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Deutsche Bank ein «Slumlord» in LA? - Neue Vorwürfe aus den USA von Dan Levine und Kathrin Jones, Reuters Hintergrund

San Francisco/Frankfurt Für die Deutsche Bank nehmen die Hiobsbotschaften aus den USA kein Ende.

Erst zu Wochenbeginn wurde Deutschlands grösste Bank wegen unsauberer Hypothekengeschäfte vor einem Gericht in Manhattan verklagt. Seit Mittwoch nun hat die Bank auch eine Klage der Stadt Los Angeles am Hals. Die Vorwürfe, die mit Zwangsräumungen von Häusern überschuldeter Familien zusammenhängen, haben es in sich: Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der grössten «Slumlords» der Millionenmetropole. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben, heisst es in der Klageschrift unter Anspielung auf das englische Wort für Vermieter und für Elendsviertel (Slum). Die Stadt fordert nun Entschädigungszahlungen, die sich laut Staatsanwalt Carmen Trutanich auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen könnten. «Wir müssen die Banken zur Verantwortung ziehen», erklärte Trutanich und unterstrich damit die Entschlossenheit der Behörden im ganzen Land, die Finanzbranche an den Aufräumarbeiten der nunmehr fast vierjährigen Krise auf dem US-Immobilienmarkt zu beteiligen. Es dürfe nicht sein, dass die Lebensqualität in der Stadt einfach so zerstört werde. Die Deutsche Bank habe in Los Angeles über Zwangsvollstreckungen mehr als 2200 Häuser übernommen, sei aber ihrer Verpflichtung zur Instandhaltung nicht nachgekommen. Betroffen seien vor allem Anwesen in ärmeren Vierteln, was die Kriminalität befeuert und die Stadtkasse zusätzlich belastet habe. Bank weist Vorwürfe zurück Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Sie sieht sich in Los Angeles zu Unrecht beschuldigt. Bereits in der Vergangenheit hatte das Institut betont, es habe bei Zwangsräumungen von Immobilien in den USA keine Rolle gespielt, da es nur die Rolle eines Treuhänders übernommen habe. Diesen Standpunkt verteidigte ein Banksprecher auch im aktuellen Fall: «Die Staatsanwaltschaft Los Angeles hat Klage gegen die falsche Partei eingereicht», sagte er. Verantwortlich für die Zwangsvollstreckungen seien vielmehr die sogenannten «Servicer». Während Treuhänder von Häusern die Kredit-Sicherheiten im Auftrag anderer Parteien verbuchen, sind die Servicer - oftmals Spezialinstitute - aktiv in Zwangsvollstreckungen eingebunden: Sie überwachen, ob Hypotheken bedient werden, registrieren säumige Zahlungen, schreiben Mahnungen und leiten letztlich die Verwertung der Immobilien ein. Im vergangenen Herbst schlug die öffentliche Empörung über die Zwangsvollstreckungen in den USA besonders hohe Wellen: Damals wurde bekannt, dass jene US-Banken, die auch als Servicer unterwegs waren, die millionenfachen Zwangsräumungen in vielen Fällen schlampig vorbereitet hatten. Vor allem die Schwergewichte JPMorgan, Bank of America, Wells Fargo und Citigroup standen in der Kritik. Klagen an beiden Küsten Bei der US-Zivilklage in Manhattan, die die Regierung am Dienstag gegen die Bank einreichte, droht im äusserten Fall eine milliardenschwere Strafzahlung. Die USA werfen der Deutschen Bank und ihrer Tochter MortgageIT vor, sich den Zugang zu einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben, das für Hypotheken bürgte. Ausfallrisiken von Krediten seien bewusst verschwiegen worden, was den Staat Hunderte Millionen Dollar gekostet habe. Die Bank habe dagegen am Weiterverkauf der Hypotheken noch kräftig verdient. Auch in diesem Fall hat die Deutsche Bank die Vorwürfe zurückgewiesen. Branchenkenner erwarten aber einen Vergleich.

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