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Der Chef selber hatte ein Konto in Genf

Für Stuart Gulliver wurde es heute ungemütlich. Der HSBC-Boss präsentierte schlechte Zahlen – und musste erklären, warum er ein Konto in der Schweiz hatte.

Immer schön lächeln: HSBC-Direktor Stuart Gulliver posiert neben einer Löwenskulptur während der Eröffnungszeremonie der HSBC-Filiale in Hongkong. (29. Januar 2015)
Immer schön lächeln: HSBC-Direktor Stuart Gulliver posiert neben einer Löwenskulptur während der Eröffnungszeremonie der HSBC-Filiale in Hongkong. (29. Januar 2015)
Bobby Yip, Reuters

Der Chef der britischen Grossbank HSBC, Stuart Gulliver, soll selbst Millionen Dollar in der Schweiz gelagert haben. Wie die britische Zeitung «Guardian» berichtete, war Gulliver Kunde der Schweizer HSBC, die im Zentrum des Skandals um Schwarzgeld-Konten und Geldwäsche steht.

Dem «Guardian» zufolge hatte Gulliver im Jahr 2007 rund 7,6 Millionen Dollar auf einem Konto liegen, das auf den Namen einer in Panama registrierten Gesellschaft angemeldet war. Gulliver wurde demnach als Eigentümer und Nutzniesser des Kontos geführt. Es gab aber in dem Bericht keine Hinweise auf Regelverstösse.

HSBC bestätigt Konto

HSBC bestätigte in einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur sda vorliegt, dass Gulliver ein Konto in der Schweiz hat. Dieses laute aus Vertraulichkeitsgründen auf die Firma in Panama.

Gulliver habe das Konto 1998 eröffnet, um darauf Boni anzulegen, hiess es weiter. Diese Boni seien in Hongkong - dem damaligen Wohn- und Arbeitsort des Bankers - vollumfänglich besteuert worden. Ausserdem habe Gulliver das Konto bei den britischen Steuerbehörden deklariert. Er erhalte keinerlei steuerliche Vorteile wegen dem Konto.

Gulliver steht seit 2011 an der HSBC-Spitze. Vor einer Woche hatte er sich in Zeitungsanzeigen für die Beihilfe zur Steuervermeidung bei der Schweizer Tochter entschuldigt.

Gewinn eingebrochen

Heute Montag entschuldigte sich Gulliver erneut für die Steueraffäre. Diese sei eine «Quelle der Scham und des Schadens für die Reputation», räumte Gulliver ein. Der Fall erinnere die Bank daran, wie viel noch zu tun sei.

Weil neben dem Reputationsschaden auch der Gewinn im vergangenen Jahr einbrach, stürzten die HSBC-Aktien an der Londoner Börse ab. Sie verloren um bis zu 6 Prozent und fielen auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Das Ergebnis der Bank sank 2014 wegen einer Reihe von Strafzahlungen sowie steigenden Kosten und einem flauen operativen Geschäft. Der Gewinn sei um 15 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar gefallen, teilte HSBC mit. Die Erträge stagnierten bei rund 62 Milliarden Dollar. Das Ergebnis lag damit deutlich unter den Analystenerwartungen.

Bankchef Gulliver ist über das Abschneiden seines Hauses im vergangenen Jahr enttäuscht, sieht aber auch einige Fortschritte im operativen Geschäft. Nach wie vor gebe es eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft allgemein und die Branche im Speziellen. «Es sind noch eine Reihe von Altlasten abzubauen, und wir werden diesen Weg 2015 weiter gehen», sagte Gulliver.

In Gullivers Amtszeit wurden 77 Geschäftsteile geschlossen oder verkauft sowie 50'000 Stellen gestrichen. Vor allem die Kosten wollte er senken. Nun musste er aber, weil die Bank mehr Kapital zurücklegen muss, das Rendite-Ziel auf mindestens 10 Prozent von einst 12 bis 15 Prozent senken.

Geschäfte mit Waffenhändlern

Ein internationales Recherche-Netzwerk hatte am 9. Februar Schwarzgeld-Konten und Geschäfte mit Waffenhändlern und Schmugglern bei der Schweizer HSBC öffentlich gemacht. Den Recherchen zufolge half die Bank in der Vergangenheit weltweit zehntausenden Kunden, darunter bekannte Diktatoren und Kriminelle, rund 180 Milliarden Euro vor den Steuerbehörden zu verstecken.

Zu dem Recherchenetzwerk gehört auch der «Guardian». In der Schweiz wurden vergangene Woche Ermittlungen wegen schwerer Geldwäsche gegen die HSBC Private Bank eingeleitet.

Die Schweizer Filiale der HSBC hatte sich nach den Enthüllungen von den kritisierten Praktiken distanziert. Seit 2008 habe die Bank einen radikalen Umbau vorgenommen. Neue Manager hätten die Geschäftspraktiken grundlegend überarbeitet und Konten von zweifelhaften Kunden geschlossen.

SDA

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