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Zu viele BaustellenWarum Wacker nicht auf Touren kommt

Die Thuner Handballer besässen ein potenzielles Meisterteam. Dieser Tage aber sind sie bloss Durchschnitt. Das hat mehrere Gründe.

Coach Martin Rubin versucht, seine Spieler wachzurütteln.
Coach Martin Rubin versucht, seine Spieler wachzurütteln.
Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Als die Thuner am Samstag in Endingen gegen den Abstiegskandidaten 7:1 führen, steht ihnen vermeintlich ein ruhiger Abend bevor, einer, an dem sie zwei Punkte und vor allen Dingen Selbstvertrauen gewinnen sollten. Kurze Zeit später bewahrt sie der eingewechselte Keeper Marc Winkler vor einem Rückstand, indem er beim Stand von 10:10 einen Penalty hält.

25:20 siegt Wacker. Überzeugen kann Martin Rubins Mannschaft aber wieder nicht. Sie verkörpert in diesen Tagen bestenfalls Durchschnitt. Verunsichert wirkt sie, bisweilen einfallslos im Angriff und wenig souverän in der Deckung. Nach vier Partien stehen zwei Pflichtsiege und zwei Kanterniederlagen zu Buche.

Noch hat sich nichts getan im Vergleich mit den letzten beiden Saisons, und dies ist für die Berner Oberländer eine schlechte Nachricht. Unverändert verzeichnen sie zu viele Ausfälle, am Samstag fehlen mit Nicolas Raemy, Ron Delhees, Damien Guignet und Roman Bouilloux unter anderem vier Aufbauer. Rückkehrer Lukas von Deschwanden, von dem sich die Thuner so viel versprochen haben, ist eine Verstärkung, ganz gewiss – aber er ist nicht so dominant, wie er es lange gewesen war, ehe er ins Ausland wechselte. Gegen Endingen gelingen ihm sieben Tore, fünf davon erzielt er per Penalty. Möglicherweise wäre er im linken Rückraum wertvoller als in der Rolle des Regisseurs.

Das Derby steht bevor

Max Dannmeyer, der andere Zuzug, tut sich am Samstagabend sehr schwer. Noch ist der Shooter – in der letzten Saison derjenige Nationalliga-A-Spieler mit den meisten Feldtoren – nicht optimal eingebunden. Positiv fallen der junge Linkshänder Ivan Chernov und der genesene Linksflügel Luca Linder auf, Letzterem glückt ein bemerkenswertes Comeback.

Die Thuner haben gegenwärtig zu viele Baustellen. Am Kreis und in der Verteidigung fehlt eine klare Hierarchie, möglicherweise auch die Qualität. Und anders als das Gros der Konkurrenz verfügt Wacker über keinen Keeper, der aktuell regelmässig überzeugt. Winkler brilliert gegen Endingen mit einer Abwehrquote von über 50 Prozent; in den vorangegangenen Begegnungen war der 32-Jährige kein Faktor.

Die Oberländer besässen wieder ein Team, mit dem sie Meister werden können. Noch aber schläft er, der Riese. Schaffhausen, Winterthur, Kriens, Suhr: Sie alle sind momentan deutlich stärker. Und am Samstag müssen die Thuner gegen den gleichfalls schlecht in die Saison gestarteten BSV Bern erst beweisen, zumindest im Kanton die Nummer 1 zu sein.