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Gut zu wissenWas Bewegung mit Demenz zu tun hat

Wer nur schon zehn Tage körperlich inaktiv ist, verschlechtert die Durchblutung seines Gehirns.

Es muss nicht immer Sport sein – auch wer im Alltag die eine oder andere Treppe hochsteigt, statt den Lift oder die Rolltreppe zu nehmen, bringt den Kreislauf in Schwung.
Es muss nicht immer Sport sein – auch wer im Alltag die eine oder andere Treppe hochsteigt, statt den Lift oder die Rolltreppe zu nehmen, bringt den Kreislauf in Schwung.
Foto: Getty

Viele Leute kennen das: Ein paar Wochen ohne Training, und die Kondition ist weg. Doch auch unserem Denkorgan tut es nicht gut, wenn wir plötzlich aufhören, Sport zu treiben oder uns auch nur zu bewegen. Wie US-Forscher jetzt im Rahmen einer Studie herausgefunden haben, verschlechtert sich bereits bei einem Sport-Stopp von nur zehn Tagen die Durchblutung des Gehirns messbar.

Betroffen waren verschiedene Hirnregionen, die für die geistige Gesundheit wichtig sind, darunter auch der Hippocampus. «Der spielt eine entscheidende Rolle für das Gedächtnis und ist eine der ersten Hirnregionen, die bei Menschen mit Alzheimer schrumpft», sagt Studienleiter J. Carson Smith von der University of Maryland in der Fachzeitschrift «Frontiers in Aging Neuroscience».

Bei Nagetieren, so erklärt der Wissenschaftler, reagiere der Hippocampus auf Bewegung mit einem verstärkten Wachstum neuer Blutgefässe und Nervenbahnen. Auch bei älteren Menschen könne sich Training positiv auf den Hippocampus auswirken und ihn vor dem Schrumpfen schützen.

Blutgefässe spielen Schlüsselrolle

Tatsächlich weiss man heute, dass der Zustand der Blutgefässe bei der Entwicklung von Demenzerkrankungen eine weit grössere Rolle spielt als bisher angenommen. So zählt der Welt-Alzheimer-Bericht mittlerweile Arteriosklerose, also verkalkte Gefässe, zu einem Hauptrisikofaktor für den gefürchteten Gedächtnisschwund (neben der genetischen Veranlagung).

Diese Erkenntnis hat auch eine gute Seite: Demenz ist nicht allein Schicksal – das Risiko für die schwere Krankheit lässt sich mit Bewegung und gesundem Lebensstil beträchtlich senken.

Gerade jetzt in der Pandemie und im Winter ist es aber nicht einfach, sich genügend zu bewegen. Hallenbäder und Fitnesscenter kann man nur erschwert oder gar nicht besuchen, viele Sportvereine haben ihre Tätigkeit reduziert – ja, sogar Skifahren und Langlaufen geht vielerorts nur noch mit Einschränkungen.

Bewegung in Alltag integrieren

Was also tun? Wenig aktiven Menschen empfiehlt der Berner Sportmediziner German Clénin, Bewegung möglichst in den Alltag einzubauen. Aber auch Walking oder Velofahren seien ideal. Ziel: fünfmal pro Woche leicht ins «Schnaufen» kommen.

Sportlerinnen und Sportler hingegen sollen es intensiver angehen: mindestens dreimal pro Woche 20 bis 60 Minuten richtig schwitzen. Alle Aktivitäten wenn möglich an der frischen Luft, rät Clénin.

Wer sich ausreichend bewegt, sorgt übrigens nicht nur dafür, dass das Blut besser fliesst und alle Organe versorgt – auch die Psyche wird gestärkt.

Und wer könnte das nicht gebrauchen in diesem Winter?

19 Kommentare
    Ronnie König

    Ob man sich wirklich bis zu einer Stunde verausgaben muss, das bezweifle ich entschieden. Aber mir fiel auf, dass Demenz bei jenen Menschen die weitgehend ohne Technik leben müssen nicht oft vorkommt. Sie bewegen sich viel, aber selten angestrengt. Was diese jedoch haben, es ist oft eine sehr gesunde und fleischarme Ernährung, nicht unbedingt vielseitig. Aber so etwas wie ur-bio. Dass sich der moderne Mensch zu wenig bewegt ist so, aber, wenn man sich nur beim Training gezielt bewegt ist das halt nicht ganz so gut. Darauf wird verwiesen. In der Natur ist nämlich mehr wie nur frische Luft. Das geht oft vergessen. Unbewusst nehmen wir es wahr.