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Für eine Aufspaltung der Credit Suisse fehlen die Argumente

Stefan Schnyder, Leiter Ressort Wirtschaft, zum Börsengang der CS-Schweiz-Tochter.

Der Credit-Suisse-Chef Tidjane ­Thiam muss ein guter Pokerspieler sein. Bei der wichtigsten Frage an der Medienkonferenz am Dienstag liess seine Mimik keine Rückschlüsse auf seine Gedanken zu. Er betonte, dass die Grossbank weiter am Börsengang ihrer Schweiz-Tochter arbeite.

Rund 30 Prozent der CS-Universalbank will die ­Bankenspitze an Investoren verkaufen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Bank sehr genau beobachte, was sich am Horizont tue. Und er fügte an, dass die Notwendigkeit eines solches Börsengangs nicht mehr die ­gleiche sei wie Ende 2015.

Der CS-Chef und der Verwaltungsrat ­haben damals aus der Not ­heraus entschieden: Die Grossbank suchte dringend nach Mitteln und Wegen, zu neuem Eigenkapital zu kommen. Doch plausible Argumente für eine Abspaltung der Schweiz-Tochter hat die CS-Spitze bislang nicht vorgebracht. So leuchtet es nicht ein, wieso die Anleger erst bei einem Börsengang den echten Wert der Schweizer CS-Universalbank erkennen sollen.

Es wäre sonderbar, wenn die Analysten den Wert dieser Bank nicht schon heute einigermassen korrekt einschätzenkönnten. Denn das Zahlen­material dafür liegt vor. Umgekehrt würde eine Abspaltung die Abläufe in der Bank massiv ­erschweren. Für jede Handreichung ­würde intern Rechnung gestellt.

Nur wenn die CS-Spitze einen Geheimplan verfolgte, könnte das Vorhaben einen Sinn ergeben. Ein solcher könnte vorsehen, die Bank in zwei voneinander unabhängige ­Institute aufzuspalten.

Mit der weltweit tätigen Einheit könnte man Anleger ansprechen, die hohe Renditen suchen, aber auch bereit sind, Risiken einzugehen. Ein solches Institut müsste den Sitz längerfristig nicht unbedingt in der Schweiz haben. Die CS Schweiz ­dagegen wäre eher ein Engagement für ­risikoscheue Anleger, für welche eine ­stabile Dividendenzahlung im Vordergrund steht.

Derzeit lässt sich nicht ­sagen, ob der Verwaltungsrat so weit überlegt hat. Aber es liegt auf der Hand, dass eine teilweise Abspaltung des Schweiz-Geschäfts ein erster Schritt in einem ­grösseren Strategieplan sein ­könnte.

Noch ist nichts entschieden:CS-Chef Tidjane Thiam und der von Urs Rohner präsidierte Verwaltungsrat müssen im ersten Halbjahr 2017 den definitiven Entscheid für einen Börsengang noch ­fällen. Das CS-Führungsduo hat viel Prestige in das wegweisende Vorhaben investiert.

Deshalb tun sich Thiam und Rohner schwer, sich für einen Rückzieher zu entscheiden. Aber mit ­seinen Aussagen hat Thiam am Dienstag deutlich gemacht, dass er derzeit nicht kategorisch ausschliesst, das Spiel abzubrechen. Und wie ein gewiefter Pokerspieler hält der CS-Chef seine Karten bedeckt, bis es zum grossen Showdown kommt.

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