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«Warum nicht gleich nach Guantánamo ?»

Vor dem WM-Achtelfinal gegen Kolumbien fühlt sich die ganz Uruguay angegriffen und hintergangen. Auch Diego Maradona stärkt dem von der Fifa geächteten Luis Suárez den Rücken.

«Wir sind alle Suárez!»: Sympathiekundgebungen in Montevideo.
«Wir sind alle Suárez!»: Sympathiekundgebungen in Montevideo.
Keystone

«Wir sind alle Luis Suárez!» - Uruguay erklärt die Rache für die WM-Rekordstrafe gegen seinen für neun Länderspiel und vier Monate gesperren Stürmer zur nationalen Angelegenheit. Nach der ersten Fassungslosigkeit über die Sperre richteten die Südamerikaner den Zorn auf den Achtelfinal gegen Kolumbien am Samstag. «Uns kann nichts stoppen», sagte Captain Diego Lugano trotzig. «Wir werden weitergehen mit Demut, Einheit, Engagement, Erkenntnis der Fehler und erhobenem Haupt».

«Warum schickt ihr ihn nicht gleich nach Guantánamo?», spottete Argentiniens Fussball-Legende Diego Maradona in Richtung der Fifa. Der harte Umgang mit dem Wiederholungstäter Suárez, der zum dritten Mal einen Gegenspieler biss, sei ein «unglaubliches Mafia-Ding». Am Ende seiner TV-Sendung enthüllte Maradona ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Luisito, wir sind mit dir.»

Auch Brasiliens Stürmer Fred ergriff für Suárez Partei, der nationale Verband wollte sofort Einspruch gegen den Fifa-Beschluss einlegen. «Die Sanktion ist eine Aggression gegen die Spieler des uruguayischen Volkes», ereiferte sich Staatspräsident José Mujica.

Auf raschen Erfolg gibt es jedoch keine Aussicht. Mit emotionalen Umarmungen verabschiedete sich der für vier Monate von allen Fussball-Aktivitäten gesperrte Suárez in Natal von den Betreuern der Celeste. «Luis möchte allen Uruguayern für ihre Unterstützung in den vergangenen Stunden danken», twitterte der Verband am Freitagmorgen.

Während der Ausgeschlossene am Flughafen von Montevideo sogar von Regierungschef Mujica erwartet wurde – wegen des verspäteten Flugs letztlich vergeblich – landete das Team von Trainer Oscar Tabarez in Rio de Janeiro.

Wo vor 64 Jahren im legendären Maracana der Sensations-Titelcoup gegen Brasilien gelungen war, soll nun irgendwie der Verlust des Offensiv-Fixpunkts kompensiert werden, der im Alleingang für das wichtige 2:1 in der Vorrunde gegen England gesorgt hatte. Möglicherweise muss der gealterte Diego Forlan, immerhin bester Spieler der vorigen WM in Südafrika, im Alter von 35 Jahren die Lücke an der Seite von Edinson Cavani schliessen.

Vor der Aufgabe gegen das leicht favorisierte Kolumbien dachten die Spieler noch an den nun fehlenden 23. Mann im Kader. «Eine Umarmung an Luis, der immer wieder aufsteht und besonders an seine Familie, die am meisten leidet in diesen Fällen», sendete Lugano als öffentlichen Gruss an Suárez . Die Zeitung «El Pais» legte ihrer Freitagsausgabe ein Poster des zum Märtyrer stilisierten Fussballers bei, aufgedruckt die Losung: «Todos Somos Suárez !» (Wir sind alle Suárez)

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