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Bei hohem Risiko kürzt die Suva Leistungen

Bei ­Risikosportarten wie Basejumping ­reduziert die Suva nach einem Unfall die Leistungen. Aber auch Skifahrer oder Wanderer, die sich leichtsinnig verhalten, riskieren eine Kürzung von Taggeldern oder Renten.

Bernhard Kislig
Diese Art von Fahrradfahren gilt als Risikosport und ist bei der Suva nicht mehr voll versichert.
Diese Art von Fahrradfahren gilt als Risikosport und ist bei der Suva nicht mehr voll versichert.
zvg

Dirtbikes sind stabile Mountainbikes, mit denen die Fahrer spektakuläre Salti machen, sich bei Luftsprüngen um die eigene Achse drehen und die Hände vom Lenker oder die Füsse von den Pedalen nehmen. Schon beim Zuschauen wird klar, dass diese Dirtjumps nicht ungefährlich sind.

Nun hat die Suva beschlossen, wie bei anderen Risikosportarten auch hier die Leistungen zu kürzen. Renten und Taggelder von Betroffenen werden um mindestens die Hälfte gesenkt. Kosten für Behandlung, Medikamente oder Transport bleiben aber voll versichert.

Der Grund dafür ist ein Bundesgerichtsurteil. Die Richter kamen zum Schluss, dass sich das Risiko bei dieser Sportart nicht auf ein vernünftiges Mass reduzieren lasse. Im versicherungsrechtlichen Jargon gehen Sportler damit ein «absolutes Wagnis» ein. Dieser Kategorie gehören weitere Sportarten an, so zum Beispiel Motocrossrennen, Basejumping, FIS-Abfahrtsrennen, Full-Contact-Karate, Abfahrtsrennen auf Rollbrettern und einiges mehr.

Risikoreiches Motocross

Auch unter den Risikosportarten gibt es noch graduelle Unterschiede. Motocross erzielt einen Höchstwert: Rund die Hälfte der jährlichen Leistungskürzungen geht auf das Konto von Motocross-Fahrern. Darauf folgen der Motorradrennsport (18 Prozent) und das Skifahren/Snowboarden (9 Prozent).

Wer trotz erhöhtem Risiko nicht auf diese Sportarten verzichten möchte, sollte dafür eine Zusatzversicherung abschliessen. Dafür muss er sich an Privatversicherungen wenden – der Suva ist es nicht erlaubt, solche anzubieten. Und wie erwähnt, braucht es nur für Geldleistungen wie Taggelder eine zusätzliche Deckung. Die medizinische Versorgung finanziert die Suva auch bei Risikosportarten zu 100 Prozent.

Hinter den Kürzungen steht folgende Überlegung: Die grosse Mehrheit der Prämienzahler soll nicht für das unvorsichtige Verhalten anderer Versicherter bezahlen müssen.

Skifahren, Wandern

Wer wettkampfmässig Sport betreibt, wird oft von Verbänden über Zusatzversicherungen informiert. Weniger bekannt ist, dass die Suva auch bei Nichtrisikosportarten Versicherungsleistungen reduziert. Versicherungsrechtlich ist hier vom «relativen Wagnis» die Rede. Betroffen sind Leute, die leichtsinnig vorgehen, die übliche Regeln und Vorsichtsgebote in schwerwiegender Weise missachten.

Dabei prüft die Suva den Einzelfall. In aller Regel braucht es aber eine Kombination von mehreren Verfehlungen, dass es zu einer Leistungskürzung kommt. So reicht beispielsweise allein das Skifahren abseits der Piste nicht aus.

Wenn aber ein blutiger Anfänger trotz expliziter Lawinenwarnung schlecht ausgerüstet in den steilen Neuschneehang fährt, riskiert er nicht nur seine Gesundheit, sondern auch Versicherungsleistungen. Beim «relativen» Wagnis gilt dasselbe wie bei Risikosportarten: Nur Geldleistungen werden gekürzt, aber nicht die Kosten der medizinischen Versorgung.

Beim Bergsteigen, Klettern oder Gleitschirmfliegen bewegen sich Sportler recht schnell im kritischen Bereich. Schlechtes Wetter, starke Winde und ungenügende Ausrüstung gelten für die Suva als Kriterien für eine Leistungskürzung. Doch Oliver Biefer, Rechtsanwalt bei der Suva, betont: «Hier sind wir mit Leistungskürzungen sehr zurückhaltend.»

Dies dokumentieren auch absolute Zahlen. Im Schneesport hat die Suva in den letzten Jahren in rund einem halben Dutzend Fällen pro Jahr Leistungen reduziert. Insgesamt kommt es jährlich zu durchschnittlich 250 Kürzungen bei Unfällen wegen Wagnissen oder aussergewöhnlichen Gefahren.

Fahrlässig im Strassenverkehr

Im Strassenverkehr kann grobe Fahrlässigkeit zu einer Reduktion der Taggelder führen. Zum Beispiel wenn elementare Verkehrsregeln verletzt wurden, wie bei bewusstem Fahren auf der Gegenfahrbahn, Fahren ohne Licht bei Dunkelheit oder beim Ignorieren eines Rotlichts.

Bei solchen Verfehlungen werden in der Regel Taggelder während der ersten zwei Jahre nach einem Unfall um 10 bis 30 Prozent gekürzt. Nicht betroffen sind hier neben den Heilungskosten auch die Renten.

Schliesslich gibt es auch noch jene Fälle, in denen sich die Versicherten gar nicht bewusst sind, dass sie ein «absolutes Wagnis» eingehen. Wer mit dem Mountainbike ein Downhill fährt, ist grundsätzlich voll versichert. Sobald aber eine Zeitmessung im Spiel ist, reduziert die Suva nach einem Unfall Taggelder oder Renten. Und abseits vom Sport taxiert die Suva auch emotionale Ausbrüche als «absolutes Wagnis»: Wer im Wutanfall eine Glastür zertrümmert, muss bei der Versicherungsleistung Abstriche hinnehmen.

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