden, wenn alle Fahrzeuge das Elektronische Stabilitätsprogramm an Bord hätten, sagt Automobilzulieferer Bosch, der die Technologie ursprünglich gemeinsam mit dem Autohersteller Daimler entwickelt hat.

Der Elchtest als Wegbereiter

Premiere feierte das ESP 1995 in der Mercedes S-Klasse, dem Flaggschiff und Technologieträger der Marke mit dem Stern. Grosse Bekanntheit erlangte das Assistenzsystem zwei Jahre später, obwohl es zunächst gar nicht in Erscheinung trat: Bei einem provozierten Ausweichmanöver, dem sogenannten Elchtest, kippte die damals neue Mercedes A-Klasse um. Als Konsequenz stattete Mercedes alle A-Klasse-Fahrzeuge mit ESP aus. Auch andere Hersteller führten die Technik in der Folge ein, teilweise unter anderen Bezeichnungen wie DSC (BMW, Mazda), VSA (Honda) oder PSM (Porsche). Die grundsätzliche Funktionsweise aber war überall die gleiche, Unterschiede gab es lediglich bei der Abstimmung. Etwa der Frage, wie früh und rigide das System eingreift – oder ob es einen etwas sportlicheren Fahrstil noch zulässt.

Zum Standard wurde die Fahrdynamikregelung jedoch nur langsam. Noch 2005 hatte laut den Unfallforschern der Versicherer (UDV) beispielsweise in Deutschland nur jedes vierte zugelassene Auto ESP an Bord. Bei Neufahrzeugen stieg mit den Jahren die Ausstattungsrate zwar stetig an, doch viele billige Kleinwagen wurden ohne das in dieser Klasse meist aufpreispflichtige ESP verkauft. Damit war in der Europäischen Union aber bald danach Schluss: Seit 2011 wurde das System schrittweise vorgeschrieben, zunächst für neue Personenwagen- und Nutzfahrzeugtypen und seit dem 1. November 2014 für alle neu zugelassenen PW und Nutzfahrzeuge. Auch in Argentinien, Australien, Brasilien, China, Ecuador, Israel, Japan, Kanada, Malaysia, Neuseeland, Russland, Südkorea sowie in der Türkei und den USA gibt es gesetzliche Vorgaben oder Selbstverpflichtungen für den Schleuderschutz.

Weltweit 82 Prozent mit ESP

Heute ist der elektronische Helfer aus Autos nicht mehr wegzudenken. Weltweit sind 82 Prozent aller neuen Fahrzeuge mit der Fahrdynamikregelung ausgestattet, 2017 waren es erst 64 Prozent. Allein Bosch hat nach eigenen Angaben bereits 250 Millionen Systeme gefertigt. Über die Jahre hat sich das ESP dabei immer weiterentwickelt und immer stärker mit anderen Fahrdynamiksystemen vernetzt. Zum reinen Schleuderschutz gesellten sich Zusatzfunktionen wie Berganfahrhilfe, elektronisches Differenzial oder die Anhängerstabilisierung. Und auch die meisten Reifendruck-Kontrollsysteme würden ohne die ESP-Sensorik, die die veränderte Raddrehzahl bei einem Plattfuss erkennt, nicht funktionieren. (SP-X)

4 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Ja, der gute alte Elchtest in der A-Klasse. Mein Schwiegervater hatte einen bestellt und nach dem Elchtest bekam er das Auto geliefert mit einer neuen aber dafür knochenharten Abstimmung. Das mochten seine lädierten Bandscheiben überhaupt nicht. Aber wie so oft sind die Autohändler erfinderisch.

    SF6 (Schwefelhexafluorid) wurde bei Kraftfahrzeugen an Stelle von Luft zur Reifenfüllung angeboten. Mit der Begründung, das Fahrzeug hätte dann die Federungseigenschaften eines luftgefederten Citroen DS. Das war messtechnisch zwar nicht nachweisbar, aber die Fahrer waren scheint's alle zufrieden. Schliesslich hatten sie ja auch teuer dafür bezahlt.

    Die SF6-Moleküle sind im Vergleich zur Luft grösser und entweichen langsamer durch das Reifenmaterial. Aber das "Global Warming Potential" von SF6 beträgt 23'900, ist also um diesen Faktor klimawirksamer als CO2. Mit der Folge, dass nach einem Reifenwechsel, bei dem das SF6 komplett entwich, der Inhalt klimawirksamer war als die Herstellung, der Betrieb und die Entsorgung des ganzen Fahrzeuges. Erkennbar waren die Fahrzeuge an der gelben Ventilkappe.

    Durch diese „spezielle“ Befüllung wird der Kunde motiviert, zur Reifendruck-Prüfung und Nachfüllung seinen Fachhändler aufzusuchen, da „Reifengas“ nur an wenigen Tankstellen verfügbar ist. Reifengas ist daher nicht nur eine Möglichkeit für den Fachhandel, durch den Verkauf des Gases selbst Umsätze zu generieren, es ist vielmehr ein effektives Mittel zur Kundenbindung und Verkaufsförderung.