Die Anti-Diebstahl-App ist da

Nach einer umfangreichen Testphase im Jahr 2016 hat die Mobiliar Mitte Juni seine neue Überwachungsanwendung Findme auf den Schweizer Markt gebracht. Das Produkt hat einer Kundin bereits geholfen, ihr gestohlenes Velo aufzuspüren.

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Eine rausgesprungene Kette zwingt den Velodieb zur Aufgabe. Er stellt seine Beute in den Strassen von Schwyz ab und muss zu Fuss weitergehen. Was der Täter nicht weiss: Die Besitzerin des ­gestohlenen Velos hat unter dem Sattel ein Ortungsgerät angebracht, dessen Position auf ihrem Smartphone genau angegeben wird. Dieser sogenannte Tracker ist etwas kleiner als eine Zündholzschachtel und auch etwas dünner. So gelingt es der Frau, ihren leicht beschädigten Besitz wieder an sich zu bringen.

170 Kunden kaufen Findme

Die Velofahrerin gehört zu den ersten 170 Kunden des Jungunternehmens Findme, das sein neues Produkt seit dem 14. Juni 2017 anbietet. Findme ist eine Initiative der Mobiliar mit Sitz in Bern, welche neue Ansätze für die Digitalisierung im Versicherungsgeschäft auslotet. Derzeit arbeiten drei Personen für die Marke.

Im vergangenen Herbst hatte Projektleiter René Meier die Einsatzmöglichkeiten des Ortungssystems mit 30 Interessenten ausgiebig getestet. Das Orten und Verfolgen von Alltagsgegenständen, in der Fachsprache Tracking genannt, ist ein solcher Versuch. Selbstverständlich lässt sich das Gerät von Findme nicht nur an einem Velo platzieren, sondern auch in einer Jacke, an einem Pferdesattel oder in der Laptoptasche.

Der Tracker ist etwas kleiner als eine Zündholzschachtel und auch etwas dünner.

Ende 2016 entschied die Geschäftsleitung der Mobiliar, das Produkt zu lancieren. «Dass Findme schon kurz nach der Lancierung für eine unserer Kundinnen eine solche Hilfe war, ist ein schönes Zeichen», sagt Meier. Das liegt daran, dass das Findme-Team den Testkunden gut zugehört und die App aufgrund ihrer Bedürfnisse weiterentwickelt hat. Neu zeigt die App eine Warnung an, wenn sich der überwachte Gegenstand bewegt oder aus dem Umkreis des Smartphones entfernt.

Weiter gibt der Peilsender auf Knopfdruck einen Pfeifton ab. Das ist dann praktisch, wenn der Schlüsselbund oder die Tasche nicht sofort auffindbar ist. Schliesslich kann das Peilgerät auch die Temperatur messen und Wetterwarnungen anzeigen. «Wir haben einen Kunden, der so seinen Weinkeller überwacht», sagt Meier.

79 Franken für den Tracker

Findme hat seinen Tracker in der mittleren Preisklasse positioniert. Der Einführungspreis beträgt 79 Franken für eine Laufzeit von zwei Jahren. «Unsere Pilotphase hat ergeben, dass Kunden bereit waren, zwischen 50 und 150 Franken zu bezahlen», sagt Meier.

Zum Vergleich: Massenprodukte der Konkurrenz wie Track R sind umgerechnet für knapp 30 Franken erhältlich. Sie sind deshalb so kostengünstig, weil sie keine Ortung via globales Positionierungssystem (GPS) ermöglichen. Sie funktionieren nur mit Bluetooth. Ist ein überwachter Gegenstand ausserhalb der Reichweite dieser Funktechnologie, schlägt die App Alarm.

Der Einführungspreis beträgt 79 Franken für eine Laufzeit von zwei Jahren.

Teurere Angebote wie Trax Play kosten knapp 120 Franken. Solche Produkte sind mit einer SIM-Karte, wie sie in jedem Mobiltelefon steckt, ausgerüstet und benötigen ein monatliches Mobilfunkabonnement. Dadurch ermöglichen sie eine Ortung in mehreren Ländern.

«Als einziger Tracker auf dem Markt funktioniert Findme neben GPS, Wi-Fi und Bluetooth mit dem neuen Low-Power-Netzwerk LPN der Swisscom. Es braucht deshalb kein Abo, und die Akkulaufzeit beträgt mehrere Monate. Damit unterscheiden wir uns mit Findme vom Tracker Markt», sagt Meier.

Vernetzte Maschinen

LPN wird als Grundinfrastruktur zum Aufbau des sogenannten Internets der Dinge genutzt. Anstatt Menschen mit dem Internet verbindet dieses ergänzende Netz Maschinen untereinander. Vom regulären Mobilfunknetz unterscheidet sich das neue Netz in einem Punkt wesentlich: Ge­räte, die über das LPN kommu­nizieren, verbrauchen weniger Strom. Das gilt auch für den Tracker von Findme: Die Batterielaufzeit dauert drei bis vier Monate. Die Ladezeit beträgt 90 bis 120 Minuten.

LPN befindet sich in der Schweiz noch im Aufbau. Bis Ende Jahr soll die landesweite Ab­deckung 95 Prozent betragen. Zurzeit ist Findme eine der ersten Anwendungen, die diese neue Technologie nutzt.

Ge­räte, die über das LPN kommu­nizieren, verbrauchen weniger Strom.

Die Geschäftsleitung der Mobiliar verfolgt aufmerksam, wie sich das Geschäft mit Findme entwickelt. Ein Entscheid, ob und wie der Tracker in die Angebote des Versicherers eingebunden werden soll, ist noch nicht gefällt worden. Auf die Möglichkeiten fürs Versicherungsgeschäft weist Firmensprecherin Patricia Blättler hin: «Dank Tracking könnten Anreize zur Prävention geschaffen werden.»

Davon könnten nicht nur Private profitieren, sondern auch Firmen. Kleine und mittlere Unternehmen sind eine bedeutende Kundengruppe von Versicherern. Dazu gehören beispielsweise Bauunternehmen. Sie könnten ihr schweres Material auf den Baustellen mit Peilsendern ausstatten, um es bei Diebstahl aufspüren zu können.

Druck hat der Projektleiter René Meier trotzdem: Findme soll eigenständig funktionieren und sich am Markt etablieren. Das Findme-Team hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende Jahr mehrere Tausend Geräte zu verkaufen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2017, 21:15 Uhr

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