Deutschland schränkt die Bancomat-Nutzung ein

Banken im nördlichen Nachbarland führen einen Mindestbetrag für Geldbezüge am Automaten ein. In der Schweiz will man davon noch nichts wissen.

In Deutschland können vielerorts nicht weniger als 50 Euro an den Geldautomaten abgehoben werden.

In Deutschland können vielerorts nicht weniger als 50 Euro an den Geldautomaten abgehoben werden.

(Bild: Keystone Tobias Kleinschmidt)

Im April 1968 nahm der erste offizielle Bancomat der Schweiz in Zürich seinen Betrieb auf, einen Monat später wurde das automatische Geldabheben auch in Deutschland möglich. Trotz anfänglicher Skepsis und einem harzigen Start setzte sich der Bancomat dank verbesserter Technik ab Ende der 70er-Jahre durch. Mit zunehmender Verbreitung und Akzeptanz von Zahlungsmitteln wie Kreditkarte, EC-Direct oder der Bezahl-App Twint verliert aber auch Bargeld an Bedeutung.

In Deutschland spricht man bereits von einem schleichenden Niedergang der Geldautomaten. Das Land zählte Ende 2017 über 58’400 entsprechende Automaten – 1600 weniger als noch zwei Jahre zuvor. Jetzt schränken zahlreiche Banken in der grössten Volkswirtschaft Europas den automatischen Bargeldbezug weiter ein. Konnte man bisher auch einzelne 5- oder 10-Euro-Scheine beziehen, wird vielerorts eine Mindestgrenze von 50 Euro eingeführt. Bei der Commerzbank-Tochter Comdirect gilt dies bereits seit Anfang Jahr, andere deutsche Banken ziehen in den nächsten Wochen nach.

Teilweise Bezug von nur 10 Franken möglich

Was unternehmen die Schweizer Retailbanken in der Hinsicht? Diese Zeitung hat bei mehreren Bancomatbetreibern nachgefragt. Eine Anpassung der Mindestlimiten sei derzeit kein Thema, versichern die Banken. Entsprechende Bestrebungen gibt es bei Raiffeisen nicht, wie die Genossenschaftsbank mitteilt. «Der Mindestbetrag richtet sich nach den jeweils vorhandenen Notenstückelungen», schreibt Raiffeisen. Die tiefste Notenstückelung betrage zwischen 20 und 50 Franken. Der Bezug hänge jeweils von der Art des Bancomaten, dem Standort und den noch vorhandenen Noten ab.

Auch bei Postfinance besteht keine Absicht, die Mindestmenge an Bargeld zu erhöhen. 20 Franken blieben der tiefste Betrag, den die Postomaten ausgeben würden, heisst es auf Anfrage. Bei der Migrosbank ist – je nach Art des Bankautomaten – sogar der Bezug von nur 10 Franken möglich. Bei der UBS heisst es: «Der Mindestbetrag ist abhängig von der kleinsten Note, die im entsprechenden Automaten vorhanden ist.»

Fremdbezug: Banken verrechnen Kosten weiter

Von den tiefen Bezugsgrenzen profitieren vor allem Schüler, Lehrlinge und Studenten, deren Kontostand in der Regel nicht sehr hoch ist. Konsumentenschützer in Deutschland reklamieren denn auch, dass die Banken junge Kunden zunehmend vergraulen würden.

Die deutschen Banken begründen die Anhebung des Limits mit den Kosten, da jeder Bezug die Bank Geld kostet – unabhängig von der Höhe. Ausschlaggebend ist in der Branche dabei jeweils, wenn Geld bei fremden Bancomaten abgehoben wird. Die Bank des Kunden muss jedes Mal dem Konkurrenten eine Kommission abliefern. Über diese Kosten gibt keine der angefragten Banken Auskunft. Die Finanzinstitute geben die Ausgaben via Gebühren teilweise an die Kunden weiter. Bei Raiffeisen beispielsweise sind 12 Fremdbezüge gratis. Danach werden jedes Mal, wenn der Kunde bei einer anderen Bank Geld vom Raiffeisenkonto abhebt, 2 Franken verrechnet.

235 Franken werden pro Bezug abgehoben

In der Schweiz gibt es heute über 7000 Bancomaten, wie Zahlen der Schweizerischen Nationalbank belegen. Einen Rückgang der Standorte wie in Deutschland verzeichnet man hierzulande nicht. Im Gegenteil: In den letzten zehn Jahren kamen 1000 neue Bancomaten hinzu. Pro Monat werden circa 10 Millionen Transaktionen an den Geräten vorgenommen. Im Schnitt werden bei jedem Bancomatbezug 235 Franken abgehoben. In Deutschland liegt der Durchschnittsbetrag bei 189 Euro.

eme

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