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Apple schlägt Alarm

Der iPhone-Produzent setzt wegen des Coronavirus eine Warnung ab. «Es ist ein Weckruf», sagt ein Analyst.

Auch der US-Techkonzern gerät in den Strudel der in Teilen Chinas grassierenden Lungenkrankheit: Kunden vor einem Apple-Store in Peking. Foto: Getty
Auch der US-Techkonzern gerät in den Strudel der in Teilen Chinas grassierenden Lungenkrankheit: Kunden vor einem Apple-Store in Peking. Foto: Getty

Apple schlägt Alarm. Wegen des Coronavirus-Ausbruchs kann der Handyhersteller seine iPhones nicht mehr wie gewohnt liefern. Der Lieferengpass sei zwar nur vorübergehend, erklärte der US-Konzern in der Nacht auf Dienstag. Die Ausfälle sind jedoch weltweit spürbar. Die negativen Folgen des Virusausbruchs treffen Apple mit einer solchen Wucht, dass der Konzern seine erst drei Wochen alte Umsatzprognose bereits wieder kippen muss.

Bei Apple hatten sich die Probleme bereits angebahnt. Der Zulieferer Foxconn war gezwungen, die Produktion in zwei wichtigen Werken in China vorübergehend einzustellen. Mittlerweile hat das Unternehmen zwar grünes Licht der Behörden, die Herstellung von iPhones wieder aufzunehmen. Das gestaltet sich jedoch schwierig – schlicht, weil viele Mitarbeiter noch nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Auch Pegatron, ein weiterer Auftragsfertiger für iPhones, hatte mit Einschränkungen zu kämpfen.

Doch die weltweiten Lieferprobleme sind nicht das einzige Problem des Technologiekonzerns. Hinzu kommen Einbussen in China selbst. Denn dort sind viele Verkaufsstellen geschlossen oder fast menschenleer, weil sich die Chinesen aus Angst vor einer Ansteckung immer noch nicht auf die Strasse wagen.

Börsen gehen auf Talfahrt, Franken steigt weiter

Die Warnung von Apple brachte auch die Anleger an der Börse aus der Fassung. In Asien und Europa verloren Aktien teils deutlich an Wert. «Es ist ein Weckruf von Apple für die scheinbar unbekümmerten Anleger, was die negativen wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus angeht», sagte ein Marktanalyst. Im Gegenzug waren sichere Häfen gefragt. Der Schweizer Franken legte zu – ein Euro kostete lediglich 1,06 Franken. Damit ist der Franken so stark wie seit Jahren nicht.

Apple ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie die Corona-Epidemie ganze Branchen heimsucht und Schockwellen um die Welt sendet. Wirtschaftsexperten warnen vor den unabsehbaren Folgen der Epidemie, und auch an den Börsen macht sich Angst breit.

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Der Schweizer Bankier Konrad Hummler, der vor dem Untergang der Privatbank Wegelin mit seinen oft treffenden Anlagekommentaren Bekanntheit erlangte, warnt mit deutlichen Worten. Sollte sich der Virusausbruch zu einer weltweiten Pandemie ausweiten, könnte dies der nächste «Black Swan» für die Weltwirtschaft und die Aktienmärkte werden, hält er in einer schriftlichen Lagebeurteilung fest. Denn weltweit gebe es kaum noch Reserven, um mit einem solchen Schock fertig zu werden. Die Schulden seien bereits hoch, die Notenbanken hätten sich verausgabt, und Zinssenkungen seien nur mehr begrenzt wirksam. Zwar geht Hummler nicht unbedingt von einem solchen Szenario aus – die Wahrscheinlichkeit dafür schätze er aber immerhin auf 20 bis 40 Prozent. Er rät Anlegern, sich dagegen abzusichern.

Coronavirus trifft auch europäische Wirtschaft

Deutschland als wichtigster Handelspartner der Schweiz dürfte die Folgen der Epidemie ebenfalls zu spüren bekommen. Der Chefökonom der liechtensteinischen VP-Bank-Gruppe, Thomas Gitzel, hält es für möglich, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Quartalen des Jahres leicht schrumpfen wird. «Das Coronavirus kommt zur Unzeit. Zeichnete sich eben noch eine wirtschaftliche Erholung im ersten Quartal ab, ist diese kurzfristig erst einmal vom Tisch», erklärte er.

In Japan, der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt, zieht am Horizont das drohende Szenario einer Rezession auf, nachdem die Wirtschaft im vierten Quartal bereits ungewöhnlich stark einbrach.

«Das Corona-Virus trifft die Welt härter als Sars.»

Economiesuisse-Chefökonom Minsch

China selbst will sich trotz der Virus-Krise nicht von seinen konjunkturellen Wachstumszielen in diesem Jahr abbringen lassen. Die Ratingagentur Moody’s erwartet jedoch, dass es in den kommenden Monaten zu einem deutlichen Rückgang von Umsätzen und Gewinnen im ganzen Land kommen wird – vor allem in den Bereichen Verkehr, Konsum, Tourismus und Unterhaltung. Besonders kleineren chinesischen Unternehmen droht wegen ausbleibender Aufträge das Geld auszugehen. Das wiederum schürt die Angst vor Massenentlassungen.

Economiesuisse warnt: Auch Schweiz ist betroffen

Der Wirtschaftsverband Economiesuisse stellt sich auf spürbare Auswirkungen ein, auch für die Schweiz. «Verschiedene Faktoren sprechen dafür, dass die aktuelle Epidemie stärkere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben wird als Sars», schreibt Chefökonom Rudolf Minsch in einem Blogbeitrag.

Grund dafür ist das absehbar langsamere Wirtschaftswachstum in China, das die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen werde. Auch die Schweiz könne sich dem nicht entziehen: Mittlerweile seien viel mehr Schweizer Firmen in China präsent als zur Sars-Krise 2002/03. «Rund 1000 Niederlassungen von Schweizer Unternehmen warten mit ihren etwa 180’000 Angestellten auf eine Normalisierung der Lage», schreibt Minsch. Panik will er aber nicht verbreiten. Ein grosser Teil der Einbussen werde nur vorübergehend sein – vorausgesetzt, die Krise gehe bald zu Ende.

Deutliche Bremsspuren bei Schweizer Firmen

Bei vielen Schweizer Unternehmen werden die Bremsspuren langsam sichtbar. Der Zahnimplantatehersteller Straumann erwartet im ersten Quartal mindestens 30 Millionen Franken weniger Umsatz in China, wie er am Dienstag bekannt gab. Auch der Aufzughersteller Schindler hatte bereits vor möglichen Umsatzeinbussen im Umfang von Hunderten Millionen Franken gewarnt. Ebenso dürften die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont stark betroffen sein; Chinesen sind die mit Abstand wichtigste Kundengruppe der Branche.

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