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Börsen der BRIC-Staaten hinken anderen Schwellenländern hinterher Brasiliens und Russlands Konzerne stark von Weltkonjunktur abhängig Von Sujata Rao, Reuters Hintergrund

London Brasilien, Russland, Indien und China gelten seit Jahren in der globalen Wirtschaft als die aufstrebenden Märkte schlechthin.

Im laufenden Jahr hinkt die Entwicklung an den Börsen dieser Länder aber jener anderer Schwellenländer hinterher. Manche Experten sehen die Ursache darin, dass die einst so furios aufstrebenden Staaten den Abstand zu den grossen Industrienationen verringert haben. So sind Aktien aus den vier Staaten, deren Anfangsbuchstaben zur Bezeichnung BRIC-Länder geführt haben, mittlerweile nicht mehr nur in Fonds vertreten, die sich auf Schwellenländer konzentrieren, sondern auch in denjenigen, die Titel aus allen Industriestaaten enthalten. Wertpapiere von Unternehmen aus Brasilien oder China ragen somit nicht länger wie Leuchttürme aus der Masse asiatischer oder südamerikanischer Aktien heraus, sondern müssen sich mit den Grosskonzernen aus den USA und Westeuropa messen. Dies bestätigt auch Martial Godet, der bei BNP Paribas Investment Partners Chef des Aktienhandels in Schwellenländer ist und einen Fonds mit einem Umfang von 60 Mrd. Euro verwaltet. «Die BRIC-Staaten verfügen mittlerweile über einige Konzerne, deren Grösse mit Unternehmen aus den Industrieländern vergleichbar ist», sagt er. Abhängigkeit von Rohstoffmärkten Allerdings sind viele dieser Konzerne stark von der Weltkonjunktur abhängig. Vor allem stark rohstofforientierte Märkte sind so dem dem Auf und Ab der globalen Wirtschaft ausgesetzt. Fast 40 Prozent der Werte des MSCI-Index, des Börsenbarometers für die BRIC-Staaten, besteht aus konjunkturabhängigen Energie- und Rohstofftiteln. In Brasilien und Russland sind es mit 50 beziehungsweise 60 Prozent noch mehr, in Indien, wo die Börsen besser prosperieren als in Russland, Brasilien oder China, dagegen nur ein Viertel. All diese Faktoren haben nach Meinung von Experten dazu geführt, dass der MSCI-Index seit Anfang Jahr 4 Prozent verloren hat, fast soviel wie vergleichbare Börsenbarometer für Aktien aus Industrieländern, die um fünf Prozent im Minus liegen. Dagegen haben etwa die Börsenindizes von Thailand oder der Türkei im gleichen Zeitraum um 15 bis 20 Prozent zugelegt. Fondspolitik bereits angepasst Diese Entwicklung hat bei den auf BRIC-Staaten spezialisierten Investoren denn auch bereits zu einem Umdenken geführt. Karol Christowski, Fondsmanager bei Renaissance Capital in London, hat sein Engagement am russischen Markt beispielsweise bereits umgestellt. Mittlerweile bevorzugt er auf den Binnenmarkt fokussierte Unternehmen, etwa solche von Lebensmittelhändlern. «Wer Aktien von russischen Ölkonzernen kauft, macht sich zugleich abhängig von der Öl-Nachfrage in den USA» sagt Christowski. Von der Entwicklung des russischen Marktes dagegen würden solche Aktientitel dagegen weniger beeinflusst. 2009 stark vom Wirtschaftserholung profitiert Die Märkte in Brasilien, Russland, Indien und China hätten 2009 als erste von der Erholung der Weltkonjunktur profitiert und Gewinne von 90 Prozent und mehr verzeichnet, erklärt Credit-Suisse- Aktienstratege Robert Ruttman. 2010 seien die Indizes aber angesichts der europäischen Schuldenkrise und der wachsenden Sorgen vor einem Rückfall in die Rezession auffällig stark unter Druck geraten. So lange die Anleger im aktuell unsicheren Umfeld lieber auf Nummer sicher gingen und in Staatsanleihen investierten, werde es bei BRIC-Aktien nicht zu einem schnellen Aufschwung kommen, glaubt Ruttman. Brasilien und China haben ausserdem zusätzlich mit hausgemachten Problemen, sprich der Unsicherheit wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahl respektive einer drohenden Überhitzung der Konjunktur, zu kämpfen.

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