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Das gefährliche Spiel der Hedgefonds

Am verwundbaren Markt für kurzfristige Schuldtitel gab es enorme Ausschläge. Beobachter sehen darin Vorboten einer neuen Finanzkrise.

Jorgos Brouzos
Anleger hoffen auf funktionierende Börsen: Die BIZ warnt vor Schwächen der Finanzmärkte. Foto: Reuters
Anleger hoffen auf funktionierende Börsen: Die BIZ warnt vor Schwächen der Finanzmärkte. Foto: Reuters

Die riesigen Finanzströme am sogenannten Repo-Markt finden statt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon bemerken würde. Doch sind diese Geschäfte für das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft enorm wichtig. Im September gab es am Repo-Markt enorme Ausschläge (wir haben berichtet). Die US-Notenbank Fed musste mit milliardenschweren Zwischenfinanzierungen aushelfen, sie tat das so kräftig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Einige Beobachter sahen in der Intervention bereits den Vorboten für eine neue Wirtschaftskrise.

Ein neuer Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel zeigt, dass die Krise am Repo-Markt kein zufälliges Ereignis ist. Banken seien plötzlich vorsichtiger geworden und hätten kaum noch Kapital zur Verfügung stellen wollen, obwohl die Nachfrage vorhanden gewesen sei, gleichzeitig hätten Hedgefonds besonders viele Mittel ausleihen wollen. Laut der «Financial Times» seien mit Millennium Partners and Capula zwei grosse Hedgefonds im Repo-Markt besonders aktiv.

Experten warnen vor Übertreibungen

Eine beliebte Strategie von Hedgefonds sei es, US-Staatsanleihen zu kaufen und gleichzeitig entsprechende Derivate zu verkaufen, der Preisunterschied bleibt als kleiner Gewinn. Die Staatsanleihen lassen sich aber am Repo-Markt ausleihen, mit dem frischen Kapital können dann wieder Staatsanleihen gekauft werden. Dieser Prozess lasse sich mehrfach wiederholen. Die Hedgefonds würden dafür auf andere Finanzquellen über neue Plattformen zurückgreifen, weil sie von den Banken keinen Kredit mehr erhalten. Diese neuen Quellen könnte zu ungewohnten Marktdynamiken führen, so Claudio Borio, Chefökonom der BIZ. Die Repo-Märkte könnten daher wieder ausschlagen, wenn an den Finanzmärkten Spannungen auftreten.

Experten bezeichnen den Repo-Markt als Schmierfett für das Räderwerk des Finanzsystems. Auf dem Repo-Markt findet ein Tausch von Geld gegen Wertpapiere statt; nach einer vorgängig bestimmten Frist, meist nur ein Tag, findet die Rückabwicklung statt. Geldnachfrager sind Investoren wie zum Beispiel Hedgefonds oder Wertpapierhändler, die als Sicherheit Staatsanleihen oder andere hochwertige Papiere hinterlegen. Als Geldanbieter kommen Geldmarktfonds oder andere Vermögensverwalter infrage. Sie erhalten dafür einen Zins in Form des Repo-Satzes.

Die Experten der BIZ warnen vor Übertreibungen an den Finanzmärkten. Der starke Risikoappetit werfe die Frage auf, wie nachhaltig die Bewertungen seien. Dazu kämen schwer zu deutende Veränderungen an den Börsen. «Dieser Mix lässt bestimmte Schwächen an den Finanzmärkten vermuten, denen sowohl Marktteilnehmer als auch Zentralbanken grosse Aufmerksamkeit schenken sollten», sagte BIZ-Chefökonom Borio.

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