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«Captain Fantastic»Wie ein 99-Jähriger Englands Corona-Held wurde

Der Weltkriegsveteran Tom Moore spaziert für einen guten Zweck durch seinen Garten – und sammelt Spenden in Millionenhöhe.

Justin Tallis/AFP

«Und hier kommt er, Captain Tom Moore, fast 100 Jahre alt, auf den letzten Metern der hundertsten Runde um seinen Garten», ruft der BBC-Kommentator erregt im Ton einer Sportreportage. Im Bild: ein alter Herr in Uniform mit Orden an der Brust, der seinen Rollator über eine breite Steinterrasse schiebt, den Gehstock hat er quer über seinen Gehwagen gehängt. Eine Ehrengarde vom 1. Bataillon des Yorkshire Regiments steht Spalier und klatscht. «Noch ein paar Inches», ruft der Reporter, «und es ist geschafft! Wie fühlen Sie sich?»

Das ist eine Frage, die Siegern nach ihrem sportlichen Triumph gern gestellt wird, und tatsächlich wird der Weltkriegsveteran im gesamten Königreich als Sieger gefeiert: Moore hat über eine Webseite, die im Verlauf seines Wettlaufs mit sich selbst mehrmals unter dem Ansturm der Spendierfreudigen zusammenbrach, bereits mehr als 18 Millionen Pfund für das Nationale Gesundheitssystem, den NHS, gesammelt. Der offizielle Titel seiner Spendenaktion: «NHS-Mitarbeiter und Freiwillige unterstützen, die sich um Covid-19-Patienten kümmern.»

Eigentlich hatten es nur 1000 Pfund sein sollen. Aber die Summe steigt immer weiter, seit Moore in den Status eines Nationalhelden aufgestiegen ist, über den nationale und internationale Medien quasi rund um die Uhr berichten. Mit Schlagzeilen wie «Captain Fantastic» oder «Ein Kriegsheld marschiert in die Herzen der Nation» habe er Millionen inspiriert, heisst es im Königreich. Der Gesundheitsminister dankte ihm öffentlich. Selbst Prinz William und seine Frau Kate spendeten eine Summe von unbekannter Höhe und zollten dem Veteran und seiner Aktion Tribut: «Es ist grossartig, was er macht», so William. «Er ist eine Ein-Mann-Fundraising-Maschine.» Moore bedankte sich bei seinem «Super-Prinzen»» das Lob bedeute ihm sehr viel.

Schon fordern Menschen einen Adelstitel für Moore

Moore wird Ende April 100 Jahre alt. Er hatte beschlossen, zur Feier seines Geburtstags auf der großen Terrasse vor seinem Backsteinhaus aus dem 16. Jahrhundert hin und her zu gehen, immer jeweils 25 Meter, bis er 100 Runden voll hat. Damit wolle er ein Zeichen setzen für den NHS, «die Helden an der Front». Am Anfang seiner Mission sah man ihn noch leger gekleidet, im Sporthemd mit aufgekrempelten Ärmeln, aber als dann die Nation begann, bei jeder Runde über seine Schulter zu schauen, wurde auch Moore eleganter. Er gab Interviews in seinem Wohnzimmer, wobei vor allem seine Tochter Hannah Ingram-Moore für ihn sprach – nicht nur das Gehen, sondern auch das Sprechen fällt dem alten Herren manchmal etwas schwer. Sie seien überwältigt, sagte Moores Tochter, und könnten kaum den Stolz beschreiben, den sie empfänden. Ihr Vater danke der gesamten Nation. Captain Moore habe sein Leben in den Dienst von Queen und Vaterland gestellt; und auch die Millionenspende, die an die NHS-Charity «Together» gehen soll, sei ein Beitrag dazu.

In Liverpool feiern Krankenhausmitarbeiter Tom Moores Aktion.
In Liverpool feiern Krankenhausmitarbeiter Tom Moores Aktion.
Christopher Furlong/Getty Images

In britischen Medien wird Moore als Kriegsheld und als NHS-Held gefeiert. Er war während des Kriegs unter anderem in Indien und hatte laut «Daily Telegraph» Feindaufklärung im Kampf gegen die Japaner betrieben, wobei er «den Gegnern so nah kam, dass er das Weisse in ihren Augen sehen konnte». Er arbeitete später als Ausbilder für die Armee, bevor er einen zivilen Beruf ergriff und in den Einzelhandel wechselte. Eine Online-Petition, die fordert, dass man Moore einen Adelstitel verleihen solle, hat bereits 500 000 Unterschriften zusammenbekommen. Downing Street liess wissen, der Premierminister erkenne die grossartige Leistung Moores an und werde dies entsprechend würdigen. Der Veteran verkörpere den Geist des Landes, er habe sein Leben lang «Mut und Einsatzbereitschaft gezeigt» – und trage nun auch seinen Teil dazu bei, dass der NHS den Kampf gegen das Coronavirus gewinnen werde und Leben rette.

1 Kommentar
    Ron Huber

    Einer der alten Garde und viele finden das sicher lächerlich. Ich denke der hat es echt noch drauf und einige könnten von Ihm was lehren. Aber das werden sie erst merken wenn dann in ein par Jahren nix mehr da ist, wenn das System, die "Alten bauen auf - die "Jungen" sorgen für die Älteren...überholt ist. Keine Erbschaften mehr. Nichts für eine kommende Generation worauf, sie aufbauen können. Das wird lustig für die, zum Glück muss ich das nicht erleben - sollen die mal selbst machen!