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Gefangen zwischen Hollywood und den Saudis

Der Wandel vom Computer-Geek zum Playboy von Amazon-Chef Jeff Bezos ist ein Segen für die Boulevardpresse, aber stellt sein Urteilsvermögen infrage.

Jeffrey P. Bezos, Gründer, CEO und Präsident von Amazon, zusammen mit der für den Emmy Award nominierten amerikanischen Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez (16. Januar 2020). Foto: Prodip Guha (Getty Images)
Jeffrey P. Bezos, Gründer, CEO und Präsident von Amazon, zusammen mit der für den Emmy Award nominierten amerikanischen Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez (16. Januar 2020). Foto: Prodip Guha (Getty Images)

Als Bürotische dienten in den Gründerjahren ausrangierte Türen, und selbst als Milliardär fuhr er noch einen bescheidenen Honda Accord. Am liebsten erschien er zu Kadermeetings in Handwerkerhosen, mit einem Schweizer Armeemesser im Hosensack. Umso überraschender erscheint nun der Persönlichkeitswandel von Jeff Bezos, mit dem er sich zum billigen Futter der Klatschpresse gemacht hat.

Der Wandel des 56-jährigen Amazon-Chefs begann 2016 zunächst kaum bemerkt in Hollywood. Die Amazon-Filmstudios feierten die Oscarnomination von «Manchester by the Sea» in der Villa von Bezos in Beverly Hills. Geladen war neben Matt Damon auch Lauren Sanchez, eine frühere TV-Ansagerin, die auf der Suche nach einer neuen Karriere war. Mit Bezos teilte sie die Leidenschaft fürs Fliegen, was ihrem Mann, Patrick Whitesell, offenbar mehr als recht war. Der einflussreiche Filmproduzent ermunterte die beiden, als sie gemeinsam zu Flügen aufbrachen.

Er sah den Namen Bezos als Gleitmittel für den Start eines neues Unternehmens seiner Frau, wie die «New York Times» berichtete. Tatsächlich wurde die Öffentlichkeit rasch aufmerksam auf das Paar Bezos-Sanchez, allerdings nicht ganz in der erwünschten Richtung. Der «National Enquirer», das unverschämteste Klatschblatt des Landes, publizierte Fotos des frisch verliebten Paares und druckte Auszüge aus dessen amourösen Textnachrichten.

Mysteriöser Wandel

Das war der Stoff, der den Umsatz förderte. Jeff Bezos wird auf Luxusjachten im Mittelmeer und in Florida gesichtet, hier zusammen mit dem Medienmogul David Geffen und Supermodels, dort mit dem früheren Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein und anderen Supermodels. Noch grösser werden die Schlagzeilen, als Bezos vor einem Jahr die Scheidung von seiner Frau bekannt macht und die Kontrollmehrheit an Amazon für sich beansprucht.

Seinen Freunden und Mitarbeitern erscheint der Wandel vom Privatmann, der Geschirrspülen einmal als die aufregendste Tätigkeit zu Hause bezeichnet hatte, zum Lebemann, etwas mysteriös. Derweil führte er sein Unternehmen offenbar in gewohnt effizienter Art und Weise weiter. «Wir haben Verständnis dafür, was er durchmacht, und bewundern, dass er sich trotzdem auf das Entscheidende konzentrieren kann», sagt Amazon-Medienchef Jay Carney, Ex-Pressesprecher von Präsident Obama.

MacKenzie Bezos will nach ihrer Scheidung den grössten Teil ihres Milliardenvermögens für wohltätige Zwecke spenden. Video: Reuters

Doch dann war es Bezos selbst, der das Melodrama wieder anheizte. In einem Artikel auf der Onlineplattform «Medium» warf er dem «National Enquirer» vor, ihn mit «Selfies unter der Gürtellinie» zu erpressen und Präsident Trump – mit dem er eine Privatfehde führt – und dem saudischen Königshaus einen Gefallen zu erweisen.

«Davos in der Wüste»

Noch pikanter wurde die Saga, als bekannt wurde, dass Bezos den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salam schon 2016 getroffen hatte und mit ihm über Whatsapp in regelmässigem Kontakt stand. Bezos und der saudische Regent verfolgten die gleichen Ziele: Der Amazon-Chef wollte in Saudiarabien ein Datenzentrum für über zwei Milliarden Dollar bauen. Und sein Gegenspieler glaubte, das Königreich dank Amazon zu einem Technologiezentrum im Mittleren Osten ausbauen zu können. «Es ist sehr wichtig, mein lieber Freund, dass Du nach Saudiarabien an das Finanzforum kommst und wir die Vision von 2,8 Milliarden Dollar bekannt machen», textete der Regent.

Doch Bezos zögert und entscheidet anders: Er investiert in ein Datenzentrum im benachbarten Bahrain und lehnt auch die Einladung zur Finanzkonferenz in Riad («Davos in der Wüste») ab, als klar wird, dass der saudische Regent die Ermordung von Jamal Khashoggi zu verantworten hat. Khashoggi war Kolumnist der «Washington Post», die Bezos vor sechs Jahren mit einer Investition von 250 Millionen gerettet und seither zu einer der hartnäckigsten politischen Tageszeitungen gemacht hat.

Ob der saudische Prinz das iPhone von Bezos hackte, wie der Amazon-Chef erklärte, und ob er mit dem «National Enquirer» gemeinsame Sache machte, um die Affäre mit seiner Geliebten auszuschlachten, ist noch ungeklärt. Zwar unterstellt ein Bericht einer von Bezos bezahlten IT-Firma solche Zusammenhänge, doch meldeten Sicherheitsexperten Zweifel an einer direkten Verbindung wischen dem Hackerangriff und den Enthüllungen an.

Bezos und Sanchez sind noch immer ein Paar. Und das, obwohl sie die heissen Fotos und Texte des Lovers an ihren Bruder übergab und er das Material an den «Enquirer» verkauft haben dürfte. Obwohl die Ereignisse der letzten Monate einige Zweifel am Urteilsvermögen geweckt haben, so hielten ihm die Aktionäre bisher die Treue. Bezos wird mit einem starken Quartalsresultat von Amazon die Wogen wohl glätten können.

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