Wacker Thun schlägt auf dem Feld zurück

Wacker Thun schlägt Erzrivale Schaffhausen 28:26 in einer Partie, die bereits vor Anpfiff eine Menge Schlagzeilen generiert hat.

Ausgelassene Stimmung in der Lachenhalle: Wacker gewinnt vor 1200 Zuschauern gegen Erzrivale Schaffhausen, Linksflügel Luca Linder jubelt nach einem seiner fünf Treffer.

Ausgelassene Stimmung in der Lachenhalle: Wacker gewinnt vor 1200 Zuschauern gegen Erzrivale Schaffhausen, Linksflügel Luca Linder jubelt nach einem seiner fünf Treffer.

(Bild: Christian Pfander)

Adrian Horn

Es wird geschrien, gezerrt, gejubelt, als gäbe es hier und jetzt gleich drei oder vier Meistertitel zu gewinnen. Nikola Isailovic reisst so lange am Shirt Anton Manssons, bis dieser auf einmal ohne Trikot dasteht. Unmittelbar bevor Reto Friedli eingewechselt wird, schlägt er sich zwecks Motivation so doll ins Gesicht, dass unsereins mit Sicherheit eine Gehirnerschütterung davontrüge. 1200 Leute sind erschienen. Wacker Thun vs. Kadetten Schaffhausen hält, was es versprochen hat. Längst ist die Affiche ein Klassiker; diesmal aber ist die Begegnung erst recht brisant.

Ursprünglich war die Partie ja auf den 18. Februar angesetzt worden. Der Verband verschob sie 23 Stunden vor Beginn auf Wunsch der Gäste aus der Nordostschweiz, die sich länger auf den bevorstehenden Champions-League-Match hatten vorbereiten wollen. Die Berner Oberländer waren darob erbost, veranstalteten am eigentlichen Spieltag so was wie eine Demonstration und leiteten juristische Schritte ein. Das Regionalgericht entschied erst mal, dass die Begegnung nachzutragen ist.

Und nun erzielt Luca Linder nach 18 Minuten das 11:6, er düpiert den als Talent gehandelten Keeper Jonas Maier mit einem dieser Trickwürfe, für die er vom Publikum so sehr gemocht wird. Jetzt ists richtig laut in der Halle, es herrscht Playoff-Atmosphäre. Es ist das Kontrastprogramm zur Partie gegen GC Amicitia vom Samstag, als 800 Besucher mitunter angeödet dabei zusahen, wie die Zürcher nichts mehr waren als ein in allen Belangen überforderter Sparringpartner und 16:26 verloren, obwohl die Thuner eine ihrer schlechtesten Leistungen heuer gezeigt hatten.

«Unglaublich intensiv»

Martin Rubins Equipe verteidigt hart und weiss mit Schlussmann Andreas Merz die über weite Strecken dominante Figur in ihren Reihen. Die Hausherren agieren nach der Startphase ungemein souverän; stets dann, wenn der Doublegewinner der letzten Saison näher zu kommen scheint, trifft Wacker. Linder auf links verzeichnet keinen Fehlwurf, Isailovic glückt im rechten Rückraum in Abwesenheit der verletzten Schlüsselkraft Nicolas Raemy eine überzeugende Darbietung.

Die Gastgeber tun sich ab Mitte der zweiten Hälfte in einer bemerkenswert fairen Begegnung auf einmal sehr schwer, und 10 Minuten vor Schluss erzielt Leszek Starczan das Anschlusstor, ehe gar der Ausgleich gelingt. Die Oberländer drohen ein Spiel zu verlieren, in welchem sie zur Pause mit fünf Treffern Differenz geführt haben.

Dann nimmt Lukas von Deschwanden das Heft in die Hand. Der MVP der vorangegangenen beiden Saisons hat in diesem Kräftemessen nicht lückenlos geglänzt. Nun aber wirft der Topskorer zweimal erfolgreich, ehe er Jonas Dähler geschickt lanciert, der Wacker wieder entscheidend in Führung bringen wird. 28:26 setzen sich die Thuner durch, der Champions-League-Teilnehmer unterliegt zum vierten Mal in Serie.

«Das Spiel war unglaublich intensiv, wir mussten uns die Kräfte gut einteilen», sagt Aufbauer Stefan Huwyler nach dem Match. Die Partie habe ihn an den Mai 2013 erinnert, als Wacker gegen die Kadetten Meister geworden sei. Nun, zumindest war sie ein Vorgeschmack auf die Playoffs.

Berner Zeitung

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