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G20 wollen Finanzmarktregulierung vorantreiben Hintergrund

Paris Die Reform des internationalen Währungssystems, der Abbau globaler Ungleichgewichte und eine weitere Regulierung der Finanzmärkte - das sind eigentlich die Schwerpunktthemen der diesjährigen französischen G20-Präsidentschaft.

Entsprechende Massnahmen sollen beim G20-Gipfel Anfang November in Cannes beschlossen werden. Doch die andauernde Schuldenkrise in der Euro-Zone lässt die ehrgeizigen Pariser Pläne für das Welt- Währungs- und Finanzsystem in den Hintergrund treten: GROSSBANKEN: Internationale und stark vernetzte Banken und Versicherer - sogenannte systemrelevante Finanzinstitute (englisch: «Sifis») müssen sich auf strengere Vorgaben für das Eigenkapital einstellen - unabhängig von der aktuellen Debatte in der Euro-Zone zur Rekapitalisierung. Auch soll es ein spezielles Verfahren für Bank-Pleiten geben. Grossbanken in einer Schieflage können dann geordnet abgewickelt werden, ohne dass dies auf die Märkte durchschlägt und die Steuerzahler einspringen müssen. SCHATTENBANKEN: Da Banken und Versicherer zunehmend unter die Lupe genommen werden, weichen Finanzjongleure verstärkt in unregulierte Bereiche aus. In diese «Schattenbanken» werden Risiken ausgelagert. Bankenaufseher warnen bereits vor einem neuen Crash. Inzwischen sollen Schattenbanken mehr Kapital verwalten als herkömmliche Geldhäuser. Dies soll eingedämmt werden. Konkrete Schritte haben die G20 aber noch nicht vereinbart. Unter anderem könnten alle Finanzinstitute, die wie eine Bank arbeiten, unter Aufsicht gestellt werden. Das gilt vor allem für Hedgefonds und Risikokapitalgeber. WELTWÄHRUNGSSYSTEM: Ein neues internationales Währungssystem wollen die G20 zwar nicht schaffen. Aber die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat Schwächen offen gelegt: hohe und andauernde Ungleichgewichte, die starke Dominanz des US-Dollars als Reservewährung sowie starke Schwankungen bei Wechselkursen und Kapitalströmen. Es geht also eher um eine geringere Abhängigkeit von der Leitwährung US-Dollar und unerwünschte Kapitalflüsse, die wichtigen Schwellenländern wie Brasilien stark zu schaffen machen. WECHSELKURSE: Hier geht es nicht nur um China, das seine Währung künstlich niedrig hält und so seine Exporte ankurbelt. Auch die USA stehen wegen des niedrigen Dollar-Wechselkurses und der Liquiditätsflut in der Kritik. Unter dem schwachen Dollar leiden andere Exportnationen. Brasilien und Japan etwa versuchen, eine Aufwertung ihrer Währung zu verhindern. Oft spiegeln Wechselkurse nicht langfristige Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft wider. WÄHRUNGSRESERVEN: Das Bestreben einiger Schwellenländer, ihre Währungen zu den wichtigsten Handelswährungen US-Dollar und Euro stabil zu halten, liess die weltweiten Reserven enorm anwachsen. Die Währungsreserven lagen Ende des ersten Quartals 2011 weltweit bei 9640 Milliarden US-Dollar. Allein China häufte bis zum Ende des zweiten Quartals 3200 Milliarden US-Dollar an. KAPITALSTRÖME: Problematisch sind auch wieder wachsende Kapitalflüsse in die Schwellenländer. Dort legen viele Investoren ihr Geld an, was zu einer Aufwertung der Währung eines Schwellenlandes führt mit negativen Folgen für dessen Exporte. Sie sind so auch anfälliger für einen abrupten Kapitalabzug im Zuge spekulativer Attacken. Viele Schwellenländer steuern daher mit Kontrollen für den Devisenverkehr gegen, um grosse Schwankungen zu vermeiden und Kapitalzuflüsse zu bremsen. Aus Sicht der G20 sollen jedoch Eingriffe, die den freien Kapitalverkehr einschränken, nur als letztes Mittel zum Zuge kommen. LOKALE ANLEIHEMÄRKTE: Verwundbar ist das Währungssystem auch durch eine steigende Verschuldung von Schwellenländern in ausländischer Währung. So ist Indien zu 80 Prozent in ausländischer Währung verschuldet, die Türkei zu mehr als 90 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 18 und in den USA knapp 8 Prozent. Die G20 vereinbarten daher einen Aktionsplan zur Entwicklung lokaler Anleihemärkte in Schwellenländern. Die sollen so gegen äussere Schocks - etwa durch Wechselkursausschläge - besser abgeschirmt werden. IWF-WÄHRUNGSKORB: Der Aufstieg des chinesischen Yuan zu einer Weltwährung bleibt offen. Die G20 loten weiter aus, inwieweit der Yuan eine stärkere Rolle in einem künftigen Weltwährungssystem spielen kann. Dabei geht es um eine mögliche Ausweitung des Währungskorbs des Internationalen Währungsfonds (IWF) um Währungen der Schwellenländer wie den Yuan. Bisher sind neben dem US-Dollar und dem Euro das britische Pfund und der japanische Yen in dem Korb. Daraus setzen sich die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) zusammen, eine künstliche, vom IWF geschaffene Währungseinheit. Eine Voraussetzung zur Integration in den IWF-Währungskorb ist es aber, dass das Land seine Währung «internationalisiert».

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