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Aktionäre im Geldregen

Die Aktionäre der Schweizer Gross­unternehmen wissen, wie sie die Kassen zum Klingeln bringen. Mit den Dividenden auf Aktien nämlich. Innert zehn Jahren haben sich die Ausschüttungen der Multis mehr als verdoppelt.

Beim Wort «Bricklebrit» lässt der Esel im Märchen der Gebrüder Grimm Goldstücke regnen. Ähnlich wie dem Besitzer dieses Esels ergeht es derzeit vielen Aktionären. Bild: Fotolia
Beim Wort «Bricklebrit» lässt der Esel im Märchen der Gebrüder Grimm Goldstücke regnen. Ähnlich wie dem Besitzer dieses Esels ergeht es derzeit vielen Aktionären. Bild: Fotolia

Nein, besonders dynamisch hat sich die Schweizer Volkswirtschaft seit der Finanzkrise 2008/­2009 nicht entwickelt. Im Schnitt erreichte das Wachstum eher ­magere 1,2 Prozent. Die Weltwirtschaft schaffte es in diesem Zeitraum auf immerhin 3 bis 3,5 Prozent, doch das ist ebenfalls deutlich weniger als in früheren Dekaden.

Ob und wie rasch die Weltwirtschaft und die inländische wächst, ist für die Aktien­anleger von grundlegender Bedeutung. Denn ein schönes Wachstumstempo führt zu hö­heren Unternehmensgewinnen, und höhere Unternehmenspro­fite beflügeln über kurz oder lang auch die Aktienkurse.

Für das kommende Jahr ist diesbezüglich grosse Zuversicht angesagt: Das globale BIP könnte 2018 er­freuliche 4 Prozent erreichen, schätzen verschiedene Prognoseinstitute und auch die Schweizerische Nationalbank. Dies würde dem flottesten Wachstumstempo seit 2011 entsprechen. Und auch in unserem Land wird die Wirtschaft merklich an Fahrt ge­winnen.

Unternehmen schütten 1,25 Billionen Dollar aus

Doch sogar bei einem relativ geringen Wachstumstempo können Topunternehmen unter dem Strich regelmässig schön steigende Erträge erreichen.

Und weil die Ausschüttungen an die Aktionäre seit einigen Jahren schneller steigen als die Gewinne, sind die Topaktien dieser Welt, die ­sogenannten Blue Chips, buchstäblich zu grimmschen Goldeseln geworden.

Jahr für Jahr gibts mehr Bares. Sogar ohne den Märchenspruch «Bricklebrit». Sagenhafte 1,25 Billionen Dollar werden es im nächsten Frühling sein. Diesen unvorstellbaren Betrag werden die 1200 grössten Unternehmen der Welt dann­zumal an ihre Teilhaber ausschütten, schätzt eine Studie des Janus Henderson Global Dividend Index. Innert bloss fünf Jahren sind die Ausschüttungen an die Aktionäre damit um gut die Hälfte angewachsen.

Die Teilhaberinnen und Teilhaber von Schweizer Grosskonzernen müssen keineswegs hintenanstehen. Auch sie sind in den letzten zwölf Jahren reichlich verwöhnt worden, haben sich doch die Ausschüttungen der 24 besten Dividendenzahler in dieser Periode mehr als verdoppelt (siehe Tabelle pdf-Datei). .

Und dies, obschon es in diesem Zeitabschnitt beileibe nicht an Krisen und Katastrophen gefehlt hat und sich auch heute an allen Ecken und Enden der Welt Problem auf Problem auftürmt.

Die meisten Unternehmen steigern erneut Profite

Ein Blick in die Firmenbilanzen der ersten neun Monate be­stätigt die überaus robuste Konstitution des Unternehmenssektors. Nach Schätzungen auf der Basis der Dreivierteljahreser­gebnisse dürften 17 der 24 po­tentesten helvetischen Firmengruppen die Profite im Vorjahresvergleich erneut steigern und eine höhere Dividende aus­schütten können.

Bankanalysten erwarten, dass die Gewinne aller börsenkotierten Firmen im laufenden Jahr um 5 Prozent auf rund 76 Milliarden Franken steigen werden. Und dank der grös­seren Dynamik der Weltwirtschaft sind die Perspektiven für das kommende Jahr gar noch ­besser.

Dividendenzahlungen wohl auf neuem Rekordhoch

Noch erquicklicher sieht es für die Aktionäre aus. Von den Rekordgewinnen dürfte nämlich wiederum ein überdurchschnittlich grosser Teil in ihre Taschen fliessen. Denn angesichts des weiterhin nicht einfachen Wirtschaftsumfelds zahlen viele Firmen die erwirtschafteten Profite lieber an ihre Anteilseigner aus, als diese Mittel für Investitionen und Übernahmen bereitzuhalten.

Die für die Aktionäre er­freuliche Folge: Die Summe der ausgeschütteten Dividenden der Schweizer Firmen für das laufende Geschäftsjahr wird nach ersten Schätzungen erneut einen Rekordwert erreichen und auf über 46 Milliarden Franken klettern. Das wäre mehr als das Doppelte als vor zehn Jahren.

Allein die besten 24 Dividendenzahler werden ihre Anteilshaber mit rund 38 Milliarden Franken verwöhnen (siehe Tabelle pdf-Datei). Damit steigt ihr Anteil am Gewinn dieser Firmen auf über 60 Prozent. Zum Vergleich: Vor drei Jahren war es bloss etwas mehr als ein Drittel gewesen.

«Die grossen Schweizer Unternehmen verfügen über sehr starke Bilanzen. Sie können es sich deshalb locker leisten, eine höhere Ausschüttungsquote zu fahren», sind sich die Schweizer Aktienanalysten einig.

In der Tat: Die Ausschüttungen gehen keineswegs an die Substanz der Unternehmen. Denn diese ver­fügen über ausreichend flüssige Mittel, um weiter zu investieren und zu akquirieren.

Weiterhin ungetrübte Aussichten

Auf der Basis der Resultate der ersten drei Quartals des ­laufenden Jahres rechnen Analysten auch für das Jahr 2018 bei den meisten Blue Chips mit Dividenden, die um 5 bis 10 Prozent höher ausfallen werden.

Bei den Grossen der Finanzbranche beispielsweise sind weitere deutliche Verbesserungen der Gewinne durchaus realistisch. Für die UBS und die CS Group sind sie sogar ein Muss. Die beiden Pharma­giganten Novartis und Roche sowie Nestlé sollten sich sodann wie gehabt kontinuierlich weiter steigern können.

Konklusion: «Die Unternehmensgewinne der Schweizer Firmen werden dank der anziehenden Konjunktur und dem nicht mehr ganz so harten Franken noch eine Weile weiterwachsen», sind sich Schweizer Anlageexperten einig.

Zwar sind Aktien insgesamt nicht mehr günstig, doch die weiter steigenden Gewinne relativieren die stattlichen Bewertungen. Dies gilt nicht nur für die Blue Chips, sondern auch für eine ganze Reihe von Unternehmen aus der zweiten Reihe.

Alles in allem: Aus heutiger Sicht muss auch der reichliche Ausschüttungssegen des letzten Frühjahrs noch nicht das Ende ­aller Träume gewesen sein. Aktionäre dürfen sich im Gegenteil bereits heute auf den nächsten und wohl auch den übernächsten Dividendenfrühling freuen.

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