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Baukommission im EinsatzWenn der Kiesener Rat zum «Pickel» greift

Statt einer teuren Totalsanierung realisiert die Baukommission von Kiesen eine «kalte» Sanierung des Sportplatzes. Und legt gleich selber Hand an.

Packen gemeinsam an: Behördenmitglieder von Kiesen in Aktion.
Packen gemeinsam an: Behördenmitglieder von Kiesen in Aktion.
Thomas Feuz

Die Fakten sind deutlich: Der rund 1000 Quadratmeter grosse Hartbelag beim Sportplatz in Kiesen zeigt Alterserscheinungen. Eingedrungenes Regenwasser hat den Belag aufgelöst und Risse hinterlassen. Eine Totalsanierung von rund 70’000 Franken würde das Budget massiv belasten, das ausgebaute Material müsste in einer Sonderdeponie entsorgt werden.

«Wir haben Handlungsbedarf»

«Die Sanierungsfrage hat uns lange beschäftigt», sagt Fritz Affolter. Dem Ressortchef Bau der Gemeinde Kiesen war nicht nur der Kostenfaktor wichtig. «Wir haben Handlungsbedarf, wollen uns aber künftige Optionen nicht verbauen.» So wählte Kiesen den Weg einer sogenannt kalten Sanierung. Mit diesem kostengünstigen Verfahren kann der mittelfristige Werterhalt gesichert werden. «Für eine spätere (Um-)Nutzung der Anlage stehen damit sämtliche Optionen offen. Wer kennt schon den Bedarf der nahen Zukunft? Nun können die Kosten aus dem laufenden Budget der Baukommission bestritten werden», sagt Affolter.

«Mit Materialkosten von rund 7000 Franken können wir eine Lösung für die nächsten fünf, sechs Jahre realisieren», freut sich Kommissionspräsident André Mühlemann.

Sommerjob für Baukommission

Die Sanierungstruppe ist seit Juli im Einsatz. Weil die Werkstoffe nur Temperaturen bis 28 Grad vertragen, wird jeweils von 8 bis 10 Uhr gearbeitet, an voraussichtlich zehn Tagen. Der Auftrag ist klar umrissen: den Hartbelag kärchern, die Risse mit Spezialsand auffüllen und versiegeln, einen umweltfreundlichen, wasserdichten Schutzbelag auftragen.

«Die Mannschaft ist motiviert.»

André Mühlemann, Präsident der Baukommission

«Die Mannschaft ist motiviert», stellt Mühlemann erfreut fest. Dass die Arbeiten in der Freizeit erfolgen, stellt kein Problem dar. «Das Ganze ist ja für unsere Gemeinde und für unsere Kinder», meint ein motiviertes Mitglied des freiwilligen Bautrupps.

Den Experten freuts

Substanz schützen, den Werterhalt technisch korrekt und trotzdem kostengünstig sichern: Das ist Roland Christens Maxime. Der Inhaber der Kiesener Firma InfraTrace GmbH unterrichtet an der Baufachschule Sursee über moderne Sanierungsverfahren und Werterhaltung von Asphaltstrassen und -flächen. Dass Kiesen diesbezüglich eine Pionierfunktion einnimmt, freut ihn: «Wir realisieren das Beste, aus ökonomischer und ökologischer Sicht.»

Roland Christen, fachlicher Begleiter des Projekts, stützt sich auf ein Teilstück des kalt sanierten Hartbelags.
Roland Christen, fachlicher Begleiter des Projekts, stützt sich auf ein Teilstück des kalt sanierten Hartbelags.
Thomas Feuz

Dem fachlichen Begleiter des Projekts sind die Umwelt und der verantwortungsbewusste Umgang mit Rohstoffen wichtig. Denn: «Strassenbeläge haben eine Lebensdauer von maximal 60 Jahren. Dieser Prozess kann mit einer Versiegelung verlangsamt werden. Dies führt zu deutlich weniger Ausbruchmaterial. Dank dem Kaltverfahren kann dieses erneut verwendet werden.»

Projekt mit Signalwirkung

Nach der «kalten» Sanierung des Hartbelags beim Turn- und Sportplatz geht die motivierte Bautruppe Arbeiten am Rotachenweg und an der Bahnhofstrasse an. Das Teilstück des nationalen Velowegs entlang der Rotache wird als Baustellenzufahrt für die Renovation der A6 dienen. Die Baukommission prüft Material- und Verfahrensmöglichkeiten, die auch bei der Sanierung der Bahnhofstrasse zum Einsatz kommen sollen. Der schutzversiegelte Belag auf einer Länge von je 30 Meter soll im nächsten Frühjahr auf die Wirkungsweise von Frost, Regen und Schwerverkehr untersucht werden.

Speziell auch wegen Wissenstransfer

Im benachbarten Ausland sind Kaltsanierungen technischer Standard. Schweizer Gemeinden sind zurückhaltender und nutzen das Verfahren meist nur punktuell. Dass eine Exekutive am realen Projekt selber Hand anlegt, dürfte eine Premiere sein. Und auch, dass ein Mitarbeiter des Werkhofs der tschechischen Partnergemeinde in die Arbeiten involviert ist. Der damit verbundene Wissenstransfer ist ein weiteres Prädikat dieses ganz speziellen Bauvorhabens.