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Beliebte Serie mit neuer StaffelWie ersetzt man Julia Roberts?

Neue Hauptdarstellerin, neue Geschichte: Die fulminante Serie «Homecoming» geht in die zweite Runde.

Wer bin ich? Und wer sind die andern? Janelle Monáe in der zweiten Staffel von «Homecoming».
Wer bin ich? Und wer sind die andern? Janelle Monáe in der zweiten Staffel von «Homecoming».
Foto: PD

Eine Frau in Soldatenuniform erwacht mitten im See auf einem Ruderboot. Sie hat keine Ahnung, wie sie dorthin gekommen ist. Mehr noch, sie hat keine Ahnung, wer sie überhaupt ist. Zurück am Ufer, findet sie ein paar Hinweise, einen Autoschlüssel, der aber zu keinem der parkierten Wagen passt. Später ein Zimmer in einem Motel, wo eine Melone auf der Matratze liegt. Was zum Teufel…

Aufwachen und nichts mehr wissen, sind wir da in einer schrägen Komödie wie «Hangover»? Oder in einer neuen Variante der «Bourne»-Actionfilme? Nein, wir sind in der zweiten Staffel von «Homecoming». Darin verblüffte Julia Roberts vor zwei Jahren in ihrem ersten Serieneinsatz.

Die ehemalige «pretty woman» spielte damals eine verhärmte Betreuerin in einem Therapiezentrum, welches aus dem Irak zurückkehrende Soldaten auf das Zivilleben vorbereitete. Angeblich. Aber bereits die erste Staffel baute ein Geheimnis auf, weil man nie wirklich wusste, wer die Kräfte hinter dem Programm waren. Und weil es eine zweite Ebene gab, die ein paar Jahre später angesiedelt war. Julia Roberts arbeitete da als Kellnerin, schien nichts mehr von der Vergangenheit zu wissen. Doch Stück für Stück drängte sich diese in ihr Leben zurück.

«Homecoming» war fulminant, inhaltlich und formal. Die Geschichte basiert auf einem Podcast des Autors Eli Horowitz. Regie führte Sam Esmail, der sich mit der Hackerserie «Mr. Robot» einen Namen gemacht hatte. Die einzelnen Folgen waren wohltuend kurz, hatten nicht dieses Ausschweifende, zu dem andere Produktionen manchmal neigen. Und Julia Roberts konnte tatsächlich mit neuen schauspielerischen Aspekten brillieren.

Aber in der zweiten Staffel ist sie weg. Im Vorspann wird sie zwar noch als Produzentin genannt, aber sie tritt nicht mehr auf. Vom ursprünglichen Team ist auch Regisseur Esmail nicht mehr dabei. Und Stephan James, der in der ersten Staffel als Heimkehrsoldat die perfekte Ergänzung zu Julia Roberts war, spielt jetzt nur noch eine Nebenrolle. Getragen wird «Homecoming» von Janelle Monáe – eben der Soldatin, die im Boot erwacht.

Zwei Hauptrollen in einem Jahr für Janelle Monáe

Janelle Monáe? Die Frau aus Kansas City hatte sich zuerst einen Namen als Sängerin gemacht, bevor sie 2016 auch ernsthaft mit der Schauspielerei begann: Sie hatte kleinere Rollen im Oscarfilm «Moonlight» und in «Hidden Figures». Und 2020 dürfte ihr Jahr werden: Neben «Homecoming» wird sie auch in der Hauptrolle des Horrorfilms «Antebellum» zu sehen sein.

Sie macht ihre Sache gut, als Frau, die ihre Erinnerung zurückholt. Das Problem der zweiten Staffel ist ein anderes: Sie zielt aufs ganz Grosse, einen Konzern namens Geist, der schon in der ersten Staffel im Hintergrund die Fäden zog. Gegründet wurde er einst von einem Idealisten, aber längst haben Technokraten und Geschäftemacher übernommen.

Julia Roberts als Therapeutin in der ersten Staffel.
Julia Roberts als Therapeutin in der ersten Staffel.
Foto: PD

«Homecoming 2» ist diesbezüglich ein eher konventioneller Thriller. Erzählt wird geradliniger als der Vorgänger (Regie führt nun Kyle Patrick Alvarez). Mit Chris Cooper (als Firmenchef) und Joan Cusack (als Militärfrau) sind gestandene Darstellerinnen und Darsteller dabei. Alles bestens, und doch fehlt eben das gewisse Etwas aus der ersten Staffel.

Und dann noch diese David-Lynch-Atmosphäre

Das hat auch mit Julia Roberts zu tun, weil sie das Vertraute und das Geheimnisvolle wunderbar verbinden konnte. Jetzt ist die Geschichte um Janelle Monáe zwar auch mysteriös. Aber als ob man der Hauptdarstellerin nicht ganz zu trauen schien, wird alles in eine penetrante David-Lynch-Atmosphäre getaucht. Das ist nicht gut für die Hauptdarstellerin. Und wirkt manchmal fast altbacken.

Spannung und ein paar hübsche Details – die Melone auf dem Bett spielt da auch eine Rolle – gibt es trotzdem. Und einen augenzwinkernden Hinweis auf Julia Roberts ebenfalls: Einmal ist ein Restaurant von aussen zu sehen. Wer die erste Staffel kennt, weiss haargenau, dass da Julia Roberts drinsitzt.

Raus kommt sie aber nicht.

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