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Syngenta bekommt überraschend einen neuen Präsidenten

Der Präsident von Sinochem soll auch den Verwaltungsrat von Chemchina leiten. Das hat Folgen in der Schweiz.

Der Wechsel soll laut Industriekreisen bei der kommenden Generalversammlung Syngentas vollzogen werden. Der Hauptsitz des Konzerns in Basel. (Archiv)
Der Wechsel soll laut Industriekreisen bei der kommenden Generalversammlung Syngentas vollzogen werden. Der Hauptsitz des Konzerns in Basel. (Archiv)
Stefan Borer, Keystone

Beim Basler Agrochemieriesen Syngenta, der rund 2800 Personen in der Schweiz beschäftigt, kommt es überraschend zu einem Wechsel an der Konzernspitze. Dies ist die Folge einer Personalrochade an der Spitze des Syngenta-Eigentümers Chemchina.

Der bisher starke Mann von Chemchina, Ren Jianxin, der bis anhin auch den Verwaltungsrat von Syngenta leitete, verlässt den staatlichen Konzern und wird pensioniert. Sein Nachfolger wird Ning Gaoning. Dieser ist Präsident des staatlichen Mischkonzerns Sinochem und soll fortan beiden chinesischen Chemieriesen vorstehen. Das berichtet das chinesische Wirtschaftsblatt «Caixin» mit Bezug auf Informationen aus der staatlichen Beteiligungskommission. Ning soll dann auch die Leitung des Verwaltungsrats von Syngenta übernehmen, bestätigte am Wochenende ein Sprecher Syngentas. «Wir freuen uns darauf, unseren Wachstumskurs unter der Leitung des neuen Präsidenten Ning Gaoning fortzusetzen», teilte der Sprecher mit. Für die Aktivitäten des Basler Chemieriesen habe die Personalie in China keine Bedeutung. Der Wechsel an der Syngenta-Spitze soll laut Industriekreisen bei der kommenden Generalversammlung Syngentas vollzogen werden, die in wenigen Wochen stattfinden soll.

Die Doppelpräsidentschaft von Ning Gaoing bei beiden chinesischen Chemieriesen gilt als klares Indiz dafür, dass China die Konzerne fusionieren will. Berichte darüber hat es immer wieder gegeben, auch während der Verhandlungen zur Übernahme von Syngenta durch Chemchina. Bisher war eine Fusionsabsicht stets dementiert worden. Auch am Wochenende gab es dafür keine offizielle Bestätigung. Gemeinsam würden beide Unternehmen einen breit aufgestellten Koloss mit einem Umsatz von über 100 Milliarden Dollar formen.

Ning Gaoning: Der Präsident von Sinochem soll den Verwaltungsrat von Chemchina mit übernehmen und wird damit auch den Schweizer Agrochemieriesen Syngenta präsidieren. Foto: PD
Ning Gaoning: Der Präsident von Sinochem soll den Verwaltungsrat von Chemchina mit übernehmen und wird damit auch den Schweizer Agrochemieriesen Syngenta präsidieren. Foto: PD

Laut der «Financial Times» habe die Übernahme Syngentas durch Chemchina die Fusionsgespräche beschleunigt. Chemchina brauche die solidere Bilanz von Sinochem, um den 43 Milliarden Dollar teuren Zukauf Syngentas zu verdauen. Dem Bericht zufolge sei die Fusion der beiden chinesischen Chemieriesen zunächst zurückgestellt worden, weil eine Übernahme Syngentas durch einen fusionierten staatlichen Chemieriesen Chinas vermutlich härtere Auflagen von Seiten der Wettbewerbsbehörden nach sich gezogen hätte.

Weiter heisst es, dass sowohl Chemchina-Chef Ren Jiaxin wie auch Sinochem-Chef Ning Gaoning nicht begeistert von der Idee gewesen seien, ihre beiden Konzerne zusammenzulegen. Ren verspüre wenig Lust, die von ihm massgeblich mit über 100 Zukäufen gross gemachte Chemchina in eine Fusion einzubringen. Sinochem-Chef Ning dagegen schrecke die hohe Verschuldung und die komplexe Struktur Chemchinas ab, heisst es.

Angst vor Instransparenz

Mit dem absehbaren Ausscheiden von Ren aus der Spitze von Syngenta geht auch auf chinesischer Seite der Architekt der milliardenschweren Fusion von Bord. Auf Schweizer Seite hatte der frühere Syngenta-Präsident Michel Demaré bereits kurz vor Weihnachten 2017 seinen Rückzug vollzogen. Demaré hatte den Verkauf an Chemchina massgeblich miteingefädelt. Primär war die Transaktion eine Abwehraktion gegen den US-Wettbewerber Monsanto, der mehrmals eine Fusion mit Syngenta vorgeschlagen hatte. Mittlerweile ist Monsanto vom deutschen Bayer-Konzern ­geschluckt worden.

Die Vorgänge in China an der Spitze von Chemchina bestätigen Befürchtungen, dass die Entscheidungsfindung auf chinesischer Seite für Schweizer Beobachter intransparent abläuft. So ist vollkommen unklar, wie der designierte neue Syngenta-Präsident Ning zum Basler Konzern steht. Immerhin: Syngentas Geschäftsführer Erik Fyrwald kennt Ning dem Vernehmen nach bereits seit Jahren.

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