Ein Bär-Banker, ein Betrüger und 15 verschwundene Millionen

Ein Athener Gericht erachtet es als erwiesen, dass der Banker einem millionenschweren Betrüger geholfen hat. Die Bank will ihn schützen.

Millionen sind in Griechenland verschwunden: Ein Bär-Mann soll eine Mitschuld daran haben.

Millionen sind in Griechenland verschwunden: Ein Bär-Mann soll eine Mitschuld daran haben. Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters

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Die Krise soll Geschichte sein, beteuerte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vor wenigen Tagen bei einem viel beachteten Auftritt in der Hafenstadt Thessaloniki. Doch die Spuren der Krise sind in Griechenland noch vielerorts zu spüren. Der Frust über die schleppende Wirtschaftsentwicklung ist spürbar, die Arbeitslosigkeit ist gross, die Armut in den Städten sichtbar. Und doch wussten einige die Krise zu ihren Gunsten zu nutzen.

Der vermeintliche Vermögensberater Thomas Karidas brachte Athener um ihr Geld, als das Land in Schieflage geriet. Ab 2005 trat Karidas in Griechenland als Vertreter der Bank Julius Bär auf. Er verwendete das Briefpapier der Bank, und auf seinen Werbegeschenken prangte das bekannte Logo. Zusammen mit dem Schweizer Bär-Mann M. S. besuchte er in Athen potenzielle Kunden. Ihnen versprach Karidas, das Vermögen der Kunden in die Schweiz in Sicherheit zu bringen.

Belege gefälscht

Doch das Geld verschwand. Insgesamt rund 15 Millionen Euro. Mit gefälschten Bankbelegen sorgte Karidas dafür, dass die Kunden von seinen Machenschaften nichts bemerkten. 2009 flog seine Masche auf, weil die Kunden seinen Abrechnungen nicht mehr trauten und Nachforschungen anstellten. Sie stellten fest, dass die Konten leer sind. Schon bald danach kam Karidas in Untersuchungshaft. Vor kurzem wurde Karidas vor dem Athener Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren wegen Betrugs, Unterschlagung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei verurteilt.

Nicht nur Karidas erhielt eine Strafe. Zusammen mit ihm wurde der Bär-Mann M. S. verurteilt. Er soll verantwortlich für die Kundenbeziehungen gewesen sein und erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen Beihilfe zum Betrug. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Laut dem zuständigen Staatsanwalt sei dies das erste Mal, dass ein Schweizer Banker von der griechischen Justiz wegen eines bedeutenden Betrugsfalls verurteilt wurde. Mit diesem Urteil bestätigte das Obergericht Athen hinsichtlich der Schuld der beiden Täter das Urteil des erstinstanzlichen Gerichts.

Die Bank will M. S. schützen

«Die Bank ist mit diesem Urteil gegen ihren Mitarbeiter nicht einverstanden und wird Massnahmen zu seinem Schutz treffen», so ein Julius-Bär-Sprecher. Weiter kommentiert sie das laufende Verfahren nicht. Die Bank unternimmt viel, um nicht mehr in derartige Rechtsfälle zu geraten. Seit eineinhalb Jahren läuft ein grossangelegtes Projekt, das die Dokumentation über die Kunden und die Berater verbessert.

Die Opfer von Karidas nehmen die Bank allerdings in die Pflicht. Sie werfen ihr vor, dass sie seit 2009 keine rechtlichen Schritte gegen Karidas eingeleitet habe. Zudem habe die Bank in diesem Betrugsfall nicht einmal eine interne Untersuchung durchgeführt oder die Opfer dazu befragt. Einige fordern von ihr für die Verstrickung in die Sache Schadenersatz und Genugtuung, denn die Geschädigten geben ihr eine Mitschuld an den Machenschaften von Karidas und dessen verurteiltem Julius-Bär Mitarbeiter. In wenigen Monaten soll das Athener Zivilgericht über eine Entschädigungsklage von sechs von Karidas' Opfern gegen die Bank Bär verhandeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2018, 11:15 Uhr

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